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06.01.2010

11:18 Uhr

Tüv macht Schule

Prüfkonzerne etablieren sich im Bildungsgeschäft

VonBritta Mersch

Die Prüfkonzerne Tüv und Dekra zählen inzwischen zu den größten Anbietern in der Aus- und Weiterbildung. Das Angebot geht weit über den Kernbereich der Konzerne hinaus. Jetzt gründen sie Privatschulen - und sorgen damit auch für Nachwuchs an eigenen Fachkräften.

Lernen mit dem Tüv: Etwa fünf Mio. Euro investiert der Prüfkonzern in Privatschulen. Quelle: dpa

Lernen mit dem Tüv: Etwa fünf Mio. Euro investiert der Prüfkonzern in Privatschulen.

DÜSSELDORF. Eigentlich bringt man den Tüv mit der regelmäßigen Fahrzeugkontrolle in Verbindung. Was viele nicht wissen: Neben den Sicherheitschecks für Autos hat sich der Tüv auch zu einem der größten Bildungsanbieter Deutschlands entwickelt und bietet Aus- und Weiterbildungen in ganz unterschiedlichen Bereichen an. Allein im letzten Jahr erreichte die Sparte "Bildung und Consulting" beim Tüv Rheinland ein Gesamtvolumen von rund 144 Mio. Euro.

Mit rund 80 Mio. Euro schlägt die Tüv Rheinland Akademie zu Buche, die Aus- und Weiterbildungen in unterschiedlichen Bereichen anbietet. Etwa 1 000 Auszubildende machen eine Lehre vom Handwerker bis zur Bürokauffrau. Außerdem bietet Tüv Rheinland Weiterbildungen an wie Qualitätsmanagement oder Transportlogistik: "Im Weiterbildungsbereich sind wir Marktführer", sagt Michael Schmidt, Marketingleiter des Geschäftsbereichs Bildung und Consulting.

Weitere Privatschulen öffnen

Ausgebaut werden auch die Aktivitäten im lukrativen Privatschulmarkt. Die Nachfrage von Eltern danach steigt stetig. Etwa fünf Mio. Euro des Gesamtvolumens fließen beim Tüv Rheinland in Privatschulen, die von Frühpädagogik bis zur Berufsqualifizierung reichen: Neben einer Fachoberschule für Technik und Gestaltung in Dresden gibt es auch allgemeinbildende Schulen, etwa eine private Grundschule in Görlitz oder eine Mittelschule in Leipzig. Aktivitäten, die in den kommenden Jahren noch verstärkt werden sollen: "Im Schulbereich stehen wir noch ganz am Anfang", sagt Stephan Scholz, Geschäftsführer des Tüv Rheinland Bildungswerkes. Schließlich ist es nicht so leicht, eine allgemeinbildende Schule ins Leben zu rufen. In vielen Bundesländern gibt es Hürden bei der Zulassung. Dazu kommen hohe Kosten: Rund 500 000 Euro fallen für eine Schulgründung an - eine staatliche Förderung gibt es erst, wenn die Schule nach drei Jahren anerkannt wird.

Der Besuch der Schule ist nicht ganz billig: 200 Euro Schulgeld müssen Eltern pro Monat zahlen. Dafür können sie von einem pädagogischen Konzept profitieren, das sie an staatlichen Schulen selten finden. Schließlich liegen die Schwerpunkte in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern - ein Fokus, der nicht ganz uneigennützig ist: "Wir wollen die Kinder für Technik begeistern und so auch den internen Nachwuchs an Fachkräften sichern", sagt Scholz. Allerdings: Allein mit dem Namen Tüv lassen sich Eltern nicht immer überzeugen. "Unser Name steht zwar bei vielen für Kontinuität und Verlässlichkeit", sagt Scholz, "doch manchen klingt das auch zu konservativ."

Neben dem Tüv hat sich auch der Prüfkonzern Dekra einen Namen im Bereich Bildung gemacht. Mit einem Umsatz zwischen 190 und 200 Mio. Euro gehört die Dekra ebenfalls zu den größten Bildungsanbietern Deutschlands. Zu den Angeboten zählt etwa die Dekra Akademie, die im Bereich der Aus- und Weiterbildung mehr als 120 000 Seminarteilnehmer verbuchen kann. Die Qualifizierung von Erwachsenen bildet das Kerngeschäft der Dekra im Bereich Bildung. Entstanden ist dieser Fokus, um die interne Weiterbildung der Prüfingenieure sicherzustellen: "Die Dekra Akademie ist nach wie vor auf Bildungsangebote für den Bereich Transport und Logistik spezialisiert", sagt Jörg Mannsperger, Geschäftsführer der Dekra Akademie. Im Laufe der Jahre seien zahlreiche andere Angebote hinzugekommen, beispielsweise Seminare für Wirtschaftsenglisch.

Den Erfolg der Dekra im Bereich der Bildung sieht Jörg Mannsperger in neuen Lernsystemen im Bereich des E-Learnings. Die Kursteilnehmer sitzen zwar in einem Klassenraum und können den Seminarleiter ansprechen, sie arbeiten aber am Computer an einem Programm, das auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist: "Diese Programme ermöglichen mehr Eigenverantwortung und Flexibilität", sagt Mannsperger.

Aktiv ist die Dekra auch im Hochschulbereich. Die Dekra Hochschule Berlin hat sich auf Ausbildungsmöglichkeiten in den Medien spezialisiert, darunter Medienmanagement und Fernsehen. In diesem Jahr wurde sie als Hochschule akkreditiert, an der Studenten einen Bachelor erwerben können.

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