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02.06.2013

11:55 Uhr

The Buckle

Wie ein 71-Jähriger heimlich Milliardär wurde

Er macht kaum Werbung und verkauft vor allem auf dem Land: Daniel Hirschfeld wurde mit Jeans in den USA zum Milliardär. Doch über seinen Erfolg sprechen will er nicht – noch nicht einmal über seine edlen Taten.

Der Stoff, aus dem Daniel Hirschfeld ein Vermögen zog: Baumwollfeld im US-Bundesstaat North Carolina. ap

Der Stoff, aus dem Daniel Hirschfeld ein Vermögen zog: Baumwollfeld im US-Bundesstaat North Carolina.

New YorkDas Vermögen von Daniel J. Hirschfeld, Chairman der 443 Läden umfassenden Kette The Buckle aus dem US- Bundesstaat Nebraska, ist zuletzt auf 1,3 Milliarden Dollar (1 Mrd. Euro) nach oben geschnellt. Das zeigt der Bloomberg Billionaires Index. Die Aktien des Unternehmens hatten in der vergangenen Woche den höchsten Stand aller Zeiten erreicht.

„Er ist wirklich ein sehr bescheidener Mann. Und mehr möchte ich zu ihm eigentlich nicht sagen – weil ich seinen Wunsch respektiere, im Hintergrund zu bleiben”, sagt Karen Rhoads, die Finanzchefin von Buckle, in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. Hirschfeld, der Millionen von Dollar anonym an Schulen aus Nebraska gespendet hatte, lehnt es ab, für ein Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Textilproduktion und die Verantwortung des Verbrauchers

Woher kommt die Kleidung, die in Deutschland über den Ladentisch wandert?

„Das meiste, was hier verkauft wird, kommt aus Asien“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Modeverbands GermanFashion, Thomas Rasch. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes importierte Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 1,17 Millionen Tonnen Bekleidung im Wert von fast 25,8 Milliarden Euro aus 130 Ländern. Etwa ein Drittel kam aus China, mit etwas Abstand folgen Bangladesch, die Türkei und Indien. Kleidung, die über die Niederlande, Italien und Frankreich eingeführt werde, komme oft auch aus Niedriglohnländern, sagt Rasch.

Unter welchen Bedingungen arbeiten die Näherinnen?

Viele Näherinnen bekommen nach Informationen der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) nicht genug Geld, um sich und ihre Familien ausreichend zu ernähren. „Der Lohn reicht nicht aus, um ein Leben in Würde zu führen“, sagt CCC-Expertin Kirsten Clodius. Dazu kämen sehr lange Arbeitszeiten und Sicherheitsmängel wie vergitterte Fenster und verriegelte Notausgänge. Fabrikbesitzer verböten den Näherinnen oft das Reden und kontrollierten Toilettengänge. In Kambodscha habe es sogar Massen-Ohnmachtsanfälle gegeben. Menschenrechtler und Umweltschützer warnen zudem vor womöglich giftigen Farben und Kinderarbeit.

Muss man ein schlechtes Gewissen haben, billige Kleidung zu kaufen?

Auch hochpreisige Kleidung wird oft in Asien genäht. „Der Verkaufspreis eines T-Shirts bei uns gibt keinen Aufschluss darüber, wo es hergestellt ist“, sagt Clodius. In einer Fabrik werde oft für mehrere Auftraggeber gearbeitet. Darunter seien auch hochwertige Markenhersteller, räumt auch Rasch ein. Diese Markenhersteller machen ein besonders gutes Geschäft: Die Kampagne für Saubere Kleidung rechnet damit, dass die Lohnkosten einer in Asien genähten 100-Euro-Jeans bei nur einem Euro liegen. Die Werbung mache 25 Euro aus, satte 50 Euro stecke der Handel ein.

Würde es den Näherinnen helfen, wenn Kleidung aus Asien boykottiert würde?

Nein. Die Näherinnen hätten ihre Organisation selbst darum gebeten, keine Boykottaufrufe zu starten, berichtet Clodius. Sie hätten Angst, ihre Arbeitsplätze zu verlieren. Laut Rasch könnte ein Boykott in Bangladesch 70 Prozent der Textil-Industrie zusammenbrechen lassen.

Wer kann dann dafür sorgen, dass die Textilproduktion sicherer wird?

Darüber gibt es Streit. Der Modeverband sieht Produktionschefs und Politiker in den Herstellerländern in der Pflicht. Hier herrsche viel zu oft „ein Raubtierkapitalismus“, sagt Rasch. Auch Kunden aus Deutschland könnten helfen: „Ich darf keine Jeans für 9,90 Euro kaufen!“ Diese Preise seien mit normalen Arbeitsbedingungen nicht zu erreichen. Die Kampagne für Saubere Kleidung hält dagegen, dass auch hochpreisige Kleidung in den asiatischen Fabriken produziert werden. Die Unternehmen dürften sich nicht dahinter verstecken, dass sie lediglich Auftrag- und nicht Arbeitgeber seien. Die Gewerkschaft Verdi will mit ihrer Initiative „exchains“ über Gewerkschaften und Arbeitssicherheit aufklären.

Wie viel mehr würde ein Kleidungsstück kosten, wenn Löhne höher wären?

Nach Verdi-Berechnungen würden ein T-Shirt oder eine Bluse nur 12 Cent mehr kosten, wenn deutsche Textilhändler in ihrer Kalkulation für jede Näherin im Monat 50 Euro mehr berücksichtigen würden. Damit würden viele Arbeiter etwa doppelt so viel verdienen wie jetzt. Rasch gibt aber zu bedenken, dass es das Lohngefüge im Land durcheinanderbringen könne, wenn nur die Näherinnen, nicht aber Bauern oder Rikscha-Fahrer plötzlich mehr Geld bekämen.

Wie lassen sich besser produzierte T-Shirts erkennen?

Es gibt für Mode kein einheitliches Siegel, das sowohl Umwelt- als auch Arbeitsstandards zusammenfasst. Ein grünes Label mit weißem Hemd steht für „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) - zu den Kriterien gehören das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit sowie die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Ein rot-weißes Label mit dem Aufdruck „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“ findet sich auf Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Seide. Es steht auch für die Einhaltung von Sozialstandards am Arbeitsplatz und die Einhaltung geregelter Arbeitszeiten. Auch das Öko-Zeichen „Textiles Vertrauen nach Oeko-Tex Standard 100plus“ steht mit für die Einhaltung von Sozialkriterien.

Das Unternehmen beschreibt sich selbst in seinen Umsatz-Berichten als „das Ziel für Denim”. Die Angestellten werden dazu angehalten, den Kunden ganze Outfits vorzuschlagen, die zum Kauf einer bestimmten Jeans passen. Mit Denim-Ware machte Buckle im jüngsten Geschäftsjahr 46 Prozent seines Umsatzes. Das Besondere dabei: Buckle betreibt zwar Läden in 43 der 50 US-Staaten, allerdings hauptsächlich in ländlichen Regionen oder kleineren Ortschaften.

Unter Vorstandschef Dennis Nelson, der 1991 von Hirschfeld ins Amt gehoben worden war, konzentriert sich die Firma darauf, jede Woche neue Kleidung in die Läden zu bringen. Sachen, die sich in der einen Filiale nicht verkaufen, werden zu anderen Standorten mit höherer Nachfrage gebracht.

Kommentare (5)

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juppphirsenkoetter

02.06.2013, 14:36 Uhr

Was sagt der Beamte zum Malocher?
Lieber heimlich reich als unheimlich viel Arbeit....!

Beobachter

02.06.2013, 19:34 Uhr

Thema verfehlt, Note: 6.

galgen

02.06.2013, 22:07 Uhr

Ist ja "jut, ne!!!" - Jetzt kannst Du Deinen Virus aber wieder mal stoppen.

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