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04.08.2011

09:05 Uhr

Trotz Streik-Durcheinander

Flugverkehr läuft ohne Probleme an

Im letzten Moment wurde der Streik der Fluglotsen abgeblasen. Dennoch ist es für viele Reisende heute Morgen eine beruhigende Nachricht, dass der Flugverkehr normal stattfindet. Die Streikgefahr ist längst nicht gebannt.

Fluglotsenstreik vom Tisch

Video: Fluglotsenstreik vom Tisch

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FrankfurtNach dem Platzen des Fluglotsen-Streiks ist der Luftverkehr am Frankfurter Flughafen am Donnerstagmorgen reibungslos angelaufen. Es herrsche reger Flugbetrieb, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport. „Die Passagiere sind guter Dinge und kommen zu ihren Zielen.“ Auch aus Stuttgart und vom Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz wurden keine Verzögerungen gemeldet.

„Der Flugbetrieb ist ganz normal angelaufen“, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Airports. Die Fluggesellschaften hätten auch keine Flüge vorsorglich abgesagt. Wegen der ursprünglich von 06.00 bis 12.00 Uhr geplanten Arbeitsniederlegungen hatten sich die Airports zunächst auf Flugausfälle und veränderte Flugpläne eingestellt.

Die Hintergründe zur Flugsicherung

Welche Aufgaben hat die Deutsche Flugsicherung?

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) überwacht zivile und militärische Flüge im deutschen Luftraum. Nach DFS-Angaben koordinierendie Mitarbeiter täglich bis zu 10 000 Flugbewegungen, im Jahrknapp drei Millionen. Die Lotsenüberwachen die Maschinen bei Start und Landung sowie in der Luft. Sie sorgen dafür, dass Flugzeuge auf festgelegten Routen in richtiger Höhe fliegen und Sicherheitsabstände einhalten.

Wie viele Mitarbeiter sind bei der DFS beschäftigt?

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Langen bei Frankfurt hat knapp 5900 Mitarbeiter in Deutschland und bei Eurocontrol im niederländischen Maastricht, darunter mehr als 1900 Fluglotsen und Hunderte von Technikern. Weitere Kontrollzentrenwerden in Bremen, Karlsruhe und München betrieben. Außerdem sitzt die DFS in den Kontrolltürmender 16 internationalen Flughäfen in Deutschland. Die Gewerkschaft der Flugsicherung beziffert die Zahl der bei ihr organisierten DFS-Tarifangestellten auf 2600.

Ist die DFS ein privates Unternehmen?

Die DFS ist privatrechtlich organisiert, gehört jedoch zu 100 Prozent der Bundesrepublik Deutschland. Im Jahr 2006 sollte die DFS privatisiert werden. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verweigerte aber die Unterschrift unter dem Gesetz mit der Begründung, dass Flugsicherung nach dem Grundgesetz eine originär staatliche Aufgabe sei. 2009 wurde die Verfassung geändert. Heute kann die Überwachung des Luftverkehrs über Deutschland von der DFS auch an ausländische Flugsicherungs-Organisationen delegiert werden.

Dürfen die Fluglotsen überhaupt streiken?

Ja, die allermeisten schon, denn Beamte sind in der ehemaligen Bundesbehörde inzwischen absolut in der Minderheit. Von den fast 6000 Beschäftigten des DFS-Stammpersonals waren laut Geschäftsbericht zum Jahreswechsel 5074 Angestellte. Von den rund 500 Beamten stammt jeweils eine Hälfte vom Luftfahrtbundesamt oder Bundeswehr. Sie allein könnten den zivilen Flugbetrieb nicht aufrechterhalten.

Gab es schon einmal Fluglotsenstreiks in Deutschland?

Seit der Umwandlung in eine privatrechtliche GmbH 1993 nicht wirklich. Lediglich im Jahr 2009 legten die Lotsen am Tower in Stuttgart die Arbeit nieder, um ihre Solidarität mit Kollegen auf dem Vorfeld zu demonstrieren. Der Konflikt war regional begrenzt. Harte Auseinandersetzungen gab es hingegen zu Beginn der 70er-Jahre, als die verbeamteten deutschen Fluglotsen ihre karge Besoldung mit den Einkünften der Kollegen etwa in den USA verglichen. In zwei Wellen gingen die Staatsdiener in den sogenannten „Bummelstreik“ und machten „Dienst nach Vorschrift“, ohne dass sich zunächst etwas änderte. Bei der rechtlichen Umwandlung 1993 kündigten mehr als 90 Prozent der Lotsen ihr Beamtenverhältnis.

Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte den Streik am Mittwochabend in erster Instanz gestoppt, die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) blies daraufhin den Arbeitskampf nicht einmal zehn Stunden vor dem geplanten Beginn ab. Zu einer Berufungsverhandlung kam es nicht mehr. Der Personalchef der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS), Jens Bergmann, warf der Gewerkschaft vor, sie habe mit ihrer späten Absage bereits immensen wirtschaftlichen Schaden angerichtet.

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