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12.06.2013

15:18 Uhr

Türkei-Urlaub

Die Touristen kommen trotz Erdogan

VonEberhard Krummheuer

Die Türkei ist bei deutschen Urlaubern als Reiseziel beliebter als die eigene Heimat. Daran kann auch die Pleite eines großen Reiseunternehmens und das Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten in Istanbul nichts ändern.

Hotels und Landschaft an der türkischen Riviera. obs

Hotels und Landschaft an der türkischen Riviera.

DüsseldorfWer „Flüge Türkei“ googelt, fühlt sich schon beinahe wie auf einem Basar im Land seiner Träume: „Türkeiflüge billig wie nie buchen“ oder „Bis zu 30 Prozent günstiger in die Türkei fliegen!“ schallt es marktschreierisch dem Suchenden entgegen. Gelockt wird mit Flügen ab 59 Euro, natürlich nur Hinflüge und nicht gerade zur Hochsaison. Komplette Pauschalreisepakete mit Flug, Hotel und Frühstück gibt es auch in besseren Häusern an der Türkischen Riviera für 300, 400 Euro pro Woche.

Dabei gab es zuletzt einen Rückschlag für die Branche: Der auf Türkeireisen spezialisierte Reiseveranstalter GTI Travel ist in die Insolvenz gerutscht. Und auch die politische Lage ist alles andere als ruhig: Auf dem Taksim-Platz in Istanbul protestieren die Massen gegen den autokratischen Führungsstil der Regierung und geraten in heftig Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Doch die deutschen Reiseveranstalter versichern fast unisono: Es gibt reichlich Flugkapazitäten für günstige Schnäppchenreisen, das Reiseland Türkei wird bei den Deutschen sogar immer beliebter. „Das Geschäft läuft gut, die Türkei ist ein Dauerbrenner“, sagt ein Tui-Sprecher. In der konzerninternen Hitliste der beliebtesten Reiseländer hat sich die Türkei bei der Zahl der Buchungen von deutschen Urlaubern auf Platz 2 hinter Spanien vorgearbeitet – und damit Deutschland und Griechenland überholt. Das Rewe gehörende Unternehmen DER-Touristik hat zwar seinen Gästen, die im Istanbuler Hotel Grand Hyatt untergebracht sind, die Umbuchung in ein anders Hotel angeboten, da das Hotel in der Nähe des Taksim-Platzes liegt. „Das Angebot hat keiner in Anspruch genommen“, sagte eine Sprecherin.

Wichtiges zum Reisevertrag

Vor Vertragsschluss

Bevor der Kunde unterschreibt, müssen der Reiseveranstalter beziehungsweise sein Reisebüro ihn darüber informieren, welche Pass- oder Visumvorschriften für die Reise gelten, welche Impfungen Pflicht sind und was sich im Vergleich zum Prospekt an der Reise geändert hat.

Fehlende Informationen

Wer etwa nicht über die nötige Gültigkeitsdauer des Reisepasses informiert wurde und deshalb nicht einreisen darf, hat gegenüber dem Reiseveranstalter Anspruch auf Schadenersatz.

Das gehört in die Reisebestätigung

Der Reiseveranstalter muss dem Kunden eine schriftliche Reisebestätigung aushändigen. Diese muss unter anderem den Reisepreis plus Zahlungsmodalitäten, den Namen und die Anschrift des Veranstalters, die Kündigungsmöglichkeiten und die Vorgehensweise bei Mängeln sowie einen Hinweis auf eine Reise-Rücktrittskosten-Versicherung enthalten; außerdem alle Daten zur Reise wie An- und Abreisedatum, Transportmittel, Unterbringung, Mahlzeiten, Nebenleistungen und Preisänderungsvorbehalte.

Sonderwünsche in der Reisebestätigung

Wurden Sonderwünsche vereinbart, müssen diese schriftlich in der Reisebestätigung festgehalten werden und dürfen nicht in der Rubrik „unverbindliche Sonderwünsche“ auftauchen.

Kein Widerrufsrecht

Anders als beim Kauf von Waren haben Kunden bei der Buchung einer Reise kein zweiwöchiges Widerrufsrecht – egal, ob sie online oder im Reisebüro buchen. Vor Vertragsabschluss sollte sich der Urlauber also sicher sein, dass er die Reise tatsächlich buchen möchte.

Vorkasse nicht ohne Sicherungsschein

Wer für die Reise eine Anzahlung leisten muss, sollte dies nicht ohne Sicherungsschein tun. Falls der Reiseveranstalter vor der Reise Insolvenz anmelden muss, bekommt der Kunde sein Geld von der Versicherung zurück, die auf dem Sicherungsschein genannt ist. Der Reiseveranstalter ist zu diesem Schein lauf Paragraph 651k BGB verpflichtet.

In der Branchenstatistik des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rangiert das Land hinterm Bosporus bereits seit 2012 auf dem dritten Platz der Auslandsreiseziele – hinter Spanien und Italien und zum ersten Mal vor Österreich: Von rund 70 Millionen Urlaubsreisen im vergangenen Jahr gingen zwei Drittel ins Ausland, gut sieben Prozent davon in die Türkei.

Nur kurzfristig sah es nach dem Zusammenbruch von GTI Travel so aus, als ob der Aufwärtstrend gestoppt sein konnte. Mit der Insolvenz des achtgrößten deutschen Reiseveranstalters, der zu einem türkischen Konzern gehört, hatte die ebenfalls zum Imperium zählende Fluggesellschaft Sky Airlines den Betrieb eingestellt. Im regen Urlauber-Flugverkehr fehlten von einem Tag auf den anderen etliche Jets, die zu einem Großteil für den Duisburger Touristikanbieter Alltours geflogen waren.

Chef Willi Verhuven hatte denn auch nach dem Bekanntwerden der Pleite beklagt, dass in diesem Sommer rund 400 000 Flugzeug-Plätze, eben die Kapazität von Sky, im Luftverkehrsmarkt Deutschland/Türkei fehlen würden. Das Unternehmen, bekannt für flotte Sprüche und aggressives Vorgehen im Markt, wurde ganz defensiv und verhängte kurzfristig einen Buchungsstopp für das begehrte Urlaubsland.

Kommentare (3)

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der_misanthrop

12.06.2013, 19:12 Uhr

die medien (tv: rtl, blatt: welt etc.) sollten endlich aufhören gegen die türkei zu hetzen - das ist doch mittlerweile nicht mehr lustig und auch schon fast langweilig geworden.. seitdem ich denken kann wird gehetzt wo es nur geht, aber urlaub machen mag immer noch jeder in der türkei und der döner schmeckt auch gut! MAL NE ANDERE FRAGE: was ist mit Stuttgardt21 und blockupy frankfurt, was macht vaterstaat, die polizei dort mit den viel friedlicheren demonstranten, die nicht mit molo.cocktails um sich schmeißen? misshandeln und die medien haben damals fast sämtl. Berichterstattungen im keim erstickt... echt schwach deutschland, ne ganz peinliche nummer..

Hasan

12.06.2013, 23:14 Uhr

Ich habe das Gefühl, dass die deutsche Medienlandschaft nur auf dieses Ereignis gewartet hat. Allein auf WO lese ich 20 Artikeln
über die türkischen Proteste; und wirklich unterscheiden tun sich die Artikeln untereinander nicht: Gewalt hier, Prügel dort.
Und dazu braucht man 20 Artikel mit der selben Hetze?
Und dann schimpfen sie über die türkische Presse, die angeblich nicht berichten darf. Ich lese beide Seiten, und sie werden lachen: Die türkische Presse brachte viel mehr Informationen über die Ereignisse. Bei der deutschen lass man nur: "Türkei für die EU nicht geeignet" oder "Erdogan der Diktator" usw.
Achso? Und was war in Stuttgart und Frankfurt nochmal?

shar

13.06.2013, 08:10 Uhr

Aus meiner Sicht ist Erdogan ein islamistischer Hetzer, den man nicht unterstützen darf! Es sind so viele Dinge, hetzt in Deutschland für den türkischen Wahlkampf, fordert hier immer mehr Dinge - soll erst einmal die Basics in der Türkei anerkennen, hetzt nach Krieg, hetzt gegen die EU und was ist wenn es etwas schwierig wird?
Oh ein Flugzeug, dass provoziert wird abgeschossen ... na klar Schrei nach NATO, oh die Pläne für das osmanische Reich wird durch den "Frühling" in Nordafrika gefährdet - schnell wieder zur EU, usw usw
Erdogan ist ein Feind der Demokratie (und ich will ja nicht soweit gehen und sagen unser künftiger Feind)! Schade nur das all die normalen und gebildeten Türken darunter leiden und sorry im armen Anatolien sind die Menschen leider ungebildet und Kraftmeierei kommt da gut an.

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