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31.05.2012

13:16 Uhr

Touristikkonzern

Enormer Verlust bei Thomas Cook

Thomas Cook hat ein schwaches Halbjahr seines Geschäftsjahres hinter sich. Um 165 Prozent stieg der Verlust an, vor allem die Kosten fürs Personal haben zugenommen.

Die Lage bei Thomas Cook wird nicht besser. dpa

Die Lage bei Thomas Cook wird nicht besser.

PeterboroughDie Lage beim angeschlagenen Reiseveranstalter Thomas Cook verschärft sich. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2011/2012 stürzte Thomas Cook wegen höherer Kosten und immenser Abschreibungen tief in die roten Zahlen. Bis Ende März fiel vor Steuern ein Verlust von 713 Millionen Pfund (891 Mio Euro) an und damit 165 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Unternehmen am Donnerstag in Peterborough mitteilte.

Unter dem Strich profitierte Thomas Cook von einer Steuergutschrift - dennoch fiel alleine in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres mit 594 Millionen Pfund ein höherer Verlust als im gesamten Jahr 2010/2011 an.

Der Hauptgrund für den stark gestiegenen Verlust im ersten Halbjahr waren Abschreibungen auf die Geschäfte in Amerika und Europa sowie auf die inzwischen verkaufte Indien-Sparte. Auch die Ausgaben für Personal gingen deutlich nach oben. Beim Umsatz legte der Tui-Konkurrent leicht zu. Der Erlös stieg um 2,5 Prozent auf 3,52 Milliarden Pfund.

Am Aktienmarkt sorgten die Zahlen für einen Ausverkauf bei der Aktie - das Papier schmierte am Vormittag um rund elf Prozent auf 18 Pence ab und näherte sich damit wieder dem Rekordtief von 9,35 Pence vom November 2011. 2009 hatte das Papier zeitweise noch 300 Pence gekostet.

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Der hoch verschuldete Konzern steckt derzeit in einem tiefgreifenden Umbau und vermeldete hier zuletzt einige Erfolge. So bekam das Unternehmen Anfang Mai von den Kreditbanken einen Aufschub. Der britische Konzern, der in Deutschland unter anderem mit den Marken Neckermann Reisen, Bucher Last Minute und Öger Tours vertreten ist, hat sich mit den Banken auf ein neues Kreditpaket geeinigt. Damit hat Thomas Cook im Kampf ums Überleben mehr Zeit. Die Schulden von 1,4 Milliarden britischen Pfund (1,7 Mrd Euro) muss das Unternehmen nun nicht vor Mai 2015 zurückzahlen.

Zudem haben die Briten nach langem Suchen vor einer Woche eine neue Chefin gefunden. Harriet Green wird Ende Juli den Posten von Sam Weihagen übernehmen. Dieser hatte den Posten im Sommer des vergangenen Jahres übergangsweise übernommen, nachdem der langjährige Vorstandschef Manny Fontenla-Novoa nach immensen Verlusten und zahlreichen operativen Problemen seinen Hut nehmen musste. 2010/2011 verbuchte das Unternehmen wegen der politischen Unruhen im Nahen Osten und dem harten Preiskampf auf dem britischen Reisemarkt ein Minus von 521 Millionen Pfund.

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Thomas Cook versucht derzeit durch den Verkauf von Hotels und andere Maßnahmen, an Geld zu kommen. So sollen zum Beispiel Flugzeuge versilbert und dann zurückgemietet werden. Von einem Verkauf der deutschen Fluglinie Condor oder des Frankreich-Geschäfts, über den lange spekuliert worden war, war zuletzt keine Rede mehr. Verkauft haben die Briten dagegen Anfang der Woche ihr Indien-Geschäft für knapp 100 Millionen Pfund.

Eine der wenigen positiven Ausnahmen in der Bilanz der Briten war das Deutschland-Geschäft. Außerdem sind Touristikkonzerne in der Wintersaison meist defizitär und verdienen ihr Geld größtenteils im Sommer. Darauf hofft jetzt auch Thomas Cook.

 

Von

dpa

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