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27.12.2012

16:39 Uhr

Tierbranche

Swarovski für den Hund

VonDana Heide

Dating-Portale für das Herrchen, Befindlichkeitsmesser für den Hund, Welpenverkauf zwischen Trockenfutter und Kotbeuteln: Der Tiermarkt boomt – und treibt mitunter seltsame Auswüchse.

Ein Hund mit Pullover: Der Markt für Tierzubehör ist Milliarden schwer. dpa

Ein Hund mit Pullover: Der Markt für Tierzubehör ist Milliarden schwer.

DüsseldorfWer Norbert Zajac am Telefon um einen Gesprächstermin bittet, muss erst einmal versichern, dass er „keiner dieser Tierschützer“ ist. Denn mit denen hat er schon genug Ärger. Der Grund dafür findet sich in seiner Zoohandlung in Duisburg. Laut eigenen Angaben die größte der Welt.

In einer Ecke der 10.000 Quadratmeter großen Verkaufshalle spielen und schlafen in jeweils abgetrennten Kammern hinter Glasscheiben kleine Hundewelpen. Davor ist eine lange Theke, vor der Besucher stehen und mit leuchtenden Augen die niedlichen Tiere anschauen. Das Quietschen und Bellen der kleinen Lebewesen zwickt in den Ohren. Ein Hund kostet je nach Rasse rund 800 Euro, nach einem Beratungsgespräch kann man ihn gleich mit nach Hause nehmen.

Seit Januar verkauft Zajac in seinem Laden Welpen – ein Tabubruch in Deutschland. Obwohl es erlaubt ist, die Tiere im Handel auszustellen und zu verkaufen, haben sich die Zoohändler in Deutschland selbst verpflichtet, es nicht zu tun.

Was die Deutschen für ihre Haustiere ausgeben

Katzenfutter

Im Jahr 2011 wuchs der Markt für Katzenfutter weiter und behauptete sich mit einem Umsatz von 1.486 Mio. Euro (plus 0,7 Prozent). Das Segment „Snacks und Katzenmilch“ erzielte dabei ein Plus von 5,9 Prozent und übertraf damit das Vorjahresergebnis mit jetzt 197 Mio. Euro erneut. Der Bereich „Trockenfutter“ legte ebenfalls zu, mit 0,6 Prozent Zuwachs auf 318 Mio. Euro. Lediglich das Segment „Feuchtfutter“ musste mit nun 971 Mio. Euro einen leichten Rückgang hinnehmen (minus 0,2 Prozent).

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Hundefutter

Der Hundefuttermarkt setzte 2011 insgesamt 1.146 Mio. Euro um und wuchs somit mit einem Plus von 0,9 Prozent wieder stärker als im Vorjahr. Besonders positiv stellte sich im Hundefuttermarkt 2011 mit einem Zuwachs um 5,1 Prozent auf 373 Mio. Euro das Segment „Snacks“ dar. Nach Umsatzeinbußen im Vorjahr entwickelte sich auch der Bereich „Feuchtfutter“ 2011 wieder positiv, mit einem Wachstum um 0,6 Prozent auf 362 Mio. Euro. Das Segment „Trockenfutter“ hingegen verzeichnete erneut einen Rückgang (411 Mio. Euro, minus 2,4 Prozent).

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Zierfischfutter

Nach deutlichen Verlusten in den Vorjahren entwickelte sich das Segment „Zierfischfutter“ im Jahr 2011 erstmals wieder positiv und verzeichnete mit 64 Mio. Euro ein Umsatzplus von 4,9 Prozent. Bedingt wurde dieses erfreuliche Ergebnis vor allem durch positive Veränderungen im Bereich Teichfutter. Die Umsätze in den Segmenten „Kleintierfutter“ (121 Mio. Euro, minus 4,7 Prozent) sowie „Ziervogelfutter“ (49 Mio. Euro, minus 9,3 Prozent) gingen 2011 erneut zurück.

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Spielzeug & Co

Der Markt für Heimtier-Bedarfsartikel erzielte 2011 einen Gesamtumsatz von 916 Mio. Euro (minus 2,2 Prozent). Ein Umsatzplus von 2,6 Prozent verzeichnete dabei der Markt für Hunde-Bedarfsartikel mit 159 Mio. Euro. Nach guten Wachstumsraten in den Vorjahren ging im Jahr 2011 der Umsatz im Markt für Katzen-Bedarfsartikel (182 Mio. Euro, minus 1,1 Prozent) sowie Katzenstreu (238 Mio. Euro, minus 4,0 Prozent) zurück. Auch die Bedarfsartikelmärkte für Ziervögel (42 Mio. Euro, minus 2,3 Prozent), Zierfische (194 Mio. Euro, minus 3,5 Prozent) sowie Kleintiere (101 Mio. Euro, minus 4,7 Prozent) entwickelten sich nicht positiv.

(Quelle: Der Deutsche Heimtiermarkt, Industrieverband Heimtierbedarf)

Geld verdienen will Zajac mit dem Tierverkauf jedoch nicht – den weitaus größten Teil seines Umsatzes macht er tatsächlich auch mit dem Verkauf von Zubehör. Etwa mit Wellness-Ionen-Hundehalsbändern für 34,95 Euro das Stück, Näpfen „gegen hastiges Fressen“, Backmischungen für Hunde-Muffins und Futtertieren wie Grillen oder dicke Maden für die Reptilien in Deutschlands Haushalten. Die Hundewelpen sollen nur ins Geschäft locken.
Laut dem Industrieverband Heimtierbedarf haben die Deutschen für ihre Haustiere 2011 rund 3,8 Milliarden Euro ausgegeben. Zehn Jahre zuvor war es noch eine Milliarde Euro weniger.

Das liegt wohl auch daran, dass immer mehr Menschen sich ein Tier nach Hause holen. Laut Erhebungen des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) lebten 2001 noch 4,7 Millionen Hunde und 6,9 Millionen Katzen in deutschen Wohnungen. Heute sind es bereits 7,4 Millionen Hunde Hunde und 12,3 Millionen Katzen. Und die Menschen scheinen immer mehr Geld für ihre Tiere auszugeben.

Beliebteste Haustiere

Platz 5

Im Jahr 2011 waren Vögel aller Art die Nummer fünf unter Deutschlands beliebtesten Haustieren. In 2,79 Millionen hiesigen Haushalten leben derzeit gefiederte Freunde.

Platz 4

Der vierte Platz geht an die Aquarienenthusiasten: 2011 gab es in Deutschland beachtliche 3,83 Millionen Fischbesitzer. Manche mögen es stumm.

Platz 3

Bronze in den Herzen der deutschen Tierliebhaber geht an das gemeine Nagetier. Auch die Meerschweinchen fallen in diese Kategorie. 4,35 Millionen Menschen halten sich privat einen Nager - Schädlinge natürlich ausgeschlossen.

Platz 2

Der beste Freund des Menschen ist seit Jahren nicht mehr der beliebteste: 12,10 Millionen Hundebesitzer gibt es im Jahr 2011.

Platz 1

Am liebsten holen sich die Deutschen tatsächlich eine Katze ins Haus. 12,84 Millionen Samtpfotenbesitzer gibt es hierzulande. Die Zahl der Menschen über 14 Jahre, die kein Haustier haben, liegt übrigens bei 41,85 Millionen.

Bei Zoo Zajac präsentiert sich im Eingangsbereich etwa die Marke Hunter. Unter einem funkelnden Kronleuchter hat die Firma eine ebenso funkelnde Harley Davidson hingestellt, „um die Männer abzulenken, während ihre Frauen einkaufen“, wie Zajac sagt. In den Vitrinen um das Motorrad herum liegen mit Swarovski-Steinen besetzte Tierhalsbänder für bis zu 200 Euro.

„Früher haben wir den Kunden einen Hasen mit Käfig für 60 D-Mark verkauft“, sagt Zajac, der bereits seit 36 Jahren im Zoogeschäft ist. "Wenn ein Mitarbeiter heute nicht zwei Hasen plus Zubehör für 250 Euro verkauft, fragen wir ihn, ob er an dem Tag keine Lust gehabt hat".

Kommentare (16)

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Investor

27.12.2012, 17:07 Uhr

Tja, der deutsche Kleinbürger/Proletarier will sich keine Kinder mehr leisten. Hund ist billiger. Bringt aber keine Rendite. Insofern schlecht angelegtes Geld.

btw

27.12.2012, 17:12 Uhr

glasperlen für die indianer.

wenigstens bleibt man im Hause swarowski alten abendländischen traditionen treu.

hundemarke eben.

fuerTiere

27.12.2012, 17:13 Uhr

Nur wer ein Tier aus dem Tierschutz zu sich holt, anstatt das Geschäft mit der "Ware Tier" durch Nachfrage weiter zu fördern, hilft Tierelend auf lange Sicht zu verringern. Wer ein Tier aus einem Tierheim holt, gibt ihm eine neue Chance auf Glück. Ein Tier aus dem Tierheim kann mehrere Vorteile haben. Vor allem gibt man so Tieren ein Zuhause, die sonst vielleicht lange in einem Heim leben müssten. Außerdem hat man die Möglichkeit, ein erwachsenes Tier zu sich zu nehmen, das schon stubenrein ist und häufig zumindest den Grundgehorsam erlernt hat, so dass die Erziehung weniger aufwendig ist als bei einem Welpen. Schließlich ist gerade bei Hunden und Katzen nicht nur die Erziehung, sondern auch die Persönlichkeit wichtig. Zum Beispiel ist eine bestimmte Dickköpfigkeit erst später erkennbar - und kann auch bei guter Erziehung auftreten. [...]

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