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20.01.2010

16:17 Uhr

TNT

Konkurrenten marschieren gemeinsam gegen die Post

VonJens Koenen

Der Gegenwind im Briefgeschäft der Deutschen Post wird schärfer. Große Teile der Konkurrenz – konkret die deutsche Tochter der niederländischen TNT, der Citipost-Verbund niedersächsischer Verleger, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck sowie die Mediengruppe Pressedruck in Augsburg – haben gestern die „Mail Alliance“ gegründet.

Die Post bekommt Ärger von Konkurrenten. Quelle: ap

Die Post bekommt Ärger von Konkurrenten.

FRANKFURT. Ziel sei es, regionalen Geschäftskunden künftig einen flächendeckenden Zustelldienst anbieten zu können. Das Gemeinschaftsunternehmen startet am 25. Januar. Die „Mail Alliance“ war seit längerem angekündigt. Die Gespräche zogen sich allerdings hin, da rund 50 regionale Postdienstleister unter einen Hut zu bringen waren. Nicht zuletzt die Kernfrage der Aufteilung von Kosten und Erlösen spielte eine Rolle. Nun habe man aber eine für alle tragfähige Lösung gefunden, heißt es bei den beteiligten Unternehmen.

Bislang haben die regionalen Partner – in der Regel Verlagshäuser mit direktem Zugang zu den Privathaushalten – die Briefe von Geschäftskunden regional verteilt. Die überregional adressierten Sendungen landeten nicht bei den kleinen Anbietern. Das soll sich nun ändern. Künftig werden die überregionalen Briefe zwischen den Partnern ausgetauscht. Genau diese Aufgabe soll die „Mail Alliance“ übernehmen. Sie ist damit eine Art Service-Partner für die 50 Allianz-Partner.

Die Post gibt sich trotz der neuen Konkurrenz gelassen. „Natürlich wird der Wettbewerb wachsen, aber darauf freue ich mich“, sagte Briefvorstand Jürgen Gerdes jüngst im Handelsblatt. Allerdings bekommen die Rivalen mit der Allianz eine neue Schlagkraft. Sie nutzen eine bereits vorhandene Infrastruktur, die Zustellorganisation der Verlage sowie von TNT, besser als bisher. Nicht zuletzt am Aufbau dieser sehr kostenintensiven, flächendeckenden Infrastruktur ist der Wettbewerb im Postmarkt bisher weitgehend gescheitert. Die Deutsche Post hat immer noch einen Marktanteil von 90 Prozent.

Künftig können die Geschäftspartner ihre Briefe bei den regionalen Postdienstleistern oder bei TNT aufgeben. Diese werden über die vier Drehkreuze (Hubs) in Hannover, Berlin, Essen und Würzburg weiterverteilt, entweder an den jeweils zuständigen Regionalpartner oder dort, wo keiner vorhanden ist, an eine Zustelltochter der TNT. Dabei gibt sich die Allianz offen für weitere Partner, sei es über eine direkte gesellschaftsrechtliche Beteiligung, sei es über lockere Partnerschaften.

Zusätzlichen Schwung könnte der Verbund durch die wachsende Digitalisierung des Briefverkehrs bekommen. Technologie-Lieferanten wie Pawisda oder Frankotyp-Postalia etablieren sich bereits als Dienstleister: Sie sammeln elektronisch erstellte Vorlagen für Massensendungen und Geschäftsbriefe ein, konsolidieren diese und leiten sie je nach Bedarf in die richtigen Zustellwege, entweder digital oder traditionell postalisch. Bei Letzterem werden die Briefe ausgedruckt, kuvertiert, frankiert und dann dem entsprechenden Zustelldienst übergeben.

Durch diese Hybrid-Post sparen die Unternehmen nicht nur Geld, auch die Einbindung der künftig deutschlandweit agierenden „Mail Alliance“ wird weitaus einfacher. So sieht Andreas Drechsler, Vorstandsmitglied von Frankotyp-Postalia, in der Hybrid-Post ein erhebliches Wachstumspotenzial.

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