Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.11.2014

09:18 Uhr

Trotz starkem Sommerquartal

Hapag-Lloyd steckt weiter in tiefroten Zahlen

Netto-Verlust im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht: Die Reederei Hapag-Lloyd kämpft mit fallenden Frachtraten und hohen Kosten. Vorstandschef Jansen zeigt sich unzufrieden und kündigt ein Sparprogramm an.

Hapag-Lloyd-Container werden in Altenwerden, Hamburger Hafen: Der Konzern stellt mit dem kürzlich fusionierten chilenischen Konkurrenten CSAV die viertgrößte Reederei der Welt. dpa

Hapag-Lloyd-Container werden in Altenwerden, Hamburger Hafen: Der Konzern stellt mit dem kürzlich fusionierten chilenischen Konkurrenten CSAV die viertgrößte Reederei der Welt.

HamburgDeutschlands größte Containerlinie Hapag-Lloyd steckt vor dem Zusammenschluss mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV tief in den roten Zahlen und kündigt ein Sparprogramm an. Zwar schrieb die Reederei im Sommerquartal einen bereinigten Betriebsgewinn von 33,1 Millionen Euro. Das reichte jedoch nicht, um die zwei vorangegangenen Verlustquartale wettzumachen.

Nach neun Monaten stand ein operativer Verlust von knapp 41 Millionen Euro bei einem leicht niedrigeren Umsatz von 4,9 Milliarden Euro zu Buche. Im Vorjahreszeitraum hatte Hapag-Lloyd operativ noch 80 Millionen Euro Gewinn erzielt.

Der seit wenigen Monaten amtierende neue Vorstandschef Rolf Habben Jansen zeigte sich unzufrieden mit dem Ergebnis. Hapag-Lloyd sei zwar grundsätzlich auf einem guten Weg, die Kosten müssten aber gesenkt werden. Neben weiteren Einsparungen seien auch Verbesserungen im Vertrieb geplant. Details nannte Habben Jansen nicht.

Hapag-Lloyd kämpft, wie andere Reedereien auch, mit fallenden Frachtraten. Das sind die Preise, die die Kundschaft für den Transport von Containern bezahlen müssen. Bis Ende September sanken diese um 74 Dollar auf 1432 Dollar je Standardcontainer (TEU). Der leichte Rückgang bei den Treibstoffkosten konnte dies nicht ausgleichen. Der Umsatz schrumpfte trotz gestiegener Transportmenge. Unter dem Strich blieb nach neun Monaten ein Netto-Verlust von 224 Millionen Euro, vier Mal soviel wie im Vorjahr.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Hapag-Lloyd will durch den Zusammenschluss mit CSAV zur viertgrößten Linienreederei der Welt aufsteigen und erhofft sich davon Kostenvorteile im harten Wettbewerb auf See. Derzeit liegen die Hamburger weltweit auf Rang sechs, CSAV auf Platz 20. Mehrere Kartellbehörden haben den geplanten Deal bereits abgesegnet, es fehlen noch China und Mexiko. Wenn auch diese beiden Länder grünes Licht geben, kann CSAV sein Containergeschäft bei Hapag-Lloyd einbringen. Das Closing wird in den nächsten Wochen erwartet.

Allzu schnell dürfte der neue Konzern aber nicht in ruhigere Gewässer kommen: Auch 2015 werde herausfordernd, prognostizierte Habben Jansen mit Blick auf die seit sechs Jahren andauernde Krise in der Containerschifffahrt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×