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18.04.2013

13:27 Uhr

Transfair-Jahresbericht

Fairer Handel wächst durch Aldi, Lidl und Co.

Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat im vergangenen Jahr in Deutschland erstmals die Grenze von 500 Millionen Euro übertroffen. Kaffee bleibt der Verkaufsschlager. Aber andere Produkte holen auf.

Kakao-Ernte in Peru: Schokolade gehört zu den beliebten fair gehandelten Produkten. PR

Kakao-Ernte in Peru: Schokolade gehört zu den beliebten fair gehandelten Produkten.

DüsseldorfWaren aus fairem Handel sind bei den deutschen Verbrauchern immer stärker gefragt. Vor allem bei Schnittblumen, Bananen und Kaffee und auch dem relativ neuen Produkt Eiscreme legte der Absatz 2012 deutlich zu, wie der Verein Transfair am Donnerstag in Bonn berichtete.

Der Trend zu immer mehr verkauften Fairtrade-Produkten hält seit mehr als einem Jahrzehnt an. Insgesamt sind die Waren aber immer noch ein Nischenprodukt. Im Schnitt gab ein Verbraucher 2012 rund sechs Euro für Fairtrade-Waren aus, wie Transfair mitteilte.

Die Fairtrade-Verkäufe stiegen im Jahr 2012 insgesamt in Deutschland um rund ein Drittel auf einen Wert von 533 Millionen Euro, berichtete Transfair. Die mit einem Siegel gekennzeichneten Produkte seien seit 2012 flächendeckend im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich, nachdem sie auch der Discounter Aldi und die Drogeriemarktkette dm ins Regal genommen hätten.

Bio - öko - fair

Ein Wirrwarr an Siegeln

Fair, bio, öko – und dazu mehrere Dutzend Gütesiegel: Viele Verbraucher verlieren da den Überblick. Dabei gibt es zwischen den Begriffen durchaus Unterschiede.

Fair

Eine faire Produktion soll gewährleisten, dass die Produzenten angemessene Löhne zahlen und die Mitarbeiter nicht unter gesundheitsgefährlichen Bedingungen arbeiten. Der gemeinnützige Verein Transfair verleiht sein Siegel beispielsweise für Produkte wie Kaffee, Bananen oder Blumen, aber auch Kleidung und Fußbälle. Inzwischen berücksichtigt die Organisation allerdings nicht nur ökonomische und soziale, sondern auch ökologische Kriterien – das sei im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Bio

Bio-Siegel garantieren die ökologische Produktion von Lebensmitteln und anderen Produkten. Dabei dürfen beispielsweise weder Gentechnik noch chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Die Anforderungen der Siegel unterscheiden sich allerdings zum Teil erheblich. Besonders streng sind Demeter, Naturland und Bioland.

Öko

Bio ist jedoch nicht automatisch öko: Auch die Umweltbilanz von Bioprodukten kann schlecht sein, etwa wenn Äpfel aus Südafrika nach Deutschland transportiert werden. Weniger CO2 fällt an, wenn Verbraucher Produkte aus der Region kaufen.

Das Wachstum ist vor allem einem deutlichen Zuwachs bei Eigenmarken von Supermarkt-Ketten zu verdanken. So hat Aldi Süd seit vergangenem Jahr drei Fairtrade-Produkte dauerhaft im Sortiment: Kaffee, Bananen und Zucker. Bei Aldi Nord ist Kaffee im Angebot.

Vorreiter sind Lidl und Rewe mit mehr als 20 Produkten. Der Anteil an Eigenmarken der Supermarktketten am gesamten Fairtrade-Umsatz schnellte von deutlich unter 50 Prozent im Jahr 2011 auf 62 Prozent im vergangenen Jahr. „Was wir uns aber wünschen ist, dass mehr Markenartikler an Bord kommen“, sagte der Geschäftsführer des Transfair-Vereins, Dieter Overath, zu Handelsblatt Online.

Erfolgreichste Fairtrade-Produkte (Umsatz 2012)

Kaffee

251 Millionen Euro (+6 Prozent gg. 2011)

Blumen

81 Millionen Euro (+ 173 Prozent)

Eiscreme

48 Millionen Euro (plus 214 Prozent)

Textilien

42 Millionen Euro (plus 157 Prozent)

Bananen/Südfrüchte

38 Millionen Euro (plus 76 Prozent)

Schokolade

15 Millionen Euro (minus 38 Prozent)

Süßwaren

14,5 Millionen Euro (plus 47 Prozent)

Bei Rosen beträgt der Marktanteil aber bereits knapp 20 Prozent. Auch jede dritte Bio-Banane trägt laut Transfair bereits ein Fairtrade-Siegel. Demnächst sollen auch Kosmetikartikel eingeführt werden, bei denen auf faire Behandlung der Lieferanten etwa von Kakaobutter geachtet werden soll.

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