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04.07.2012

20:47 Uhr

Tourismus

Griechenland gehen die Gäste aus

VonMathias Brüggmann

Immer weniger Deutsche machen Urlaub in Griechenland. Ansässige Hotelbetreiber müssen Preise und Löhne senken. Jetzt hoffen sie auf Touristen aus Russland und der Türkei - und auf den Effekt der neuen Regierung.

So voll wie am Athener Strand ist es nur in wenigen Urlaubsgebieten in Griechenland. AFP

So voll wie am Athener Strand ist es nur in wenigen Urlaubsgebieten in Griechenland.

KavalaTürkis, grün und ultramarinblau schimmert das badewannenwarme Wasser in der Makryammos-Bucht. Ein paar Kinder springen von der grün-weißen Hüpfburg ins Meer vor der nordgriechischen Insel Thassos. Nur wenige Liegen unter den blauen Sonnenschirmen am Strand sind belegt. Wer es gern ruhig statt übervoll beim Sonnenbad hat, findet in Griechenland trotz Hochsaison viele leere Plätze.

Was den Erholungsbedürftigen nützt, ist das Leid der Hotel- und Tavernenbesitzer: Gerade die Deutschen, 2011 mit knapp 2,3 Millionen die größte Gruppe der Touristen, meiden Korfu, Kreta und Kykladen. Die Buchungen aus Deutschland seien dieses Jahr dramatisch gesunken, berichten deutsche und griechische Reiseveranstalter. „Aktuell liegen sie knapp 30 Prozent unter Vorjahr“, sagt Christian Weßels von Rewe Touristik - trotz deutlicher Rabatte.

Die Bank of Greece hat insgesamt einen Rückgang der Touristenzahlen um 11,7 Prozent auf 978 500 im ersten Quartal und eine Reduzierung der Tourismuseinnahmen von sogar 15,1 Prozent festgestellt.

Dabei sei der Preis binnen zwei Jahren um 30 Prozent gesenkt worden, um Touristen anzulocken, berichtet Antonis Mitzalis, Besitzer der Makryammos-Bungalows in der lauschigen Bucht sowie eines Hotels im Badeort Kavala. Der in Österreich geborene Hotelier, der die Anlage seit 18 Jahren führt und von Vater und Großvater übernommen hat, spürt die Veränderungen: „Ich musste dieses Jahr zum ersten Mal eine Mitarbeiterversammlung einberufen und meinen Leuten sagen, dass wir in einer extremen Lage sind und die Löhne senken müssen.“ 2008, vor Ausbruch der Krise, sei „fast an jedem Tisch Hummer für 80 Euro das Kilo serviert worden. Gestern haben wir gefeiert, als zwei Rumänen mal einen Hummer bestellt haben“, berichtet Mitzalis. Vor allem einheimische Reisende blieben wegen der harten Rezession weg.

Nun brauche Griechenland „harte Arbeit und viel Geduld“, sagt der Inhaber der 1965 gegründeten Anlage. Beim Abschluss der Verträge für nächstes Jahr sei er von Reiseveranstaltern wie Rewe gefragt worden: „Was machen wir, wenn ihr dann den Euro nicht mehr habt. Da antwortete ich: Dann müssen wir eben neu verhandeln“, sagt Mitzalis.

Kommentare (58)

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Rechner

04.07.2012, 20:54 Uhr

Was mich wundert ist, daß die Buchungen aus Deutschland angeblich nur um 30% zurückgegangen sind.

Nach all den Jauchekübeln die die Griechen in den vergangenen 12 Monaten über Deutschland ausgeschüttet haben als Dank für die Milliarden wäre ein Rückgang um 100% angebracht gewesen.

hieros

04.07.2012, 21:03 Uhr

Ich habe absolut keien Lust mehr , Frau Merkel in Nazi-
Uniform zu sehen.
Für mich ist Griechenland gestorben.

Stinksauer

04.07.2012, 21:09 Uhr

Es gibt andere Krisengebiete auf der Welt, in denen man als Deutscher mehr willkommen ist.

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