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06.03.2012

11:22 Uhr

Tourismusbranche

Die Koffer für den Sommer sind schon gepackt

2011 war für viele Reiseanbieter ein Traumjahr. Und die Zeichen stehen gut: Weltweit erwartet die Branche über eine Milliarde Touristen: Gute Aussichten vor der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin.

Gute Laune in Berlin auf der Internationalen Tourismus-Börse. dpa

Gute Laune in Berlin auf der Internationalen Tourismus-Börse.

BerlinDer Countdown für die Sommerferien läuft bereits - und die Urlaubsmacher rüsten sich. Allen Widrigkeiten, wie den Krisen und Unruhen in vielen Feriengebieten zum Trotz, startet die Branche mit Optimismus ins neue Reisejahr. Der Urlaub bleibe das Highlight des Jahres, darauf wolle man auch in schweren Zeiten nicht verzichten, heißt es zum heutigen Start der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin. Und so erwartet die Welttourismusorganisation (UNWTO) 2012 erstmals über eine Milliarde Touristen. Das wäre ein erneuter Anstieg von drei bis vier Prozent, nach einem Plus von 4,4 Prozent im Vorjahr.

Und auch die deutsche Tourismuswirtschaft geht nach dem Rekord von 394 Millionen gewerblichen Übernachtungen im vergangenen Jahr für 2012 von weiterem Wachstum aus. In den meisten Bereichen werde mit einem neuerlichen, wenn auch etwas abgeschwächten Plus von rund zwei Prozent gerechnet, sagte der Präsident des Bundesverbands der deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple, am Dienstag auf der Eröffnungspressekonferenz der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. Er gehe davon aus, dass die Marke von 400 Millionen Übernachtungen durchbrochen wird.

Beim Umsatz habe das Gastgewerbe 2011 die besten Wachstumsraten seit über zehn Jahren verzeichnet. Mit einer Zunahme von 3,8 Prozent auf knapp 60 Milliarden Euro sei das Vorkrisenniveau erreicht worden. Auf der weltgrößten Reisemesse ITB präsentieren ab Mittwoch 10.644 Aussteller aus 187 Ländern ihre touristischen Angebote.

Fakten und Hintergründe zur ITB

Die ITB

Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin gilt als weltweit wichtigster Treffpunkt der Reisebranche. In den Hallen am Funkturm werden seit Jahrzehnten touristische Trends gesetzt und Verträge in Milliardenhöhe geschlossen. Ein paar Details zur Messe.

Besucher

Die Hallen sind regelmäßig ausgebucht. Zur 46. ITB haben sich mehr als 11.000 Aussteller aus über 180 Ländern angemeldet. Die Messe erwartet etwa 170.000 Gäste, darunter 110.000 Fachbesucher.

Die Geschichte

Der Ursprung der ITB reicht in das Jahr 1966 zurück. Im damaligen West-Berlin kamen zur Premiere neun Aussteller und 250 Fachbesucher. Als erste internationale Länder warben Ägypten, Brasilien sowie der Irak um zahlungskräftige Urlauber.

Weltweiter Erfolg

Mit den Jahren machte sich die ITB als touristischer Treffpunkt weltweit einen Markennamen. In den vergangenen Jahren ist das ITB- Angebot um Kongresse erweitert worden.

Der Ableger

Einen Ableger hat die Messe inzwischen in der ITB Asia. An drei Messetagen konzentriert sich die reine Fachmesse im Oktober in Singapur auf den asiatischen Reisemarkt.

Das Image

Die Messe gilt als riesiger Reisekatalog: Von Ayurveda-Massagen im Spa-Bereich des Sri-Lanka-Stands ist es nicht weit zur Präsentation der südostchinesischen Provinz Zhejiang mit ihren Seiden-Lampions und zu nicht alltäglichen Zielen wie Island, Uruguay und Malaysia. Bei zahlreichen Gewinnspielen winken Reisen an die Sehnsuchtsorte als Preis.

Für Jobsuchende

Wer beruflich auf der Welle mitschwimmen will, findet im „ITB Careercenter“ vielleicht eine Hochschule oder gleich einen passenden Arbeitgeber. Großen Andrang versprechen sich die Veranstalter in der eTravel World, wo auch neue Anwendungen für internetfähige Handys zu erproben sind.

Vor allem eine Fachmesse

Die ITB ist vor allem eine Fachmesse. Vor dem Publikumswochenende herrscht an drei Tagen nüchterne Geschäftsatmosphäre. Bei Tagungen diskutieren währenddessen Fachleute Trends und Themen wie den Fachkräftemangel, Menschenrechts- und Umweltschutz auf Reisen und die Frage, ob dem arabischen Frühling eine touristische Eiszeit folgt.

Das Partnerland

„Wo alles beginnt“ - mit dem Slogan wirbt das Partnerland Ägypten in diesem Jahr auf der ITB. Das Land schickt das muslimisch-koptische Chor-Ensemble Samaa auf Werbetour im wichtigen Markt Deutschland, stellt mannsgroße Henkelkreuze der Pharaonen auf Berlins Straßen auf und lädt zu Basaren in Bahnhöfen und Einkaufszentren. Sorgen vor einer islamischen Regierung müsse sich kein Gast machen, versichert Tourismus-Staatssekretär Hisham Zaazou vorsorglich.

Der Branche geht es gut

Der Reisebranche in Deutschland geht es blendend - auch wenn ihr wichtigstes Forum bei Ausstellern und Besuchern zuletzt nicht mehr merklich zulegen konnte. „Unsere 26 Hallen sind sehr gut belegt“, sagt Messeleiter David Ruetz. Wo einzelne Regionen schwächelten - etwa die Balearen - hätten wieder einmal die aufstrebenden asiatische Anbieter den freien Platz gern eingenommen.

Horizont erweitern

Auf der 23 Fußballfelder großen Ausstellungsfläche gibt es zahlreiche Gelegenheiten, hinter den eigenen Horizont zu blicken. Das touristische Entwicklungsland Usbekistan serviert Reis-Spezialitäten, Myanmar seine vielen noch kaum bekannten Sehenswürdigkeiten. Und die Kirchen vergleichen unter der Überschrift „Reif fürs Paradies“ die Glücksverheißung in Kirche und Tourismus.

Wann dürfen Privatbesucher zur ITB?

Die ersten drei Tage (7. bis 9. März) sind dem Fachpublikum vorbehalten. Am Abschlusswochenende (10./11.) März stehen die 26 Messehallen dann allen offen, die Geschäftsatmosphäre weicht der charakteristischen Folklore. Geöffnet ist von zehn bis 18 Uhr.

Wie teuer ist der Eintritt?

Die Tageskarte für Privatbesucher kostet 14,50 Euro, im Internet gibt es vorab Karten für zwölf Euro. Schüler und Studenten zahlen acht Euro. Ebenso werden am Sonntag für alle Besucher ab 14 Uhr nur noch acht Euro fällig. Kinder bis 14 Jahren sind in Begleitung Erwachsener frei. Die Fachbesucher-Tageskarte kostet im Internet 30 Euro, für alle Tage 46 Euro. Auf der Messe ist sie deutlich teurer.

Kann man auf der ITB eine Reise buchen?

Nein. An den Länder-, Städte- und Veranstalter-Ständen gibt es zwar viele nützliche Informationen über Reiseziele. Zum Buchen muss man aber ins Reisebüro oder ins Internet gehen.

Wie komme ich zum Messegelände?

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin: Bus: M49, X34, X49, 139 bis Haltestelle Messe Nord/ICC, mit Bus 104 und 349 bis Haltestelle Messedamm/ZOB, mit Bus 218 und 349 bis Haltestelle Theodor-Heuss-Platz. Mit der S-Bahn: S75 und S9 bis Messe Süd, S41, S42, S46, S7, S9, S75 bis Westkreuz, S41, S42 und S46 bis Messe Nord/ICC. U-Bahn: U2 bis Kaiserdamm oder Theodor-Heuss- Platz.

Mit dem Auto: Von der A zehn (Berliner Ring) auf die A 100, A 111 oder A 115 (Avus) bis Dreieck Funkturm, Abfahrt Messegelände.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche werde dabei nicht selten unterschätzt, meinen Experten. Weltweit trägt der Sektor immerhin fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. In Deutschland geben Touristen nach einer Untersuchung im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft an die 300 Milliarden Euro aus. Die deutsche Branche hat mit 97 Milliarden Euro einen Anteil von 4,4 Prozent an der Bruttowertschöpfung, mehr als etwa Autobauer oder Banken. „Der Tourismus ist ein ökonomisches Schwergewicht“, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Ernst Burgbacher (FDP).

Der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Jürgen Büchy, betont, die Branche sei „Jobmotor und Wachstumsbranche zugleich“. Immerhin arbeiteten fast drei Millionen Menschen im Tourismus, sieben Prozent aller Jobs in Deutschland.

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