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28.06.2011

19:33 Uhr

Trotz Sanierung

Goldgrube Teldafax

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

ExklusivSeit zehn Tagen liefert Teldafax keinen Strom mehr. Das Ende des Geschäftsbetriebs ist auch für die Führungskräfte ein Ärgernis. Sie haben bei Teldafax zuletzt prächtig verdient.

Razzia bei Teldafax: Etliche Manager füllten sich kurz vor der Insolvenz des Stromdiscounters die Taschen. Quelle: dpa

Razzia bei Teldafax: Etliche Manager füllten sich kurz vor der Insolvenz des Stromdiscounters die Taschen.

TroisdorfDie letzten Wochen des Stromanbieters Teldafax waren für viele Beteiligte eine Zeit der Verzweiflung. Geschäftspartner blieben auf ihren Rechnungen sitzen, Kunden warteten endlos auf die Auszahlung ihrer Guthaben. Für einen ausgesuchten Kreis aber verwandelte sich das Unternehmen in eine Goldgrube: Manche Manager konnten ihr Gehalt in kurzer Zeit vervielfachen.

Dem Handelsblatt liegt die letzte Überweisungsliste aus der Teldafax- Buchhaltung für Mai vor, dem letzten Monat vor der Insolvenz. Sie zeigt: Der bereits im März ausgeschiedene Ex-Chef Klaus Bath erhielt immer noch mehr als 17.000 Euro netto. Dem neuen Vorstand Alexander Kutz, der erst 2009 bei einem Gehalt von rund 4000 Euro brutto in der Marketingabteilung angefangen hatte, wurden ebenfalls mehr als 17.000 Euro ausgezahlt. Und die Leiterin der Rechtsabteilung ließ sich wenige Wochen vor dem Insolvenzantrag neben ihrem Gehalt noch hunderte Überstunden auszahlen – insgesamt erhielt sie so 17.100 Euro netto.

Insolvenzspezialisten sehen darin einen klassischen Fall. „Es kommt oft vor, dass sich Leute an den Schaltstellen noch kurz vor der Insolvenz die Taschen füllen“, sagt Rechtsanwalt und Insolvenzspezialist Klaus Kollbach. „Das sind natürlich alles Vorgänge, die sich der Insolvenzverwalter genau anschauen muss.“

Doch nicht nur die Führungskräfte, auch diverse Berater machten bei Teldafax vor dem Ende des Unternehmens noch Kasse. So verhalf der Teldafax-Vorstand Gernot Koch (Nettogehalt Mai: 17.450 Euro) seiner langjährigen Bekannten, Susanne Fiederer, im Herbst 2010 zu einem lukrativen Beratervertrag. Die PR-Spezialistin sollte helfen, die Gerüchte über die Überschuldung des Unternehmens zu entkräften. Laut Führungskreisen erhielt sie für dafür einen Tagessatz von rund 1000 Euro.

Fiederers Wohnung wurde am Montag von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Sie gilt als unverdächtige Zeugin und hat nach eigenen Angaben für die letzten drei Monate ihrer Beratertätigkeit selbst eine fünfstellige Forderung an Teldafax.

Kommentare (4)

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tomtomtom100

28.06.2011, 19:26 Uhr

Na wenn ich das alles so lese, dann kann ich nur sagen:
Die Vorauskasse Zahlung der Kunden sind ja nicht weg, sie gehören jetzt nur jemand anderen. Der zuständigen Staatsanwaltschaft kann ich auch nur ein Armutszeugnis ausstellen, dass dem ganzen Treiben so lange untätig zugeschaut wurde. Die Zeche zahlt mal wieder der normale Bürger der glaubte, ein wenig sparen zu können.

Beobachter

28.06.2011, 20:34 Uhr

Also, lasst uns mal kurz resümmieren: TelDaFax ergattert von irgendwelchen russischen Investoren (garantiert auch eine weitere Briefkastenfirma von M. Josten) rund 100 Mio. Euro. Und diese Kerle sollen die ganzen Monate lang nicht gewusst haben, wo sie dieses Geld hineingepumt haben?

Das sollen wir, diesem Artikel zu Folge, also glauben?

Ne, ne, so geht das hier nicht! Erst einen Haufen Geld verbrennen und sich dann darüber beschweren, dass man angeblich getäusch worden ist.

Ich würde eher sagen, die ominösen Russen haben gar keine 100 Mio. investiert, sondern sich nur verpflichtet, der Debi Select (die faktische Eigentümerin von TelDaFax) in bestimmten zeitlichen Abständen Gelder zu überweisen. Und als die Russen rausbekommen haben, was für Strukturen da vorhanden (oder nicht vorhanden!) sind, haben sie einfach aufgehört, die nächsten Tranchen zu überweisen. Und schon war der Schwarze Peter wieder bei Debi Select. Man sollte vielleicht einfach mal besser googeln!

Liebe Handelsblatt-Journalisten: wenn ihr schon Stories zum Besten geben wollt, dann versucht wenigstens, richtig abzuschreiben, bevor ihr hier Theorien von 100 Mio.-Zahlungen verbreitet. Glaub ihr allen Ernstes, dass irgendein Investor so viel Geld in eine so unsichere Sache investieren würde, OHNE erst einmal alles auf Herz-Nieren-Lunge-Augen zu prüfen???

MK_aus_O

28.06.2011, 20:49 Uhr

Herzlichen Dank an die Beratung SMP! Wenn deren Arbeit endlich(!) dafür ausschlaggebend war, dass dieses kriminelle System gestoppt, und nicht noch mehr Leute betrogen wurden, hat Sie sich jeden in Rechnung gestellten Cent redlich verdient!

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