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08.07.2013

12:26 Uhr

Textilfabriken in Bangladesch

Brandschutzabkommen tritt in Kraft

70 westliche Textilfirmen haben ein Abkommen unterzeichnet, dass die Mitarbeiter in Billiglohnländern vor Brandkatastrophen schützen soll. Doch einige namhafte Kleidungshersteller verweigern die Ratifizierung.

In Gazipur (50km nördlich von Dhaka) brannte eine Kleidungsfabrik vollständig aus. dpa

In Gazipur (50km nördlich von Dhaka) brannte eine Kleidungsfabrik vollständig aus.

DhakaRund zweieinhalb Monate nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch haben 70 internationale Konzerne mehr Sicherheit in den Produktionsstätten versprochen. Seit Montag gilt für die Lieferanten der Textilketten ein Brandschutzabkommen, das die Arbeitssicherheit in den Werken garantieren soll. In den kommenden Monaten sollen nun Experten die Nähfabriken unter die Lupe nehmen, bei akuter Gefahr sollen diese umgehend geschlossen werden.

Beim schlimmsten Industrieunglück in der Geschichte des Landes waren im April beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza am Rande der Hauptstadt Dhaka mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen. In dem Gebäude hatten auch zahlreiche internationale Konzerne Kleidung fertigen lassen. Bangladesch ist nach China weltweit zweitgrößter Produzent von Textilien. 80 Prozent der Exporte des Landes im Wert von umgerechnet rund 19 Milliarden Euro im Jahr sind Kleidung und Schuhe. Die Beschäftigten bekommen zum Teil nur umgerechnet 29 Euro im Monat.

Das neue Brandschutzabkommen ist für die 70 Unterzeichner verpflichtend. Bis zum 15. Juli müssen die Unternehmen nun zunächst alle ihre Lieferanten in Bangladesch offenlegen, damit feststeht, welche Fabriken kontrolliert werden müssen. Innerhalb der nächsten neun Monate sollen dann in den tausenden betroffenen Nähfabriken zumindest vorläufige Inspektionen stattfinden.

Die Inspektorenteams setzen sich aus internationalen Experten für Brandschutz und Gebäudesicherheit zusammen, die gemeinsam mit Kollegen aus Bangladesch die Arbeitssicherheit unter die Lupe nehmen werden, wie Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC) sagte. Die Experten stellen dann Pläne für eventuell notwendige Reparaturen und Renovierungen auf. Wo Gefahr für Leib und Leben droht, werden die Manufakturen laut CCC umgehend geschlossen. Die betroffenen Abnehmer werden informiert, die Arbeiter sollen in dieser Zeit weiterhin bezahlt werden.

„Unser Ziel ist klar: die Sicherheit aller Textilbeschäftigten in Bangladesch zu gewährleisten”, erklärte am Montag Jyrki Raina, Generalsekretär der in der Schweiz ansässigen Arbeitsrechtsorganisation IndustriALL. Eine Untersuchung von Experten aus Bangladesch hatte in der vergangenen Woche ergeben, dass nur eine von zehn untersuchten Textilfabriken sicher ist.

In Bangladesch hatte der Verband der Hersteller und Exporteure, der die Besitzer von 4500 Textilfabriken vertritt, das Brandschutzabkommen zunächst begrüßt. Später kritisierte Vizepräsident Reaz-Bin-Mahmood, dass der Verband nicht eingebunden worden sei: „Es sind schließlich unsere Fabriken, die sie kontrollieren werden.”

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Scott Nova, ein Vertreter der US-Organisation Worker Rights Consortium, begründete dies damit, dass die westlichen Textilunternehmen die Verantwortung für sichere Produktionsstätten in Bangladesch trügen. Das Abkommen haben viele bekannte Unternehmen in Deutschland wie Adidas, C&A, Kaufhof, Karstadt, Metro und Tchibo unterzeichnet. Auch zahlreiche Firmen aus anderen europäischen Ländern unterschrieben. Große US-Textilunternehmen wie Gap oder Walmart hingegen weigerten sich und plädierten für unternehmensinterne Selbstverpflichtungen.

Im Rahmen des Brandschutzabkommens wird in den Niederlanden nun zudem eine Stiftung eingerichtet, welche die Arbeit der Kontrolleure in Bangladesch kontrollieren soll. Das Leitungskomitee der Stiftung setzt sich aus Vertretern von Arbeitsschutzorganisationen und den beteiligten Unternehmen zusammen.

Von

afp

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