Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.06.2012

17:04 Uhr

Touristik

Alltours-Chef gefährdet sein Lebenswerk

Quelle:WirtschaftsWoche Online

Er gilt als stur, unberechenbar und höchst erfolgreich: Willi Verhuven kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Doch die Zukunft sieht düster aus, denn der Alltours-Chef findet keinen Nachfolger für sein Lebenswerk:

Alltours-Chef Willi Verhuven muss um sein Lebenswerk bangen. dpa

Alltours-Chef Willi Verhuven muss um sein Lebenswerk bangen.

Die Alltours-Zentrale aus rotem Backstein im Duisburger Innenhafen sieht aus, wie sich Besucher das Innenleben eines Ferienanbieters vorstellen: Palmen, Springbrunnengeplätscher, feucht-tropische Atmosphäre. Und auch wer dem Firmenchef und -gründer Willi Verhuven zum ersten Mal begegnet, den befällt ein Gefühl von Entspannung. Der 61-jährige Chef des fünftgrößten deutschen Ferienanbieters spricht freundlich, mit ruhiger, sanfter Stimme, als wäre er gerade auf Urlaub in warmen Gefilden. Doch wehe, er ist mit einzelnen Mitarbeitern in seinem Büro oben im fünften Stock.

Dort, berichten Betroffene, ist das Klima oft eisig. Die weiße Tafel, das Whiteboard, vor dem Eingang ist bei den Mitarbeitern gefürchtet. Wer den Chef sprechen will, lässt sich morgens von der Sekretärin per Folienstift auf die abwaschbare Tafel eintragen – mit Hinweis, worum es geht. Irgendwann im Laufe des Tages klingelt Verhuven ohne Vorankündigung durch. „Man weiß nie, wann“, beschreibt ein ehemaliger Manager die Schrecksekunden. „Aber wenn es so weit ist, sollte man tunlichst alles stehen und liegen lassen.“ Im Büro kann es dann stürmisch werden: mal laut, mal leise – je nach Laune. Man weiß es nicht. Mit seiner Art ist Verhuven an einem Punkt seiner Laufbahn angekommen, an dem er sein Lebenswerk zu gefährden droht. Statt systematisch einen Nachfolger aufzubauen, verschleißt er mögliche Kandidaten wie kein anderer in der Branche. Lange darf es so nicht weitergehen, weiß Verhuven selbst am besten.

Die größten Reisekonzerne Europas

Die Ausgangslage

Die Tourismusbranche scheint krisenresistent zu sein und glänzt dieses Jahr mit Buchungssteigerungen - von Folgen der Schuldenkrise keine Spur. Dieses Jahr kann das vergangene Jahr 2011 sogar toppen, sofern keine Naturkatastrophen oder andere Krisen eintreten.

Platz 8

Schauinsland Reisen

Der Flugveranstalter Schauinsland-Reisen, deutscher Pauschalreisenveranstalter, zieht für das Ende Oktober zu Ende gehende Geschäftsjahr 2010/11 eine äußerst positive Gesamtbilanz und vermeldet wieder deutliches Wachstum. So stiegen der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 556 Millionen Euro und die Zahl der gebuchten Teilnehmer auf 778.000 (plus 4,4 Prozent).

Platz 7

FTI Touristik

FTI kam im Jahr 2010 in Deutschland auf einen Umsatz von 1,07 Milliarden Euro – das bedeutete einen Marktanteil von 5,0 Prozent. FTI betreibt unter anderem den Reiseshopping-Sender „Sonnenklar.TV“. Über ihn hat FTI 2010 165 Millionen Euro Umsatz erzielt und knapp 600.000 Reisende gewonnen – das ist beinahe jeder Dritte, der mit FTI reiste.

Platz 6

Club Mediterranee

Platz sechs nimmt in Europa Club Mediterranee ein. Der französische Reiseveranstalter war im Jahr 2011 wieder in der Gewinnzone. Das Unternehmen erzielte nach eigenen Angaben im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn von zwei Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Verlust von 14 Millionen ausgewiesen werden musste.

Platz 5

Alltours

Deutschlands fünftgrößter Reiseveranstalter Alltours wächst stärker als geplant, die Buchungen liegen deutlich über Plan. Schon im vergangenen Jahr hatte Alltours am stärksten in Deutschland zugelegt. Das Vorsteuerergebnis stieg im Geschäftsjahr 2010/11 (31.10.) um 144 Prozent auf 32 Millionen Euro.

Platz 4

Rewe

In Europa die Nummer drei: Die Touristiksparte der Rewe-Gruppe hat im vergangenen Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 4,2 Prozent zugelegt. Der Umsatz stieg demnach auf 4,5 Milliarden Euro. Zum Gewinn machte das Unternehmen keine Angaben. Auch das neue Tourismusjahr 2011/2012, das am 1. November begonnen hat, sei erfreulich gestartet. Der Umsatz liege „deutlich einstellig im Plus“. Während die Kunden bei Buchungen für Griechenland und Ägypten noch zurückhaltend seien, sei Tunesien als Reiseziel auf dem Weg zurück zu alten Spitzenwerten.

Platz 3

Kuoni

Der Schweizer Reisekonzern Kuoni übernimmt im zweiten Quartal das Online-Reiseportal Gullivers Travel. Das schnell wachsende Online-Reiseportal Gullivers Travel wechselt den Besitzer damit für 515 Millionen Euro. Kuoni will seine Internet-Aktivitäten ausbauen. Der Umsatz bei Kuoni stieg im ersten Halbjahr 2011 um fast 19% auf 2,084 Mrd. Franken.

Platz 2

Thomas Cook

Thomas Cook, Europas Nummer zwei der Reiseveranstalter, kämpfte stark mit Verlusten. Der arabische Frühling hat dem britischen Reiseveranstalter das Geschäft so verdorben, dass eine Finanzspritze im November letzten Jahres notwendig war. Der Deutschland-Chef des angeschlagenen Reisekonzerns Thomas Cook hat sich allerdings zufrieden mit dem derzeitigen Geschäftsverlauf gezeigt. „Bis heute liegen wir bei den Sommerbuchungen nur knapp ein Prozent unter Vorjahr“, sagte Thomas-Cook-Manager Peter Fankhauser der „WirtschaftsWoche“. Der Umsatz sei dank gestiegener Preise sogar stabil, ebenso die Marge. „Das ist ein gutes Resultat für uns.“

Platz 1

Tui Travel

Europas größter Reiseveranstalter Tui musste wegen der Auseinandersetzungen in Ägypten und Tunesien einen Verlust von 80 Millionen Euro einbüßen. Trotzdem hat Tui im abgelaufenen Jahr in seiner Touristiksparte profitiert. Insgesamt stieg der Umsatz im September beendeten Geschäftsjahr 2010/11 um 7 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro.

Er hat keine Kinder, die den Stab übernehmen könnten. Zwar will er sein Unternehmen in eine Stiftung überführen, ohne einen Nachfolger ist die Idee jedoch nur die Hälfte wert. Verhuven ist eine ambivalente Persönlichkeit. Einerseits genießt er uneingeschränkte Anerkennung für seine unternehmerische Leistung bei Alltours. Er machte aus einem kleinen Reisebüro im niederrheinischen Kleve in 38 Jahren einen Milliardenkonzern, der noch nie rote Zahlen geschrieben hat.

Gute Zahlen: Alltours auf der Sonnenseite

Gute Zahlen

Alltours auf der Sonnenseite

Der Touristik-Konzern peilt mit vielen Buchungen einen Unternehmensrekord an.

Alltours ist eine der stärksten Marken im Urlaubergeschäft und für die Marktführer TUI und Thomas Cook ein rotes Tuch, weil dem Branchenurgestein Respekt vor Wettbewerbern fremd ist.
Andererseits ist Verhuven, den alle siezen und hintenherum „Willi“ nennen, bei seinen Top-Managern gefürchtet, weil er Kritik schwer erträgt, sich in Details einmischt und aufbrausend werden kann.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Manfred.Radigewski

14.02.2013, 18:16 Uhr

Weiter so Herr Verhuven. Mit 61 Jahren fängt das Leben erst an. Mit 85 können Sie immer noch aufhören.
Manfred Radigewski

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×