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13.06.2013

20:24 Uhr

Trotz Arbeitnehmer-Kritik

Scheidender Karstadt-Chef zieht Umbautempo an

Der Umsatz sinkt, die Mitarbeiter fürchten eine Zerschlagung, und der Chef räumt seinen Posten: Gute Nachrichten sind bei Karstadt derzeit rar. An der Umbaustrategie will Eigner Nicolas Berggruen dennoch nichts ändern.

Warenhauskonzern Karstadt: „Plan 'Karstadt 2015' weiter konsequent umsetzen“. dpa

Warenhauskonzern Karstadt: „Plan 'Karstadt 2015' weiter konsequent umsetzen“.

DüsseldorfDer kriselnde Warenhauskonzern Karstadt will ungeachtet der Kritik der Gewerkschaft Verdi und sinkender Umsätze an seiner Strategie festhalten. „Es ist wichtig, dass Karstadt weiter dem strategischen Plan 'Karstadt 2015' folgen wird und ihn weiter konsequent umsetzt“, unterstrich der scheidende Karstadt-Chef Andrew Jennings nach einer Sitzung des Aufsichtsrats des Warenhausriesen am Donnerstag in Essen.

Auch der besonders umstrittene Ausstieg aus dem Tarifvertrag soll bleiben. Die Gewerkschaft Verdi hatte vor der Sitzung des Gremiums erneut eine Rückkehr zur Tarifbindung und Investitionen des Eigners Nicolas Berggruen zur Modernisierung der Warenhäuser gefordert.

„Die Strategie 'Karstadt 2015' muss überprüft und erforderlichenfalls angepasst werden“, hatte eine Sprecherin der Gewerkschaft betont. Verdi hatte vor der Sitzung umfassende Information über Personalien und den Stand der Umsetzung der Strategie gefordert. Karstadt befinde sich „unter sehr schwierigen Marktbedingungen in einem fundamentalen Transformationsprozess“, sagte Jennings nach dem Treffen des Aufsichtsrats weiter. Der Umbau drücke die Umsätze, räumte er ein: Das Management habe Entscheidungen treffen müssen, „die kurzfristig negative Effekte auf Umsatz und Ertrag haben“. Doch sei es mit Blick auf die „langfristige Gesundung des Unternehmens“ richtig, sich von Verlustbringern wie dem Multimedia- oder Drogeriegeschäft zu verabschieden und verstärkt auf Mode zu setzen.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

„Wir werden in den kommenden Monaten das Tempo unseres Marathons steigern“, betonte der britische Manager. Zugleich versprach er die Einführung weiterer neuer Marken und stellt „nationale Marketingkampagnen im September und Oktober dieses Jahres“ in Aussicht. Er selbst werde den Umbau weiter bis zum Auslaufen seines Vertrages Ende Dezember begleiten. Karstadt brauche zudem den befristeten Ausstieg aus dem Tarifvertrag, sagte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz.

Auch nach der Sitzung wurde offiziell nichts darüber gesagt, wer künftig das Ruder in Essen übernehmen soll. Karstadt-Eigner Berggruen sucht derzeit einen neuen Chef für den Konzern, nachdem Spitzenmanager Jennings angekündigt hatte, seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Für Karstadt muss nach Ansicht von Aktionärsschützer Marc Tüngler so schnell wie möglich ein neuer Konzernchef gefunden werden. „Jeder Tag, an dem das Thema nicht vom Tisch ist, ist für Karstadt ein verlorener Tag“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag.

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