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29.04.2014

07:42 Uhr

TV-Kritik Wallraff bei Burger King

„Das darf nicht sein, das darf nicht sein“

VonTimo Steppat

Günter Wallraff und seine „Undercover Reporter“ waren bei Burger King. Die Arbeitsbedingungen bei dem Fast-Food-Riesen sind zum Teil fragwürdig – besonders bei der Hygiene.

Burger King steht nach einer Undercover-Reportage in der Kritik. Der Fast-Food-Riese soll Hygiene massiv vernachlässigen. dapd

Burger King steht nach einer Undercover-Reportage in der Kritik. Der Fast-Food-Riese soll Hygiene massiv vernachlässigen.

DüsseldorfEin schwarzer Raum, ein Mann mit Lederjacke steht im Lichtkegel mit dem Rücken zum Publikum. Wie Darth Vader dreht er sich um und geht einen Schritt auf die Kamera zu. Aufgepasst, der Schrecken aller Lohndrücker und Ausbeuter kommt. Günter Wallraff ist zurück.

Gewohnt martialisch inszeniert RTL den Enthüllungsjournalisten und seine „Undercover Reporter“ - drei schemenhafte Figuren, die hinter dem Altmeister der verdeckten Recherche im Hintergrund bleiben. Vor zwei Wochen zeigte RTL bereits die Recherchen beim Versandhändler Zalando und löste damit einen Sturm des Protests aus. Jetzt beginnt die eigentliche dreiteilige Undercover-Reihe beim Privatsender als einstündiges Format. Als erstes nimmt Wallraff gemeinsam mit dem Reporter Alexander Römer Burger King unter die Lupe.

Römer verwandelt sich am Anfang vom Hornbrille tragenden Journalisten mit grauem Pullunder in einen bärtigen Mitarbeiter von Burger King mit goldumrandeter Brille. In insgesamt fünf Filialen arbeiten er und ein Aussteiger des Fast-Food-Riesen mit versteckter Kamera. Im Mittelpunkt des Films stehen massive hygienische Verstöße in den Küchen von Burger King.

Dabei lässt die versteckte Kamera manches dramatischer erscheinen, als es vielleicht ist. Der Blick ins volle Waschbecken etwa, in dem Salatreste schwimmen, ist wenig appetitlich, aber Alltag in einer Großküche. Dazu kommt die Empörung des Reporters, dass es keine Spülmaschine gibt. In einer anderen Szene findet eine Burger-King-Mitarbeiterin ein Haar auf dem Fleischstück, zupft es weg und packt den Bratklops, als wäre nichts gewesen, zwischen das Burgerbrot. Das ist nicht schön und auch nicht in Ordnung, aber wenig überraschend.

Die wertvollsten Fast-Food-Marken

Methodik

Einmal jährlich berechnet das US-Marktforschungsinstitut Millward Brown den Markenwert der wertvollsten Fast-Food-Ketten der Welt. Handelsblatt Online zeigt, welche Marken besonders gut abschneiden. (Stand: Mai 2013)

Platz 10

Taco Bell - Markenwert: 1,99 Milliarden Dollar

Die berühmte Burrito-Kette verkauft ihre mexikanischen Spezialitäten vor allem in den USA. Zwei Millionen Kunden und 5800 Filialen machen die Möchtegern-Mexikaner zu dem Umsatztreibern des Fast-Food-Riesens Yum!-Brands.

Platz 9

Burger King - Markenwert: 2,44 Milliarden Dollar

Was die Größe betrifft sind die Erfinder des Whoppers der größte McDonalds-Konkurrent. Beim Markenwert spielt die Burgerkette trotz 12.700 Filialen in 73 Ländern weltweit aber in einer anderen Liga.

Platz 8

Panera - Markenwert: 3,03 Milliarden Dollar

Die Backshop-Kette ist neu in den Top 10. Dort gibt es Brötchen, aber auch kleine Speisen wie Suppen. Die Kette hat mehr als 1700 Filialen in den USA und Kanada.

Platz 7

Tim Hortons - Markenwert: 3,38 Milliarden Dollar

Durch rasantes Wachstum hat die kanadische Kette in ihrem Heimatland sogar McDonald's überholt. In den 3300 Filialen werden besonders Kaffee und Donuts verkauft.

Platz 6

Chipotle - Markenwert: 4,97 Milliarden Dollar

Burritos und Tacos sind die Klassiker bei der US-Kette, die mexikanisches Essen serviert. Das Unternehmen wurde vor 20 Jahren gegründet und gehörte zwischendurch ein paar Jahre zu McDonald's.

Platz 5

Pizza Hut - Markenwert: 6,01 Milliarden Dollar

Die 12.000 Filialen der weltgrößten Pizzakette gehören ebenfalls zum Yum!-Imperium. Statt mit der klassischen italienischen Pizza feiert die Kette vor allem mit Pan-Pizzen Erfolge, die in der Pfanne serviert werden.

Platz 4

Kentucky Fried Chicken (KFC) - Markenwert: 9,95 Milliarden Dollar

Noch heute lächelt KFC-Gründer Colonel Harland Sanders von jedem Eimer mit Hähnchenflügeln, der über die Ladentheke geht. Die Kette, die ebenfalls zu Yum! gehört, steht seit mehreren Jahren in der Kritik von Tierschützern.

Platz 3

Subway - Markenwert: 16,69 Milliarden Dollar

Während Subway in den USA als beliebter Franchisepartner gilt, gingen der Sandwich-Kette in Deutschland reihenweise die Franchisenehmer von der Stange. Im Markenwert werden die US-Brötchengeber aber nur von zwei Konzernen geschlagen.

Platz 2

Starbucks - Markenwert: 17,89 Milliarden Dollar

Die Zeit des rasanten Wachstums ist vorbei. Die US-Kaffeekette wächst, aber die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren in der Bilanz. Im Markenwert ist trotzdem keine Kaffeekette besser – und Starbucks hat im Vorjahresvergleich stark zugelegt.

Platz 1

McDonald's - Markenwert: 90,26 Milliarden Dollar

Das goldene M, Heimat von Big Mac und Chicken McNuggets, ist beim Markenwert einsam an der Spitze. Mit 34.000 Filialen in 118 Ländern gibt es kaum einen Winkel der Welt, in dem der Fast-Food-Riese nicht aktiv ist.

Viel erschreckender ist das System, das hinter den kleinen Ekel-Sequenzen steckt. Immer wieder kehrt die Einstellung auf die Theke mit geschnittenem Gemüse zurück, an der die Burger zusammengelegt werden. Maximal vier Stunden dürfen Salat und Tomaten bei Raumtemperatur lagern, dann müssen sie verbraucht sein oder gehören in den Müll. Kurz bevor die Zeit abgelaufen ist, die Schalen sind noch halb gefüllt, kommt ein Mitarbeiter mit der Etikettiermaschine und verlängert die Haltbarkeit um weitere vier Stunden.

Alles muss seine Ordnung haben, falls die Lebensmittelaufsicht kommt. Liegt das Fleisch länger als vorgeschrieben in den Warmhalteboxen oberhalb des Gemüses, blinkt ein rotes Licht auf. Jetzt muss es eigentlich weggeworfen werden. Eine Mitarbeiterin schüttet kurz die Flüssigkeit weg, die aus den Hühnchenteilen geflossen ist und sagt dabei langgezogen „ekelig“. Anschließend drückt sie einen Knopf, das rote Blinken verschwindet und die Burgerpattys können weiterverwendet werden.

Der Film findet für diese Praxis schnell einen Schuldigen. Es ist der Franchise-Unternehmer Ergün Yildiz, dem insgesamt 91 Burger-King-Filialen deutschlandweit gehören. Seine Vorgabe: Nichts kommt in den Müll. Damit die Zahlen stimmen, dürfen pro Filiale maximal Lebensmittel im Wert von zehn Euro pro Tag entsorgt werden. Alles andere muss in den Verkauf. Die Vorgaben der Geschäftsführung zwingen die Mitarbeiter dazu, Abgelaufenes umzuetikettieren, wird argumentiert.

Kommentare (16)

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29.04.2014, 09:22 Uhr

Man muß sich nur vergegenwärtigen, welches Gesamtkonzept hinter dieser Verabreichung von Lebensmitteln steckt... ...und wie viele (teilweise nur angelernte) Kräfte (zumeist Aushilfskräfte) in dieser Kette beschäftigt werden, dann kann es bei diesen Preisen logischerweise kaum mehr Qualität und Sauberkeit geben... Ich selbst kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich meinen letzten Burger überhaupt gegessen habe...

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29.04.2014, 09:29 Uhr

Es ist zeit, dass die Zentrale Erol Yildiz das Handwerk legt. Ich war früher gerne beim King, gehe jetzt aber nicht mehr hin, weil ich schon früher von den Ausbeutermethoden des Mannes gehört hatte.

Account gelöscht!

29.04.2014, 09:46 Uhr

Seit wieviele Jahrzehnten kennen wir die Berichte über die Machenschaften von Fastfoodketten nun?
Und immer noch stürmen die Leute wie bekloppt in diese Fiialen.Man braucht nur die Fotos der Produkte mit dem zu vergleichen,was man auf´s Tablett bekommt,damit einem klar sein müsste,dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.Hier bekommt jeder Gourmet,was er verdient.

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