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01.10.2017

12:33 Uhr

Tonnen in der Tonne

Das Geschäft mit der Essensverschwendung

VonJulian Beimdiecke

Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland im Müll, obwohl sie noch einwandfrei genießbar wären. Einige Start-ups haben aus der Verschwendung mittlerweile ein Geschäftsmodell entwickelt.

Nach Einschätzung des Ernährungsministeriums werfen die Deutschen jährlich elf Tonnen Lebensmittel weg, obwohl sie noch genießbar sind. dpa

Obst und Gemüse

Nach Einschätzung des Ernährungsministeriums werfen die Deutschen jährlich elf Tonnen Lebensmittel weg, obwohl sie noch genießbar sind.

DüsseldorfFrank Wiedekind freut sich. Die Tüte, die er in der Düsseldorfer Bäckerei „Simons Brotkörbchen“ kurz vor Ladenschluss abgeholt hat, ist prall gefüllt: mit Pizza, Brötchen, Kuchenteilchen und Shakes. Waren im Wert von über zehn Euro. Dafür zahlt er gerade einmal 2,90 Euro. „Man weiß ja vorher nie, was drin ist. Also kann man sich überraschen lassen und gleichzeitig Geld sparen“, sagt Wiedekind. „Und man rettet natürlich Lebensmittel.“ Denn die Backwaren wären sonst im Müll gelandet.

Wiedekind nutzt die App „Too Good to Go“: Diese verbindet Gastronomien, Bäckereien und Lebensmittelhändler, die nach Ladenschluss noch Waren übrig haben, mit nachhaltig denkenden Kunden auf der Suche nach Schnäppchen. „Wir sehen es als unsere Mission an, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren“, erklärt Julian Stützer, „Too Good to Go“-Geschäftsführer in Deutschland. Bisher bewährt sich das Modell: Seit Anfang des Jahres ist das 2015 in Schweden gegründete Unternehmen auf dem deutschen Markt und hat bereits 85.000 Speisen vor der Mülltonne gerettet.

Jährlich werfen die Deutsche etliche Tonnen Lebensmittel weg – obwohl diese noch genießbar wären. „Nach meiner Schätzung dürften 35 bis 40 Millionen Tonnen jährlich in Deutschland auf dem Müll landen“, sagt Michael Schieferstein vom Verein „Foodfighters“. Zwar sind die Zahlen des Ernährungsministeriums und des WWF mit elf beziehungsweise 18 Millionen Tonnen moderater. Das liegt laut Schieferstein aber daran, dass die Institutionen nicht alle Lebensmittel berücksichtigen: „Es wird viel direkt auf den Äckern und in der Herstellung aussortiert. Essbare Lebensmittel, die ohne Not vernichtet werden. Das wird totgeschwiegen und dringt gar nicht an die Öffentlichkeit.“

Von dem offensichtlichen ethischen Problem abgesehen, ist auch der wirtschaftliche Schaden immens. Laut Schätzungen der Uni Stuttgart aus dem Jahr 2012 hat jedes Kilogramm – das im Müll landet, aber noch genießbar wäre – einen Wert von 4,43 Euro.

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Damit liegt eigentlich bares Geld auf dem Müll, auf das vor allem Start-ups aufmerksam geworden sind. Denn „Too Good to Go“ ist nicht das einzige junge Unternehmen, das die Lebensmittelverschwendung zum Geschäftsmodell macht. Immer mehr Menschen haben Ideen, wie man gegen die zunehmende Wegwerf-Mentalität vorgehen und gleichzeitig Profit machen kann.

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