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15.05.2014

09:54 Uhr

Trotz Gewinnzuwachs

Deutsche Post bleibt unter Markterwartung

Durchwachsene Bilanz zum Jahresstart: Während Express- und Paketgeschäft wachsen, wird die Deutsche Post von Problemen im Frachtgeschäft gebremst. Umsatz- und Gewinnzahlen liegen zudem unter den Markterwartungen.

Eine Mitarbeiterin im Briefzentrum der Deutschen Post in Zwickau: Jeder Brief bringt dem Unternehmen seit Beginn des Jahres zwei Cents mehr ein. dpa

Eine Mitarbeiterin im Briefzentrum der Deutschen Post in Zwickau: Jeder Brief bringt dem Unternehmen seit Beginn des Jahres zwei Cents mehr ein.

DüsseldorfUngünstige Währungseffekte und ein lahmendes Frachtgeschäft haben die Deutsche Post zu Jahresbeginn gebremst. Zwar legten im Konzern durch Zuwächse im Express- und Paketgeschäft Umsatz und Gewinn im ersten Quartal zu, doch blieben die Ergebnisse insgesamt unter den Erwartungen des Marktes. „Wir wussten, dass 2014 ein herausforderndes Jahr werden würde - für uns und für die gesamte Branche“, räumte Finanzchef Larry Rosen am Donnerstag ein: „Das hat sich in den ersten drei Monaten bewahrheitet.“ Rosen bekräftigte die Jahresprognose. Die Post will mit der seit Januar geltenden Portoerhöhung im Rücken 2014 den operativen Gewinn auf 2,9 bis 3,1 Milliarden Euro steigern. Zusätzliche Impulse soll dem Geschäft auch der Paketkasten geben, mit dem die Bonner in dieser Woche an den Start gingen.

Die Post verzeichnete bei einem Umsatz von 13,569 (Vorjahr: 13,4) Milliarden Euro im Auftaktquartal einen operativen Gewinn (Ebit) von 726 (710) Millionen Euro. Der Überschuss nach Anteilen Dritter stieg auf 502 (498) Millionen Euro. Analysten hatten bei einem Umsatz von 13,605 Milliarden Euro ein Ebit von 745 Millionen Euro prognostiziert.

Der Post machen mit ihrem weltumspannenden Netz Währungseffekte zu schaffen: Der Euro hat gegenüber Währungen von Schwellenländern aufgewertet, auch gegenüber dem Dollar machte er Boden gut. In den Bilanzen des Konzerns schlägt sich das nieder, denn dieser erzielte über neun Milliarden Euro seines Umsatzes im Ausland. Hinzu kommt, dass viele Kunden aus Kostengründen von der Luftfracht auf die günstigere Seefracht umsatteln - die Umsätze der Frachtsparte schrumpften im Quartal und ihr Ergebnis halbierte sich fast.

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

Im deutschen Heimatmarkt will die Post weiter vom boomenden Online-Handel profitieren. Die Verbraucher bestellen ihre Waren im Internet, die Post liefert diese dann aus. Um seine Marktposition auszubauen, bietet der Konzern nun auch Paketkästen an, die es den Verbrauchern erlauben, rund um die Uhr Sendungen zu empfangen. Die Konkurrenz soll bei den Post-Kästen außen vor bleiben. Die Resonanz der Verbraucher auf die Kästen sei sehr positiv, betonte Rosen.

Von

rtr

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