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04.01.2016

15:39 Uhr

Trotz Terror und Germanwings-Absturz

„Fliegen wird immer sicherer“

Trotz verheerender Unglücke war das vergangene Jahr für die Weltluftfahrt eines der sichersten der vergangenen Jahrzehnte. Die Zahl der Passagiere steigt dabei ständig. Das Wachstum in der Branche geht ungebremst weiter.

Immer mehr Reisende setzen auf den Flieger. dpa

Flugzeugkabine

Immer mehr Reisende setzen auf den Flieger.

HannoverFür die zivile Weltluftfahrt war das zurückliegende Jahr trotz verheerender Flugzeugunglücke eines der sichersten der vergangenen Jahrzehnte. Zu diesem Fazit kommt sowohl das Hamburger Flugunfallbüro JACDEC (Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre) wie auch das in den Niederlanden ansässige Aviation Safety Network (ASN).

Während die JACDEC in ihrer Unfallstatistik fürs Vorjahr 521 Opfer zählte, kommt ASN aufgrund einer anderen Zählweise auf 560 Luftfahrt-Tote. Den vorsätzlich in die Alpen gesteuerten Germanwings-Airbus stellen beide Büros als ungewöhnlich heraus - dieser Fall stellte das Vertrauen in einen ganzen Berufsstand auf den Prüfstand wie kein anderes Unglück.

Die Chronologie der Germanwings-Katastrophe

6:48 Uhr

Der Morgen beginnt mit einem Flug von Düsseldorf nach Barcelona. An Bord der Maschine reisen 122 Passagiere nach Spanien. Nach der Landung an der Mittelmeerküste werden keine Probleme bekannt.

10:01 Uhr

Die Maschine startet auf dem Flughafen in Barcelona 26 Minuten später als geplant zurück in Richtung Deutschland.

10:45 Uhr

Der Airbus A320 hat nach Angaben von Germanwings seine reguläre Flughöhe erreicht. Französische Medien berichten später, das Wetter sei gut gewesen.

10:46 Uhr

Die Maschine geht nach Angaben der Fluggesellschaft für 8 Minuten in einen Sinkflug, der nicht mit der Flugsicherung abgesprochen ist. Dem Online-Dienst Flightradar24 zufolge sank die Maschine dabei mit einer Geschwindigkeit von 3000 bis 4000 Fuß - etwa 900 bis 1200 Meter - pro Minute, vergleichbar mit einem Landeanflug.

10:47 Uhr

Aus dem Flugzeug wird nach ersten Angaben des französischen Verkehrsstaatssekretärs ein Notsignal gesendet, weil sich die Maschine in einer „unnormalen Situation“ befunden habe. Die französische Flugkontrolle teilt später aber mit, es habe keinen Notruf gegeben.

10:53 Uhr

Die Radarverbindung bricht auf 6000 Fuß Höhe (ca. 1800 Metern) ab. Die Maschine ist im Estrop-Massiv rund 100 Kilometer nordwestlich von Nizza abgestürzt.

11:30 Uhr

Etwa zu diesem Zeitpunkt erhält der Flughafen Düsseldorf nach Angaben eines Sprechers die Information, dass die Maschine vom Radar verschwunden ist. Ein Krisenstab wird eingesetzt.

11:55 Uhr

Die Maschine hätte in Düsseldorf landen sollen. Angehörige und Freunde der Opfer werden in Düsseldorf und Barcelona betreut und am Flughafen in einen geschützten Bereich gebracht.

13:00 Uhr

Das Luftfahrtbundesamt teilt mit, es sei ein Krisenstab gebildet worden.

„Doch so erschütternd dieses Unglück ist, die Statistik zeigt: Während die Zahl der Passagiere immer weiter ansteigt, sinkt die geringe Zahl der Verunglückten kontinuierlich weiter“, meint Matthias von Randow vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Er betont: „Fliegen wird immer sicherer.“ Die internationale Zivilluftfahrtorganisation IATA bestätigt den Trend und weist vor allem auf die hohen Passagierzahlen des Vorjahres hin.

Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend: 3,5 Milliarden Passagiere bescherten 2015 den Airlines rund um den Globus einen Umsatz von 710 Milliarden Dollar. Und die Weltluftfahrt boomt weiter. Begünstigt durch niedrige Treibstoffpreise fahren viele Airlines wieder satte Profite ein und lassen auch Flughafenbetreiber aufatmen. Immer mehr an Bedeutung gewinnen Verkehrsdrehscheiben - nicht nur in den arabischen Emiraten: mit dem US-Airport Atlanta gibt es den ersten Mega-Airport, der die Marke von einer Milliarde Passagieren knackte.

Dazu kommen immer leistungsstärkere Maschinen, die auch extrem lange Flugstrecken ermöglichen: Emirates etwa plant mit einer zweistrahligen Boeing 777-200LR eine 13 800 Kilometer-Flug-Verbindung zwischen Dubai und Panama, die für die Passagiere einen 17,5-stündigen Nonstop-Flug bedeutet.

Bis 2034 geht die IATA von einem jährlichen Wachstum der Weltluftfahrt von im Schnitt 3,8 Prozent aus. Sieben Milliarden Menschen dürften dann als Flugpassagiere unterwegs sein, so die Prognose - doppelt so viele wie 2015. Zum Vergleich: Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung errechnete gerade, dass zum Jahreswechsel 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt lebten.

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