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22.03.2014

12:47 Uhr

TV-Hersteller gerettet

Münchener Investor übernimmt Loewe

Nach einem halben Jahr des Bangens ist der traditionsreiche TV-Hersteller Loewe erlöst. Der Münchener Investor Stargate Capital spielt den Retter in der Not. Doch für einige Mitarbeiter bedeutet es das Aus.

Ein Mitarbeiter geht in der Produktion in der Loewe-Firmenzentrale im oberfränkischen Kronach an einem «Loewe Individual»-Flachbildfernseher vorbei, auf dem ein Testbild angezeigt wird. dpa

Ein Mitarbeiter geht in der Produktion in der Loewe-Firmenzentrale im oberfränkischen Kronach an einem «Loewe Individual»-Flachbildfernseher vorbei, auf dem ein Testbild angezeigt wird.

KronachNach langem Bangen hat der traditionsreiche Fernsehgerätehersteller Loewe einen Investor gefunden und hofft nun auf eine bessere Zukunft. Das Münchner Finanzunternehmen Stargate Capital übernimmt das oberfränkische Traditionsunternehmen, hieß es in einer am Freitagabend veröffentlichten Mitteilung. „Wir sind sehr froh, dass es nach den Turbulenzen der letzten Wochen gelungen ist, einen starken Partner für Loewe zu finden“, erklärte Vorstandschef Matthias Harsch. „Loewe kann nun endlich neu durchstarten.“

Ein notarieller Kaufvertrag über den gesamten Geschäftsbetrieb sei bereits von beiden Seiten unterzeichnet worden, hieß es. Der neue Eigentümer führe den Geschäftsbetrieb am Standort Kronach einschließlich der Produktion fort. Zudem übernimmt Stargate Capital auch die internationalen Tochtergesellschaften. Von den aktuell rund 525 Mitarbeitern dürfen jedoch nur 430 bleiben. Von der Börse will sich Loewe verabschieden.

Durch die Übernahme von Stargate Capital blieben mehr Arbeitsplätze erhalten, als es bei den Erwerberkonzepten aller anderen Kaufinteressenten vorgesehen war, betonte Loewe-Finanzvorstand Rolf Rickmeyer. Die 95 Mitarbeiter, die nach dem Einstieg des Investors nicht übernommen werden sollen, stammen vor allem aus der Produktion und sollen bis Ende September weiterbeschäftigt werden. Von Oktober an sollen sie dann in eine Transfergesellschaft wechseln können. „Dass nicht alle Arbeitsplätze gerettet werden können, bedauere ich umso mehr, als es nicht zuletzt das Verdienst der Mitarbeiter ist, dass Loewe diese schwere Zeit überstehen konnte“, sagte Rickmeyer.

Deutsche TV-Hersteller

Blaupunkt

Das 1923 gegründete Unternehmen Blaupunkt produziert überwiegend Autoradios und Zubehör, stellt aber auch Fernseher her. Ursprünglich bot die Firma Kopfhörer an, die mit einem blauen Punkt als Prüfsiegel gekennzeichnet wurden. Aus dem Qualitätssymbol wurde bald das Markenzeichen Blaupunkt. Heute beschäftigt der Konzern mit Sitz in Hildesheim die meisten seiner Mitarbeiter in Malaysia.

Grundig

Der Konzern wurde 1930 in Fürth gegründet und stieg wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Rundfunkgerätehersteller Europas auf. Als der Umsatz von Grundig zu Beginn der 1980er Jahre erstmals einbrach, stieg der Elektrokonzern Philips ein. Trotz Umsätze in Milliardenhöhe musste das Unternehmen 2003 Insolvenz anmelden. Der türkische Koc-Konzern bewahrte Grundig schließlich vor der Pleite.

Metz

Die Metz-Werke haben ihre Ursprünge ebenfalls im bayrischen Fürth. 1955 begann das Unternehmen Fernseher zu produzieren und konnte nach der Jahrtausendwende bei der rasanten Entwicklung von Plasma- und LCD-Geräten Schritt halten. 2008 feierten die Metz-Werke das 70. Jubiläum und produzieren ihre Fernseher noch immer in Zirndorf im Landkreis Fürth.

SABA

Die Wurzeln des Unternehmens gehen auf eine Uhrenfabrik zurück, die 1835 im Schwarzwald gegründet wurde. Ursprünglich auf Radioteile spezialisiert, begannen die Süddeutschen Tonbandgeräte und Rundfunkempfänger herzustellen. 1980 wurde die Firma an den französischen Thomson-Konzern verkauft und in TTE Germany umbenannt. Die Nachfolgefirma ging 2008 Pleite.

TechniSat

TechniSat gibt es seit 1987 und zählt damit zu den jüngeren deutschen TV-Herstellern. 2005 erhielt das Unternehmen Sendelizenzen für mehrere Radiokanäle und stellt seitdem auch Fernseher mit integrierten Digitalempfängern her. Geräte von TechniSat werden in zwei deutschen Standorten, in Polen und Ungarn produziert.

Seit einem Jahr war Loewe inständig auf der Suche nach einem Retter. Im Frühjahr 2013 schockte der Hersteller von Premium-TVs mit der Nachricht, dass die Hälfte des Grundkapitals bald aufgezehrt sei. Im Herbst folgte der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Mitte Januar dieses Jahres schien es so, als sei mit dem Investor Panthera bereits ein Retter gefunden. Doch vor einem Monat trat die private Investorengruppe völlig überraschend vom Kaufvertrag zurück.

Nach dieser erneuten Hiobsbotschaft für die bei Loewe verbliebenen Mitarbeiter trat Stargate Capital auf den Plan. Das Finanzunternehmen aus München ist auf Investments in mittelständische Unternehmen spezialisiert. „Mit Stargate Capital haben wir vor allem einen Investor gefunden, der eine langfristige Strategie verfolgt mit dem Ziel, Loewe wieder zu alter Stärke zurückzuführen“, erklärte Vorstandschef Harsch.

Über den genauen Kaufpreis schwiegen beide Seiten. Er liege „im oberen einstelligen Millionenbereich“, hieß es lediglich. In den kommenden Jahren seien Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich geplant.

Von

dpa

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