Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.02.2013

21:56 Uhr

Trotz Sparerfolgen

Lufthansa streicht die Dividende

Die Lufthansa beteiligt auch die Aktionäre an der Restrukturierung des Unternehmens. Trotz eines Gewinns von 990 Millionen Euro will die Airline kurzerhand die Dividende streichen - und deutsche Standorte schließen.

Auszahlungsstopp für Aktionäre - Lufthansa zahlt keine Dividende. dpa

Auszahlungsstopp für Aktionäre - Lufthansa zahlt keine Dividende.

FrankfurtDie Lufthansa setzt trotz eines knappen Milliardengewinns den Rotstift an. Der Vorstand will mehrere Standorte schließen, und die Aktionäre sollen auf eine Dividende verzichten. Zugleich will die Lufthansa-Spitze um Vorstandschef Christoph Franz mehr als 100 neue Flugzeuge bestellen, wie Europas größte Fluggesellschaft überraschend am Dienstagabend mitteilte.

Im abgelaufenen Jahr profitierte die Lufthansa überraschend stark von Beteiligungsverkäufen. Unter dem Strich verdiente der Dax -Konzern daher 990 Millionen Euro, nachdem er ein Jahr zuvor noch einen Verlust von 13 Millionen Euro eingeflogen hatte. Im operativen Geschäft lief es allerdings schlechter. Während der Umsatz um fünf Prozent auf 30,1 Milliarden Euro wuchs, ging der operative Gewinn um 36 Prozent auf 524 Millionen Euro zurück. Damit fiel er auch schwächer aus als von Analysten erwartet.

Erst im Oktober hatte Lufthansa-Chef Franz eine Verschärfung des Sparkurses angekündigt. Die bislang in Angriff genommenen Projekte wie das Programm „Score“ reichten nicht aus, um zusätzliche Belastungen auszugleichen, hieß es damals. Für das Sanierungsprogramm gab die Lufthansa 2012 rund 160 Millionen Euro aus. Durch die eingeleiteten Personalkürzungen und weitere Schritte sollen sollen die jährlichen Kosten bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro gesunken sein.

Dazu will die Lufthansa zwei Standorte in Deutschland schließen. Im Zuge der Schließungen sollten über 700 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstagabend. Betroffen sind der Fluggesellschaft zufolge die Kölner Hauptverwaltung mit 365 Arbeitsplätzen und der Standort Norderstedt der Buchhaltungstochter Lufthansa Revenue mit etwa 350 Jobs. Auch sollten rund 160 der etwa 200 Arbeitsplätze der Konzernverwaltung im Bereich Financial Services in Hamburg in ein spezialisiertes Unternehmen ausgelagert werden, erklärte das Unternehmen. Ebenfalls geprüft werden soll, ob die Lufthansa-Tochter Cityline ihre Zentrale von Köln nach München verlegt.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Mit ihrem Sanierungsprogramm „Score“ ist die Lufthansa bisher wohl weit erfolgreicher gewesen als geplant. Statt der anvisierten Ergebnissteigerung von 280 Millionen Euro könnten es „gut 400 Millionen Euro werden“, hatte zuletzt die „Wirtschaftswoche“ unter Verweis auf Aufsichtsratskreise berichtet. Der Nettoeffekt des Programms sei jedoch geringer, weil andere Ausgaben – vor allem für das Flugbenzin – stärker gestiegen seien als geplant. Mit Hilfe des laufenden Umbauprogramms will die Lufthansa ihr Ergebnis um 1,5 Milliarden Euro steigern - unter anderem durch einen einschneidenden Stellenabbau.

Zugleich profitierte die Lufthansa 2012 von ein Radikalschnitt bei der lange defizitären Tochter Austrian Airlines (AUA). Die Verlagerung des Betriebs auf deren Regionalflug-Ableger Tyrolean Airways schob den operativen Gewinn einmalig um 115 Millionen Euro in die Höhe.

Bereits für den Winter hatte die Lufthansa wegen der schwierigen Ertragserlage ihr Flugangebot zusammengekürzt. Das Sitzplatzangebot sollte nach damaligen Angaben drei Prozent geringer ausfallen als ein Jahr zuvor. Zugleich stehen tausende Arbeitsplätze auf der Kippe. 3500 Stellen sollen alleine in der Verwaltung wegfallen, rund 700 Stellen könnten aus Deutschland ins Ausland verlagert werden.

Angesichts der hohen Treibstoffpreise und des harten Konkurrenzkampfs mit Billigfliegern wie Ryanair und den wachsenden Fluggesellschaften vom Persischen Golf sieht Franz zum Sparen keine Alternative.

Vor milliardenschweren Investitionen in modernere und damit meist sparsamere Flieger schreckt der Vorstand dennoch nicht zurück. Acht Langstreckenjets und 100 Kurz- und Mittelstreckenmaschinen will Franz nun bestellen und dafür rund neun Milliarden Euro ausgeben. Die Auslieferung der Flugzeuge ist für die Jahre 2015 bis 2025 geplant. Um welche Maschinen es sich genau handeln soll, verriet die Lufthansa zunächst nicht. Allerdings hatte der Konzern zuletzt die Umstellung der Mittelstreckenflotte auf die Modelle A320 und A320neo eingeleitet.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

SlingShot

19.02.2013, 21:28 Uhr

eine vernuenftige Entscheidung.

Account gelöscht!

19.02.2013, 21:42 Uhr

"Die Dividende wird gestrichen" und die Aktie fällt dementsprechend von ca. 16 EUR auf ca. 15,40 EUR.

Insider

19.02.2013, 22:52 Uhr

Da wurden wohl viele Aktionäre ,die in der letzten Zeit zu Höchstkursen rein sind, kalt erwischt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×