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13.01.2014

10:17 Uhr

Themenwoche Landwirtschaft

Beerenhunger

VonHans-Peter Siebenhaar

Ob in Bionade, Fassbrausen oder dem populären Cocktail „Hugo“: Holunder ist eine Trendzutat. Kunden stürzen sich auf die Produkte – doch die Landwirte gehen ein hohes Risiko ein, um die Lust auf die Beeren zu stillen.

Alkoholfreie Fassbrause gehört derzeit zu den größten Getränke-Trends in Deutschland – auch mit Holunder-Geschmack. Das Entwicklungspotenzial des Sorten-Neulings nach Einschätzung der Brauereien aber noch nicht ausgeschöpft. obs

Alkoholfreie Fassbrause gehört derzeit zu den größten Getränke-Trends in Deutschland – auch mit Holunder-Geschmack. Das Entwicklungspotenzial des Sorten-Neulings nach Einschätzung der Brauereien aber noch nicht ausgeschöpft.

WienJahrzehntelang haben sich für Holunder vor allem Reformhauskunden interessiert – in Form von Nektar oder Marmelade. Auf gerade einmal 30 Hektar wurde Ende der 90er-Jahre in Deutschland die Pflanze aus der Familie der Moschuskrautgewächse angebaut. Doch dann kamen Bionade, Hugo und die Fassbrausen.

Mittlerweile beflügeln die dunklen Beeren als Geschmacksnote die Getränkeindustrie. Davon berichtet beispielsweise die Brauerei Veltins, die seit zwei Jahren eine Holunder-Fassbrause anbietet. „Fassbrause ist der Wachstreiber Nummer Eins“, sagt ein Veltins-Sprecher. 2013 verkaufte das Unternehmen von seiner Holunder-Fassbrause 30.000 Hektoliter. Doch das sei noch lange nicht das Ende. „Wir gehen von einem weiteren Wachstum aus“, so der Sprecher.

Die Lust auf die Beeren reißt nicht ab. Die Holunderanbaufläche in Deutschland hat sich mittlerweile fast verzwanzigfacht auf über 550 Hektar. Auf der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche, die diese Woche in Berlin startet, stellen etliche Firmen neue Holunder-Produkte vor. Gestillt wird die Nachfrage dabei nicht nur von deutschen Landwirten.

Deutschlands größte Getränkehersteller

Platz 10

PepsiCo – 9,75 Millionen Hektoliter

Während Pepsi dem großen roten Konkurrenten international die Stirn bieten kann – in Deutschland schafft es die Limo-Marke nur knapp in die Top 10. Zu den Marken des Konzerns gehören unter anderem Mountain Dew, 7 Up, Tropicana und der Energydrink Rockstar.

Quelle: Lebensmittelzeitung, Daten aus 2012

Platz 9

Oettinger Gruppe – 10,64 Millionen Hektoliter

Die Brauereigruppe braut insgesamt an vier Standorten in Deutschland Bier – neben den eigenen Marken unter anderem auch Carlsberg für Supermärkte. Nur am Bierabsatz gemessen gehört Oettinger zu den größten Brauereigruppen Deutschlands.

Platz 8

Riha Richard Hartinger – 11,04 Millionen Hektoliter

Aus dem Apfelmost-Hersteller in Rinteln ist über die Jahre ein internationaler Getränkekonzern geworden. Zu den Marken von Riha gehören Naturella, Wesergold und Extaler.

Platz 7

Anheuser-Busch InBev – 12,00 Millionen Hektoliter

Gemessen am Absatzvolumen ist AB INBev die größte Brauereigruppe der Welt. International punktet die Brauerei mit Marken wie Stella Artois, Leffe oder Budweiser. In Deutschland sind vor allem Beck's, Diebels und Franziskaner bekannt. Im Gesamt-Getränkeabsatz in Deutschland reicht es aber nur zu Platz 7.

Platz 6

Radeberger Gruppe – 13 Millionen Hektoliter

Das 1952 gegründete Unternehmen ist die größte Brauereigruppe Deutschlands. Zu Radeberger gehören neben der Stammmarke unter anderem Jever, Schöfferhofer und Hansa.

Platz 5

Bitburger Brauereigruppe – 14,05 Millionen Hektoliter

Hervorgegangen aus der Bitburger Brauerei zählt die Brauereigruppe zu den führenden Getränkeherstellern in Deutschland. Bedeutendste Marken des Unternehmens sind Bitburger, König Pilsener, Köstritzer und Wernesgrüner. Die Holding-Gesellschaft wurde 1999 gegründet.

Platz 4

Brandenburger Urstromquelle – 19 Millionen Hektoliter

Die Gruppe gehört zu den größten deutschen Getränkeherstellern, hat aber keine eigenen Marken. Es werden ausschließlich Bier und Mineralwasser unter verschiedenen Handelsmarken für europäische Discounter abgefüllt. Darunter fallen etwa Karlskrone bei Aldi oder Gut&Günstig Urstromquelle bei Edeka.

Platz 3

Hansa-Heemann Mineralbrunnen – 24 Millionen Hektoliter

Der unbekannte Mineralwasserriese aus Rellingen hat mit Hella zwar auch eine eigene Mineralwassermarke, verdient das meiste Geld aber mit den Handelsmarken großer Supermarktketten.

Platz 2

Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke MEG – 26,1 Millionen Hektoliter

Die 100-prozentige Tochter der Schwarz-Gruppe produziert alle Handelsmarken der konzerneigenen Supermarktketten Lidl und Kaufland und hat es damit innerhalb weniger Jahre an die Spitze der deutschen Getränkehersteller geschafft. Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ist heute der größte Mineralwasserproduzent Deutschlands.

Platz 1

Coca-Cola – 36 Millionen Hektoliter

Der rote Riese regiert auch den Getränkemarkt in Deutschland mit deutlichem Abstand. Die Zentrale zog 2003 von Essen nach Berlin. Mit Fanta wurde eine der großen internationalen Marken des Konzerns von der deutschen Tochter erfunden.

Das europäische Anbauzentrum ist die Steiermark in Österreich, wo der Großteil der 1400 Hektar Anbaufläche im Land liegt. Das sind 40 Prozent mehr als noch 2010. Wer in Mitteleuropa Fruchtsaft verarbeitet, kommt um Bestellungen in Österreich kaum umher. Die Bauern freuen sich, dass ihnen ihr Produkt förmlich aus den Händen gerissen wird. Geerntet werden hauptsächlich Beeren, aber auch Blüten sind ein Markt – etwa für Holunderblüten-Sirup.

Doch Landwirte gehen hohes Risiko, wenn sie die Pflanze anbauen: Vier bis fünf Jahre müssen die Sträucher wachsen, bis sie vollen Ertrag bringen. Außerdem: „Es gibt nur eine Ernteperiode von zwei Wochen. Wenn da das Wetter schlecht ist, gibt es das Risiko eines Totalausfalls“, sagt Tom Bertelshofer, Chef und Mitgesellschafter des Fruchtaufstrichherstellers „Die Beerenbauern“ aus dem fränkischen Niedermirsberg. Die Preise seien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Grund: In Österreich hatten viele Landwirte Ernteausfälle zu beklagen.

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