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25.06.2011

14:53 Uhr

Trotz Krise

Deutsche Urlauber bleiben Griechenland treu

Wirtschaftlich sieht es für Griechenland düster aus. Für deutsche Urlauber hat das Land seinen Reiz aber nicht verloren. Im Gegenteil: Marktführer Tui meldet deutlich steigende Buchungszahlen.

Touristen besuchen auch in Krisenzeiten die Akropolis bei Athen. Quelle: dpa

Touristen besuchen auch in Krisenzeiten die Akropolis bei Athen.

DüsseldorfDeutsche Urlauber scheren sich wenig um die Krise in Griechenland: Trotz Schuldenkrise und Massenprotesten reisen in diesem Sommer deutlich mehr Menschen nach Hellas als im Vorjahr. „Griechenland liegt bei den Buchungszahlen zweistellig über der Entwicklung des Vorsommers“, sagte Volker Böttcher, Chef des Marktführers Tui Deutschland, der „Wirtschaftswoche“. 

Für deutsche Pauschalurlauber gebe es in Griechenland aktuell „keine relevanten Leistungseinschränkungen“, betonte Tui-Sprecher Mario Köpers. Dass Griechenland wirtschaftlich schwer gebeutelt sei, spiele für Urlauber „keine wirkliche Rolle“: „Friedliche Demonstrationen oder auch Streiks halten deutsche Urlauber nicht ab“. 

Nach den gewaltätigen Protesten in Athen 2010 hätten auch deutsche Urlauber sensibel reagiert und teils lieber auf eine Reise nach Griechenland verzichtet, sagte Köpers. Im Moment gebe es aber kaum Bilder von gewaltätigen Auseinandersetzungen und damit auch keine Reisezurückhaltung. 

Auch der Reiseveranstalter FTI meldet ein deutliches Wachstum: “Kein Kunde hat seine Reise aufgrund der aktuellen Berichterstattung in den Medien annulliert“, zitierte die „Wirtschaftswoche“ FTI-Geschäftsleiterin Heike Niederberghaus. Die zur Rewe-Gruppe gehörende Dertour verzeichnet demnach ein „hohes“ zweistelliges Umsatzplus. Immerhin „gut einstellig“ ist das Buchungsplus bei Thomas Cook laut Angaben des Unternehmens. Auch die Buchungen anderer Veranstalter lägen mindestens auf Vorjahresniveau - bei stabilen Preisen, heißt es in dem Bericht.

Der Tourismus ist einer der wenigen Bereiche der griechischen Wirtschaft, der derzeit nicht leidet: Laut neuesten Zahlen kamen etwa im April 24 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr in das Land. 

„Sicherlich ist Griechenland auch einer der größten Profiteure eines insgesamt schwächelnden Nordafrika-Geschäfts“, erklärte Tui-Manager Böttcher. Die andere Seite der Medaille: Ägypten und Tunesien hätten sich von den Nachfrage-Einbrüchen infolge der Umstürze noch nicht spürbar erholt, heißt es bei Tui. 

Zudem hätten die Deutschen ihren Sommerurlaub früh gebucht - meist Ende vergangenen oder Anfang dieses Jahres. Allerdings weckt auch das Last-Minute-Geschäft bei den Veranstaltern hohe Erwartungen, schreibt das Magazin: FTI und Alltours rechneten mit einer großen Nachfrage. 

Das Tourismusgeschäft in Deutschland läuft derzeit ohnehin gut läuft, auch angesichts der guten Konjunktur: Tui meldete Anfang Mai für die erste Hälfte des im Oktober begonnenen Geschäftsjahrs ein Buchungsplus von neun und ein Umsatzplus von zwölf Prozent.

Von

dpa

Kommentare (5)

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ein_kritischer_leser

25.06.2011, 15:29 Uhr

Was bei jener "der Tourismus brummt" Meldung interessieren würde wäre, wie viel des von den Urlaubern ausgegebenen Geldes denn wirklich in Griechenland bleibt, d.h. dort die Menschen auch erreicht.

Es ist ja nicht so, dass die Urlauber in kleinen Pensionen übernachten und zum Essen in lokale Restaurants gehen und dann bummelnd in vielen Geschäften Geld ausgeben würden.

Ist es nicht eher so, dass der Pauschalurlauber mit seinem "all inclusive" sein Geld praktisch komplett bei TUI&Co lässt, d.h. nahezu gar nichts "bei den Griechen" landet, sondern eh wieder via TUI zurück nach Deutschland fließt?

Wie soll jenes Land denn zu Potte kommen, wenn Unternehmen wie TUI verhindern, dass Geld in Griechenland bleibt?

Die paar Billiglöhner die dort die Hotelbetten machen, reißen das Ganze doch auch nicht raus.

Account gelöscht!

26.06.2011, 00:52 Uhr

@ein_kritischer_leser Tourismus ist ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor in Griechenland, und jährlich werden mehr als 18% des griechischen Bruttosozialprodukts in diesem Sektor erwirtschaftet. Der Tourismus ist direkt verantwortlich für mehr als 700.000 Arbeitsplätze in Griechenland.

kommodore

26.06.2011, 10:37 Uhr

Ich erlebe in meinem Umfeld die Situation anders. Einige Bekannte die sonst immer Last-Minute gebucht haben, werden dieses Jahr nicht nach Griechenland reisen. Ursächlich sind die Streiks und die feindliche Stimmung gegenüber Deutschen.

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