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30.04.2016

14:53 Uhr

Textilbranche

Warum der deutsche Modehandel Achterbahn fährt

Der deutsche Modehandel befindet sich in einer der größten Umbrüche seit Jahrzehnten. Online-Händler, Modehersteller und internationale Ketten wirbeln die Strukturen durcheinander – zum Leid vieler Boutiquen.

Internationale Ketten setzen den deutschen Händlern zu. dpa

Schaufenster von H&M

Internationale Ketten setzen den deutschen Händlern zu.

DüsseldorfEs sind stürmische Zeiten für den deutschen Modehandel. Die Zahl der selbstständigen Textilhändler hat sich seit der Jahrtausendwende fast halbiert, schätzt der Bundesverband des deutschen Textilhandels (BTE) – von damals über 35.000 auf aktuell nur noch rund 18.000 Unternehmen. Stattdessen boomen Online-Händler wie Zalando und internationale Ketten wie H&M oder Primark. „Die Branche befindet sich in ihrer größte Konsolidierung seit Jahrzehnten“, urteilte kürzlich das Branchenfachblatt „Textilwirtschaft.“

Dabei haben die Modehändler auf den ersten Blick eigentlich gar keinen Grund zu klagen. Im vergangenen Jahr stiegen die Einzelhandelsumsätze mit Bekleidung sowie Haus- und Heimtextilien um rund zwei Prozent auf 62 Milliarden Euro. Auch dieses Jahr hofft die Branche auf ein weiteres kleines Umsatzwachstum. Der Haken dabei: „Das Wachstum wird von immer weniger Unternehmen abgegriffen“, betonte kürzlich BTE-Präsident Steffen. Fünf Ursachen werden wohl dafür sorgen, dass die Branche auch in Zukunft nicht zur Ruhe kommt:

Ursache 1: Der Online-Boom: Immer mehr Verbraucher kaufen Hosen, Kleider und Mäntel im Internet. Nach Angaben des E-Commerce-Verbandes bevh stiegen die Online-Umsätze mit Bekleidung im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf über zehn Milliarden Euro. Davon profitieren reine Internethändler wie Amazon und Zalando, aber auch Unternehmen wie H&M oder Bonprix, die auf mehreren Kanälen verkaufen. Verlierer sind vor allem kleinere Händler, die sich kein attraktives Online-Standbein leisten können. Jeder Euro, der online ausgegeben werde, mache es für sie schwieriger die Kosten für Mieten und Personal zu erwirtschaften, betont die Handelsexpertin Kerstin Lehmann von OC&C Strategy Consultants.

Ursache 2: Der Siegeszug der Modeketten: Internationale Textilketten wie H&M oder Zara und Textil-Discounter wie Primark oder KiK verdrängen seit Jahren klassische Modehändler und Boutiquen aus den Einkaufsstraßen. Denn mit dem Tempo und den Preisen der straff durchorganisierten Ketten können viele etablierte Händler nicht mithalten.

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