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16.01.2009

16:48 Uhr

TUI

Hapag-Lloyd-Verkauf könnte scheitern

Nach langem Hin und Her hatte TUI sich endlich dazu durchgerungen, die Reederei Hapag-Lloyd zu verkaufen. Auch ein Käufer war gefunden. Jetzt machen Gerüchte über ein mögliches Scheitern des Verkaufs die Runde und schicken die TUI-Aktie auf Talfahrt. Vielleicht kann der Konzern den Deal doch noch retten.

Der Reisekonzern TUI will seine Reedereitochter Hapag Lloyd verkaufen. Foto: dpa. Quelle: dpa

Der Reisekonzern TUI will seine Reedereitochter Hapag Lloyd verkaufen. Foto: dpa.

HB LONDON. Der Verkauf der Containerreederei Hapag Lloyd wackelt. Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat angekündigt, aus dem Bankenkonsortium zur Finanzierung der Hapag-Lloyd-Schiffe auszusteigen. Insider betonen aber, dass der Verkauf der TUI-Schifffahrtstochter daran nicht scheitern wird. Das meldete die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Mit dem Kredit von 750 Millionen US-Dollar will Hapag-Lloyd ihrem bisherigen Mutterkonzern TUI 29 Containerschiffe abkaufen. Hapag-Lloyd soll in wenigen Wochen von der Bietergruppe "Albert Ballin" übernommen werden. Zu dem Konsortium gehören der Unternehmer Klaus-Michael Kühne, die Privatbank M.M. Warburg, die Hanse Merkur, die Signal Iduna, die HSH Nordbank und die Stadt Hamburg.

Der Anteil der RBS dürfte sich Insider-Schätzungen zufolge auf rund 100 Millionen Euro belaufen. Die RBS selbst wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Allerdings behalten sich Banken in Kreditverträgen meistens ein Sonderkündigungsrecht vor für den Fall, dass der Eigentümer des Kreditnehmers - hier also der Reederei - wechselt.

Wahrscheinlich sei, dass eine oder mehrere andere Banken die ausfallende Kreditsumme übernehmen, hieß es in den Kreisen. An dem Konsortium um die Bayerische Hypo- und Vereinsbank und die HSH Nordbank sind insgesamt sechs Banken beteiligt. Eine davon ist bislang die RBS, außerdem wollen die nun von der Commerzbank übernommene Dresdner Bank, die DekaBank und die KfW Ipex den Schiffskauf finanzieren.

Der Verkauf wird auch noch von anderer Seite bedroht. Nach Medienberichten fordert die Bietergruppe von TUI weitere Finanzmittel oder Sicherheiten für den laufenden Geschäftsbetrieb der Reederei, da Hapag Lloyd angesichts der Wirtschaftsflaute im vierten Quartal 2008 einen deutlichen Verlust einfahren dürfte.

Die Käufer versuchten die Gerüchte über ein mögliches Scheitern zu zerstreuen. „Das Hamburger Konsortium geht unverändert davon aus, dass alle diskutierten Fragen von den Vertragsparteien gemeinsam gelöst werden“, teilte die Bietergruppe mit. Naturgemäß gebe es zwischen Abschluss des Kaufvertrags und dem endgültigen Eigentumsübergang einen regelmäßigen Dialog zwischen den Vertragsparteien. Die Bietergruppe habe allerdings „unverändert die Absicht“, den Kaufvertrag zu erfüllen. Ein TUI-Sprecher sagte, auch der Konzern wolle den Verkauf von Hapag-Lloyd wie geplant Anfang 2009 zum Abschluss bringen. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte er sich nicht festlegen. Über den Kaufpreis verhandle TUI allerdings nicht, sagte er.

Ein Scheitern des Verkaufs hält nicht jeder Marktteilnehmer für die schlechteste Alternative. „Die direkten Konsequenzen für TUI sind nicht unbedingt negativ“, sagt Ulrich Horstmann, Analyst bei der Bayerischen Landesbank. „Die kurzfristigen Aussichten für den Logistikbereich sind zwar nicht besonders rosig, aber längerfristig dürfte er ein stabiles Geschäftsfeld sein.“

Spekulationen über Probleme beim Verkauf haben die TUI-Aktie am Freitag auf Talfahrt geschickt. Trotz der Dementis seites der Bieter stürzte die Aktie bis zum späten Nachmittag um 8,45 Prozent auf 6,61 Euro ab und erreichte damit einen neuen Tiefststand. Den bisher niedrigsten Kurs verzeichnete die TUI-Aktie im März 2003, als das Papier für 7,04 Euro gehandelt wurde.

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