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26.03.2012

18:18 Uhr

Transfergesellschaft

Länder streiten weiter über Schlecker-Zukunft

Die Länder beraten über ein Gutachten zu Schleckers Zukunftsfähigkeit. Die Finanzierung einer Transfergesellschaft müsse überdacht werden, sagt Niedersachsens Wirtschaftminister Bode. Die Mitarbeiter hängen in der Luft.

Für betroffene Schlecker-Mitarbeiter können Klagen Sinn machen. dpa

Für betroffene Schlecker-Mitarbeiter können Klagen Sinn machen.

Nürnberg/Ehingen/BerlinGekündigten Schlecker-Mitarbeiter drohen nach Einschätzung des Arbeitsrechtlers Marc-Oliver Schulze erhebliche Verluste durch einen Wechsel in eine Transfergesellschaft. „Das ist eine Schmalspurgesellschaft, die da auf die Beine gebracht wird“, sagte der Nürnberger Anwalt von der Kanzlei AfA Rechtsanwälte am Montag. Die finanziellen Leistungen seien ebenso wie die vorgesehenen Qualifizierungsmaßnahmen vollkommen unzureichend so der Jurist, der nach eigenen Angaben 15 bis 20 Mandanten vertritt, die mit den angebotenen Verträgen zu ihm gekommen seien.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will die 11.200 zu entlassenden Mitarbeiter der Drogeriekette zu einem Wechsel in Transfergesellschaften bewegen. Die Finanzierung ist jedoch nicht gesichert. Die Bundesländer verhandeln noch, ob sie für einen entsprechenden Kredit der staatlichen Förderbank KfW bürgen.

Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC liegt mittlerweile vor, das als eine Entscheidungsgrundlage dienen soll. Die Aussichten für Schlecker werden darin skeptisch beurteilt. Die Wirtschaftsexperten gehen etwa nicht davon aus, dass eine Rückzahlung des Darlehens nach sechs Monaten aus Erträgen der Betriebsfortführung möglich sei. Dazu müssten viel mehr etwa Auslandsgesellschaften verkauft werden.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) fordert daher, alle bisherigen Überlegungen zur Zukunft der insolventen Drogeriekette Schlecker erneut auf den Prüfstand zu stellen. Nach Feststellung der Gutachter sei noch Liquidität im Unternehmen vorhanden. Deshalb dürfte gegebenenfalls auch ein um die Hälfte reduziertes Darlehen ausreichen, um eine Finanzierung der Transfergesellschaften sicherzustellen. Das wären dann etwa 36 Millionen Euro.

„Bei einem solch reduzierten Volumen wird es im Ergebnis leichter fallen, einer Verbürgung zuzustimmen, zumal die Verbürgung eines Darlehens, das nicht aus Erträgen der Betriebsfortführung, sondern nur durch Veräußerungserlöse rückführbar ist, ohnehin einem erhöhten Prüfaufwand gegenübersteht“, schrieb Bode in einem Brief an seine Amtskollegen in den anderen Bundesländern.

Unterdessen hat sich der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer, skeptisch über die Überlebenschancen der insolventen Drogeriekette Schlecker geäußert. „Das Scheitern von Schlecker ist die Folge offensichtlicher unternehmerischer Fehlentscheidungen“, sagte Pfeiffer Handelsblatt Online. Der Konzern habe es versäumt, gegenüber Mitbewerbern wie Rossmann oder dem DM Drogeriemarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. Stattdessen sei versucht worden, den Umsatz mit neuen Standorten nach oben zu treiben. „Das dies nicht gut gehen konnte, liegt klar auf der Hand“, ist Pfeiffer überzeugt. „Meines Erachtens kann Schlecker nur gerettet werden, wenn ein entsprechender Investor gefunden wird.“

Kommentare (4)

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Huerter

26.03.2012, 17:19 Uhr

Auch Anwälte müssen Geld verdienen und Kündigungsschutzklagen sind ein probates Mittel.
Angenommen von den 11.200 Mitarbeitern, die klagen könnten, würden nur 40% erfolgreich klagen. Und angenommen die würden 3 Monatsgehälter a 2.200 € bekommen macht das rund 29 Mio. Woher soll das Geld kommen? In der Insolvenzmasse ist es wahrscheinlich nicht mehr.
Und Übrigens nach überwiegender Rechtsmeinung kommt der Aufhebungsvertrag erst durch die Unterschrift der dritten Partei (Transfergesellschft) zustande. Also kein schlimmster Fall. Kommt keine TG zu Stande ist der Vertrag nichtig.

Meike

26.03.2012, 17:37 Uhr

hab noch 46 Tage alten Urlaub. 2 Monatsgehälter ist mir Schlecker noch schuldig, dann einfach geschlachtet werden wie eine Kuh und dann einfach auf alles verzichten sollen mit dem wechsel in die Tfg, wie bescheuert halten die mich
denn.Kampf bis zum letzten Blutstropfen.

der_Mahner

26.03.2012, 18:50 Uhr

Was gibt es da zu diskutieren? Auch wenn es sich für die betroffenen Mitarbeiter schlecht anhört.
Ständig wird nach dem mündigen Verbraucher gerufen.
Gerade die Insolvenz von Schlecker stellt ein besonders gelungenes Beispiel über Fehlbarkeit und Ignoranz eines Unternehmenslenkers und die Macht der Verbraucher dar. Der Verbaucher hat ganz gezielt und bewußt vermieden die verfehlte Strategie von Schlecker zu fördern. Der Verbraucher lehnte es ab in unübersichtlichen, überfrachteten, überteuerten kleinen Läden mit einer menschenverachtenden Personalpolitik einzukaufen. Und dies völlig zurecht. Es wird deshalb in den Dingen des persönlichen Lebens nicht weniger eingekauft, sondern es ist einfach zu hoffen dass die überlebenden Unternehmen etwas verantwortlicher und zukunftsorientierter mit Personal und Kunde umgehen.
Der Staat soll sich einfach raushalten. Fiat und Opel Fabriken werden die nächsten sein. Jährlich 1 Mio. zuviel gebaute Autos in Europa werden zwangsläufig zu Werkschließungen führen. Besser es überleben die Top Marken anstatt mit falschen Subventionen die Rohrkrepierer durchzufüttern und den guten Marken die Märkte zu zerstören.

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