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07.05.2015

10:17 Uhr

Trotz roter Zahlen

Baywa hält an positivem Ausblick fest

Der Agrarkonzern Baywa ist zwar mit roten Zahlen ins neue Jahr gestartet. Vor allem aber der anziehende Getreideexport soll 2015 für neuen Schwung sorgen.

Europas größter Baustoff- und Agrarhandelskonzern machte an der Börse mit seiner Zwischenbilanz eine gute Figur. dpa

Handel mit Pflanzen und Tierfutter

Europas größter Baustoff- und Agrarhandelskonzern machte an der Börse mit seiner Zwischenbilanz eine gute Figur.

FrankfurtDer Agrarkonzern Baywa hat Anfang 2015 wegen einer geringeren Nachfrage aus der Landwirtschaft und vom Bau rote Zahlen geschrieben. Im ersten Quartal fiel ein operativer Verlust von 6,4 Millionen Euro an nach einem Plus von 4,3 Millionen Euro vor Jahresfrist, wie das Münchener Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Vor einem Jahr hatte die Firma davon profitiert, dass die Agrar- und Baugeschäfte wegen des extrem milden Winters früher ansprangen als in normalen Jahren.

Die größten Bio-Supermarktketten in Deutschland 2014

Platz 5

Ebl Naturkost betreibt 23 Läden in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1994 gegründet.

Platz 4

Mit 25 Filialen ist die Bio-Supermarktkette Basic auf dem vierten Platz.

Platz 3

Den dritten Platz belegt Bio Company mit 44 Läden.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich Alnatura mit seinen Super Natur Märkten. In Deutschland hat das Unternehmen mehr als 80 Filialen – und will noch weiter expandieren.

Platz 1

Die größte Bio-Supermarktkette Deutschlands heißt Denn's. Hierzulande betreibt das Unternehmen 143 Filialen.

Der Umsatz der genossenschaftlich geprägten Baywa sank von Januar bis Ende März um fünf Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen habe einen für die Jahreszeit üblichen Saisonstart hingelegt, sagte Baywa-Chef Klaus Josef Lutz. Er rechnet im laufenden Jahr weiter mit einem Anstieg von Betriebsgewinn und Umsatz. Optimistisch stimmt Lutz besonders der anziehende Getreideexport.

Wie viel Tier verträgt der Planet?

Wie viel Fleisch isst die Menschheit?

Immer mehr. 2012 waren es rund 300 Millionen Tonnen, bis 2050 kommen etwa 50 Prozent hinzu, schätzt die Welternährungsorganisation, die bei ihrer Prognose allerdings davon ausgeht, dass der aktuelle Trend anhält. In den Industrieländern wächst der Verzehr nicht mehr, dafür greifen die Menschen in Schwellenländern immer häufiger zum Fleisch. Steigende Einkommen und Verstädterung tragen dort dazu bei. Ein Deutscher isst durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch im Jahr - in den 1980er Jahren waren es laut Bauernverband noch 67 Kilogramm.

Welche Folgen hat der wachsende Hunger?

Die Folgen sind vielfältig. Nur zwei Beispiele: In Ländern wie China wächst die industrialisierte Produktion - mit großen Ställen und Schlachthöfen, wie der „Fleischatlas“ beschreibt. Kleinproduzenten und die als Fotomotiv beliebten Händler auf Fahrrädern seien dagegen auf dem Rückzug, heißt es in der Zahlensammlung von Umweltschützern.

In Südamerika wachsen die Anbauflächen für energiereiche Sojabohnen, die als Tierfutter in alle Welt verschifft werden. Das gehe auf Kosten des Regenwalds und entziehe ansässigen Kleinbauern die Lebensgrundlage, heißt es im „Kritischen Agrarbericht“, der auf der Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche vorgestellt werden soll.

Futtertrog versus Teller

Aus der Diskussion „Tank versus Teller“ wird der Streit „Trog versus Teller“: Auf 70 Prozent der weltweiten Anbaufläche wachse inzwischen Tierfutter, kritisiert die Agrarexpertin der Umweltschutzorganisation BUND, Reinhild Benning. Sie gesteht aber zu, dass sich nicht jede Weide zu Ackerland umbrechen lässt - etwa in der Steppe. Dennoch: Auch Mais und Weizen würden immer häufiger zu Tierfutter, moniert der „Fleischatlas“: „Sie wären effizienter direkt als Nahrung für die Menschen zu verwenden.“

Was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Weil der heimische Markt gesättigt ist, setzt die deutsche Ernährungsindustrie auf die steigende Nachfrage im Ausland. Jährlich freuen sich Bauern und Weiterverarbeiter über wachsende Exporte. Dafür haben sie in den vergangenen Jahren Millionen neuer Mastplätze gebaut - vor allem für Schweine, Hähnchen und Puten.

Das sichert Arbeitsplätze, aber gegen die „Tierfabriken“ gibt es auch Widerstand. Mehrere hundert Bürgerinitiativen wenden sich bundesweit gegen Güllegestank und den Verkehr, der von den Ställen ausgeht. Sie kritisieren auch die Haltungsbedingungen der Tiere. Niedriglöhne in Schlachthöfen beschäftigen inzwischen auch die Bundesregierung.

Exportland von Billigfleisch

Deutschland habe sich zum „Exportland von Billigfleisch“ entwickelt, kritisiert der Eberswalder Agrarökonom Bernhard Hörning im Januar 2014. „Billigfleisch aus Deutschland ist ein Mythos“, hält Bauernverbands-Generalsekretär Bernhard Krüsken dagegen. Die Preise lägen über dem EU-Durchschnitt. Zudem gingen drei Viertel der Exporte in EU-Länder.

Sollten wir weniger Fleisch essen?

Unter Medizinern gilt das als Gemeingut. Fleisch enthält zwar wertvolle Nährstoffe, wie es in den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung heißt. 300 bis 600 Gramm pro Woche sollten es demnach aber nicht werden - was bedeuten würde, dass die Deutschen ihren Verbrauch mindestens halbieren müssten. Barbara Unmüßig, als Vorsitzende der Böll-Stiftung Mitinitiatorin des „Fleischatlas“, hält den Fleischkonsum einmal pro Woche für ausreichend und rät: „Zurück zum Sonntagsbraten.“ Die Ernährungsindustrie hält indes nichts von Vorgaben für die Verbraucher: „Sie entscheiden selbstbestimmt an den Kassen der Supermärkte, was sie essen möchten“, heißt es beim Branchenverband BVE.

Im Mittleren Osten und Afrika spielt der Baywa dabei auch die Euro-Schwäche in die Karten. An der Börse kam die Zwischenbilanz gut an. Die Baywa-Aktie legte rund ein Prozent zu und zählte damit zu den größten Gewinnern im Kleinwerte-Index SDax.

Von

rtr

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