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21.02.2014

06:43 Uhr

Textilindustrie

Kampf ums letzte Hemd

VonFranz Hubik

Dem deutschen Mode-Mittelstand laufen die Kunden weg. Etliche Hersteller schreiben Verluste, einst gefragte Marken wie Strenesse oder Rena Lange betteln bei Investoren um Geld – doch die zieren sich.

Nachtwäsche von Seidensticker: Obwohl die Wirtschaft brummt, geben die Deutschen deutlich weniger Geld für Bekleidung und Schuhe aus. PR

Nachtwäsche von Seidensticker: Obwohl die Wirtschaft brummt, geben die Deutschen deutlich weniger Geld für Bekleidung und Schuhe aus.

DüsseldorfGerd Oliver Seidensticker ist so etwas wie der Meister Proper der Modebranche. Eine Allzweckwaffe. Wo andere die Sterbeglöckchen läuten hören, verbreitet der Präsident des deutschen Modeverbands German Fashion gute Stimmung. „Nichts ist aussichtslos“, sagt der 47-Jährige mit der markanten Stoppelglatze. „Wir müssen jetzt viel tun, damit wir später die Ernte einholen können.“

Es ist Mittag Anfang dieser Woche in Bielefeld. Seidensticker richtet seinen Hemdkragen und guckt aus dem Bürofenster der Firmenzentrale. Vor 95 Jahren legte sein Großvater, Walter Seidensticker, hier den Grundstein für das gleichnamige Unternehmen. Heute steht der größte Hemdenfabrikant Europas unter Druck. Wie so viele heimische Bekleidungshersteller rutschte Seidensticker in die roten Zahlen.

Obwohl die Wirtschaft brummt, geben die Deutschen heute deutlich weniger Geld für Bekleidung und Schuhe aus als noch vor ein paar Jahren. Der Kleiderschrank der meisten Konsumenten ist prall gefüllt, folglich schrumpft der Markt. 2013 wurden hierzulande um drei Milliarden Euro weniger mit Textilartikeln umgesetzt, als um die Jahrtausendwende.

Nach Gläubiger-Votum: Strenesse will wieder Gewinn machen

Nach Gläubiger-Votum

Strenesse will wieder Gewinn machen

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Strenesse mit einem Verlust von 8,1 Millionen Euro. Ein Sanierungsplan soll die Kosten beim Modeanbieter drücken und so zu schwarzen Zahlen führen. Auch Stellenabbau ist geplant.

Die Modewelt ist im Umbruch. Im Wettbewerb mit internationalen Ketten drohen deutsche Hersteller den Anschluss zu verlieren. Während H&M und Zara stetig Marktanteile gewinnen, gerät der heimische Mode-Mittelstand in immer stärkere Turbulenzen.

Einst angesagte Marken wie Strenesse machen nur noch abseits der Mode auf sich aufmerksam. Die bayrische Firma konnte eine zwölf Millionen schwere Anleihe nicht wie geplant zurückzahlen und bat ihre Gläubiger am Donnerstag um Zahlungsaufschub. Die Geldgeber stimmten dem Restrukturierungsplan zwar zu, aber das Hauptproblem für Strenesse und die Branche bleibt: Die traditionellen Vertriebswege brechen ein.

Große Warenhäuser wie Karstadt, Kaufhof oder die kriselnde Handelskette Strauss Innovation sehen gegen Online-Händler wie Zalando alt aus. Kleine Boutiquen geben reihenweise auf. Laut dem Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) ist die Anzahl der Bekleidungsfachhändler seit dem Jahr 2000 von mehr als 35.000 auf aktuell 20.000 gesunken. Jährlich verschwinden so gut tausend Textilhändler von den Einkaufsmeilen.

Für die deutschen Mode-Produzenten sind diese Zahlen alarmierend. Sie vertreiben noch immer den Großteil ihrer Waren über Kaufhäuser und Fachhändler. Wollen sie überleben, müssen sie umdenken und ihr Geschäftsmodell von Grund auf ändern – eigene Läden hochziehen sowie den Export- und Online-Markt forcieren. Vielen Herstellern ist die neue Welt aber zu komplex.

Kommentare (10)

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21.02.2014, 08:20 Uhr

Das Bild zum Artikel grenzt an Rufmord!!! Erstens ist dies Kleidungsstück gemäß Etikett nicht von Seidensticker und zweitens handlet sich offensichtlich eher um einen Schlafanzug! Und diese Peinlichkeit (oder Unverschämtheit?) vom Handelsbaltt

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21.02.2014, 08:29 Uhr

Das Problem sind nicht die Markenhersteller selbst (Eterna, Seidensticker oder Olymp), die produzieren tatsächlich sehr hochwertige und tragbare, aber auch teurere Hemden. Das Problem ist der Kunde, der nur billig möchte und sich seine Hemden bei Primark, Aldi und Co. holt. "Lieber 5 billige Hemden beim Discounter als 3 vernünftige von Eterna und Co."

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21.02.2014, 08:45 Uhr

Wenn die Kleidungsstücke der Markenhersteller ebenso in asiatischen / indischen Fabriken produziert werden, wie Billigmarken und sich auch nicht wesentlich in der Qualität unetrscheiden, wozu dann soviel Geld ausgeben? Das haben sich die Markenhersteller selbst eingebrockt. Hochpreisige Ware sollte auch entsprechende Qualität aufweisen. Ich gehöre zu den verbrauchern, die ganz gezielt nach Kleidung sucht, die bene NICHT in den ausbeuterischen Fabriken produziert werden, ich bin auch bereit dafü mehr zu bezahlen. Leider ist dies aber fast unmöglich.

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