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05.11.2015

18:29 Uhr

Thermomix-Variante von Aldi und Lidl

Der erfolgreiche Klon mit Nebeneffekt

VonLeonidas Exuzidis, Katrin Terpitz

Das teure Original ist heiß begehrt, die günstige Variante ebenso: Küchenmaschinen nach dem Thermomix-Vorbild sorgten in den Filialen von Aldi und Lidl zuletzt für Schlägereien. Jetzt sind sie zum Teil wieder im Angebot.

Das Originalprodukt der Firma Vorwerk ist mit rund 1.100 Euro recht teuer – viele Kunden greifen daher lieber zur günstigen Discounter-Variante. dpa

Thermomix

Das Originalprodukt der Firma Vorwerk ist mit rund 1.100 Euro recht teuer – viele Kunden greifen daher lieber zur günstigen Discounter-Variante.

DüsseldorfEs sind Szenen, die einen Kleinkrieg im Discounter vermuten lassen. Gedränge und Chaos vor den Kassen, Tumulte und Handgreiflichkeiten an den Regalen. Eine 64-Jährige ringt ihre Konkurrentin nieder, reißt ihr das letzte noch verfügbare Produkt aus den Händen und rennt zur Kasse. Eilig zahlt sie den fälligen Betrag, spurtet zu ihrem Auto und braust davon.

Innerhalb weniger Minuten sind alle Produkte aus den Regalen vergriffen, doch die Nachfrage ist weiter ungebrochen. Letztlich muss sogar die Polizei anrücken, um die Tumulte aufzulösen.  Das „schier unstillbare Verlangen“, wie es die Polizei beschreibt, sorgt nicht nur für Streit und Pöbeleien. Es sorgt auch für ein Umdenken der Discounter.

Es ging letztlich nur um eine Küchenmaschine an diesem Oktobertag. Die Discounter Aldi-Süd und Lidl boten jeweils einen Klon des Originals, dem Thermomix von Vorwerk, zu günstigen Konditionen an. Die Discounter-Variante kostete 200 Euro, das Originalprodukt der Marke Vorwerk rund 1100 Euro. Ab heute gibt es die Küchenmaschine wieder bei Lidl zu kaufen – allerdings nur in ausgewählten Märkten. Tumulte wie einen Monat zuvor wird es in den Filialen also nicht geben.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Diesmal läuft alles seelenruhig ab. Eigentlich wie immer. Um Punkt sieben Uhr öffnet die Düsseldorfer Lidl-Filiale ihre Pforten, nur eine Handvoll Kunden möchte an diesem Donnerstagmorgen bereits in aller Frühe ihre Einkäufe erledigen. Von der Küchenmaschine, dem „Monsieur Cuisine“, keine Spur. „Besser so, das war das reinste Chaos“, erinnert sich ein Mitarbeiter. Seine Kollegin ergänzt: „Wenn ich sage, dass es damals Theater gab, würde ich maßlos untertreiben.“

Wenige Kilometer entfernt ein ähnlich harmonisches Bild: Auch hier laufen rund eine halbe Stunde nach Betriebsbeginn nur wenige Kunden durch die Gänge. Wo der „Monsieur Cuisine“ einst stand, liegen jetzt Schuhe und Kleidung. Ein Kunde hat es besonders eilig: Er schnappt sich eine Bohrmaschine aus den Regalen und eilt zur Kasse. Viele Kunden interessieren sich für eine Reihe von Werkzeugen, die seit heute im Angebot sind – nicht aber für das beliebte Küchengerät.

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Lidl hat sich entschieden, das Produkt nur „in einzelnen Regionen in Süddeutschland“ anzubieten – eine Erklärung liefert das Unternehmen trotz Handelsblatt-Anfrage nicht. Der Absatzschlager mit Nebenwirkungen bleibt vielen Kunden also zunächst verwehrt. Ab Dezember kann der „Monsieur Cuisine“ dann auch über den Online-Shop bestellt werden.

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