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03.04.2013

07:14 Uhr

TV-Kritik

Wer ist besser, Aldi oder Lidl?

VonJakob Struller

Es ist das große Ringen um die kleinen Preise. Mit mehr als 7600 Filialen kämpfen Deutschlands größte Discounter Aldi und Lidl um die Gunst der Kunden. Das ZDF wollte es genauer wissen und lud die Discounter zum Duell.

In Deutschland ringen Aldi und Lidl mit kleinen Preisen um die Gunst der Kunden. ap

In Deutschland ringen Aldi und Lidl mit kleinen Preisen um die Gunst der Kunden.

KölnDie Batterien von Lidl lassen einen „handelsüblichen Spielzeughund“ fast viereinhalb Stunden fiepsen und zappeln. Die Batterien von Aldi schaffen nur eine halbe Stunde weniger. Und das beim gleichen Preis von 1,69 Euro für acht Stück. Das ist eines der dünnen Ergebnisse des Films „Aldi gegen Lidl – Das Duell“, der am Dienstag im ZDF die zwei größten deutschen Discounter verglich.

Nachdem die ARD mit dem „Marken-Check“ Quoten-Erfolge feierte, sendete auch das ZDF zur besten Sendezeit eine Reportage mit Einkaufs-Tipps. In Kategorien wie „Preis“, „Werkzeug“ oder „Strategie“ wurden die Supermarktketten bewertet. Mit dem Ziel, am Ende den König der Discounter zu küren. Allzu differenziert wurde dann aber doch nicht bewertet: Die Kategorie „Batterien“ hatte genauso viel Gewicht wie „Geschmack“, „Mode“ und alle anderen.

Studie: Die Marke Aldi verliert an Glanz

Studie

Die Marke Aldi verliert an Glanz

Der härteste Konkurrent bleibt auf Abstand, holt aber auf.

Mit dem Plüschhund-Batterie-Test egalisierte Lidl nach zehn Sendeminuten den „Vorsprung“, den Aldi sich zuvor in der Rubrik „Preis“ erkämpft hatte. Der Warenkorb des statistischen Bundesamtes für eine vierköpfige Familie kostet bei Lidl fast 160 Euro. Bei Aldi waren die rund 100 Artikel für 130 Euro zu haben. Der Grund: der unterschiedliche Umgang mit Markenartikeln. Während einige Basis-Artikel wie Milch (54 Cent), Margarine (95 Cent) oder WC-Reiniger (75 Cent) bei beiden gleich viel kosteten, hat Lidl im Gegensatz zu Aldi nicht nur die Hausmarke sondern auch mehr teurere Produkte von Markenherstellern im Regal.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

So griffen die Lidl-Testkäufer zum doppelt so teuren Toast, zum Marken-Orangensaft und zum Fernsehwerbungs-Senf und bezahlten dafür insgesamt fast 30 Euro mehr. Ob das nur daran lag, dass die Testfamilie Ziemke, die für den Film bei Lidl testkaufte, gerne Markenartikel in den Wagen lädt, oder ob Lidl einfach keine günstigen Alternativen bietet, blieb offen. Zwei Testfamilien, die das Experiment „total spannend“ fanden, kauften für den Film jeweils zwei Wochen ausschließlich bei Lidl beziehungsweise Aldi ein – nach 14 Tagen wurde gewechselt.

Hilfreicher als die Erkenntnis, dass es bei Lidl auch einige Markenartikel gibt, war für viele Zuschauer wohl, dass Hausmarken-Produkte oft von den gleichen Firmen stammen wie Markenprodukte. Das ist zwar nicht wirklich neu, aber aufschlussreich. Martina Schneider erklärte, welche No-Name-Artikel von welchem Hersteller stammen. Das hatte sie für ihr Buch „Welche Marke steckt dahinter“ recherchiert.

Sowohl die Aldi- als auch die Lidl-Doppelkekse stammen von der Firma Griesson – de Beukelaer, sagt Schneider. Und die sind immerhin 70 Cent günstiger als das Markenprodukt desselben Herstellers. Ähnlich sei das bei Danones „Fruchtzwergen“, beim Aldi-Sekt (kommt von Freixenet) und vielen anderen Artikeln.

Kommentare (25)

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vauzet

03.04.2013, 09:19 Uhr

Wieder ein typisches Beispiel für die Geldverschwendung aus "GEZ"-Mitteln bei den "Öffentlich Rechtlichen". Mich würde interessieren, wie viel die Heimwerkerstory gekostet hat - dafür hätte man hier in D ein paar neutrale und objektive Tests machen können. Das war aber offensichtlich gar nicht gewünscht.

johannes1234

03.04.2013, 09:34 Uhr

Das ZDF sollte mal zeigen wie die Arbeitsbedingungen bei diesen Unternehmen sind oder wie die Lieferanten ausgepresst werden, nur damit sie die Ware noch billiger verkaufen können. Da muss sich der Kunde nicht wundern, wenn er total minderwertige Produkte bekommt. - Ich hatte mich auch mal bei LIDL als Trainee beworben. Der Onlinefragebogen hat einem Einstellungstest bei der STASI geglichen. Dinge, die einen AG überhaupt nichts angehen (politische Gesinnung, haben sie eine Ausbeutermentalität? etc.) - Also jeder sollte diese Unt. meiden. Das ist der Schluss aus diesem "Vergleich".

svebes

03.04.2013, 09:51 Uhr

Wir hatten uns etwas erhofft und doch nur Zeit verplempert. Geiz ist geil Menschen, keine objektive Analyse der Qualitäten, kein Hinweis auf Qualfleisch, oder ob es chemisch verseuchte Krabben aus asiatischer "Binnenfischerei" sind, etc. Ein hohes Lied auf die Wegwerfkonsumyenten bis zum Werkzeug. Kein Vergleich wie lange hält Qualität und wie sicher ist diese im Gegensatz zu diesen Chinawerkzeugzeugen. Kaum Kritik an den Herstellungmethoden. Da merkt man wie blöd wohl mittlereile die Zielgruppe ist und wie flach die Vorgaben an die Produzenten.

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