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25.02.2017

11:29 Uhr

Textilkonferenz in Dhaka

Katerlaune statt Feierstimmung

Bangladesch hat zuletzt viele Fortschritte bei der Sicherheit seiner Textilarbeiter gemacht. Auf einem Gipfel sollten sie diskutiert werden. Doch ein anderer Konflikt drängt sich in den Vordergrund.

DhakaEin monatelanger Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern überschattet den Textilgipfel in Bangladesch. Erst in letzter Sekunde lenkte die Regierung in Dhaka ein und entließ die letzten von mindestens 34 inhaftierten Arbeitern und Gewerkschaftlern, die teilweise wochenlang im Gefängnis gesessen hatten.

Zuvor hatten Gewerkschaften, Handelsverbände und Regierungen aus rund 20 Ländern öffentlich das Verhalten von Arbeitgebern und Regierung in Frage gestellt. Ein Einlenken gab es aber erst, als wenige Tage vor dem Gipfel fünf große Marken ihre Teilnahme absagten - darunter Tchibo, C&A und Inditex (Zara). Die Festnahmen waren international kritisiert worden - unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Auch das Auswärtige Amt in Berlin meldete Bedenken an, ob die Inhaftierten fair behandelt wurden.

Bereits seit dem 12. Dezember tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Textilindustrie in Bangladesch einen offenen Konflikt aus. Tausende Arbeiter forderten eine Erhöhung ihres Mindestlohns auf rund 180 Euro im Monat - fast dreimal so viel wie bisher. Als Reaktion wurden mehr als 50 Fabriken zeitweise geschlossen. Laut Gewerkschaftsangaben wurden zudem mindestens 1600 Arbeiter entlassen und mindestens 34 Aktivisten festgenommen, Büros von Gewerkschaften mussten schließen.

Unglücke in Fabrikgebäuden in Bangladesch

Juni 2015

Eine Textilfabrik außerhalb der Hauptstadt Dhaka brennt völlig aus und stürzt in sich zusammen. Verletzt wird niemand. Das sechsstöckige Gebäude war erst ein Jahr zuvor von Inspektoren des Aktionsplans in Augenschein genommen worden.

Januar 2015

Beim Brand in einer Recyclingfabrik für Kunststoffe in Dhaka kommen mindestens 13 Arbeiter ums Leben. Das Feuer war im Erdgeschoss des sechsstöckigen Gebäudes ausgebrochen. Die Flammen kamen nach Angaben der Polizei mit gelagerten Chemikalien in Kontakt und breiteten sich schnell aus.

Oktober 2013

Eine Textilfabrik in einem Industriebezirk nördlich von Dhaka gerät in Brand, mindestens neun Menschen sterben.

April 2013

Das Rana-Plaza-Gebäude in einem Vorort von Dhaka stürzt ein. Mehr als 1100 Menschen sterben, mehr als 2500 werden verletzt. Die meisten Opfer sind Frauen, die dort als Textilarbeiterinnen arbeiteten. Fahrlässigkeit und Baumängel sollen die Ursache der schlimmsten Fabrikkatastrophe in der Geschichte Bangladeschs gewesen sein.

Januar 2013

Sieben Menschen fallen einem Brand in einer Textilfabrik in Dhaka zum Opfer.

November 2012

Bei einem Feuer in der „Tazreen Fashion“ Textilfabrik nahe Dhaka kommen 112 Menschen ums Leben. Die Ausgänge der Fabrik sollen abgesperrt gewesen sein.

Auf dem eintägigen Textilgipfel, ausgerichtet vom Verband der bangladeschischen Textilexporteure BGMEA, sollten Fortschritte bei der Arbeitssicherheit diskutiert und ein Ausblick auf die Zukunft des zweitgrößten Textilexporteurs der Welt geworfen werden. Denn dass es beim Arbeitsschutz Fortschritte gab, wird kaum bestritten. Nach einem großen Fabrikunfall im April 2013, bei dem mehr als 1100 Menschen gestorben waren, engagierten sich auch ausländische Käufer in gemeinsamen Initiativen, um die Sicherheit zu verbessern.

Auf der anderen Seite ist es jedoch immer noch sehr schwierig, in Bangladesch eine Gewerkschaft zu gründen oder für andere Arbeiterrechte zu kämpfen. In der Textilindustrie ist nur rund jeder 20. der mehr als vier Millionen Arbeiter gewerkschaftlich organisiert.

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„Der Dialog zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Regierung muss in Bangladesch besser strukturell verankert werden“, sagte Franziska Korn, Landeschefin der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Bangladesch. Die internationale Gewerkschaft Industriall, eine der Treiberinnen hinter den Protesten, sieht vor allem die weltweite Aufmerksamkeit als Grund für das jüngste Einlenken. „Wir haben unglaubliche internationale Unterstützung erhalten“, sagte Generalsekretär Valter Sanches. „Die Probleme, die den Konflikt Ende des letzten Jahres ausgelöst haben, sind allerdings immer noch da.“

Von

dpa

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