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05.11.2014

17:11 Uhr

#Twitfahrzentrale

Die schöne Seite des Streiks

VonNils Jacobsen
Quelle:Meedia.de

Von heute an wird gestreikt, richtig los geht es für Bahnfahrer jedoch erst morgen. Das Ärgernis hat auch seine positiven Seiten: Menschen auf Twitter helfen sich gegenseitig und verabreden sich zum gemeinsame Fahren.

Eine Anzeige weist am Mittwoch im Kölner Hauptbahnhof auf Streikmaßnahmen hin. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat für die kommenden vier Tage Streiks angekündigt. dpa

Eine Anzeige weist am Mittwoch im Kölner Hauptbahnhof auf Streikmaßnahmen hin. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat für die kommenden vier Tage Streiks angekündigt.

Die Lokführergewerkschaft GDL lässt die Muskeln spielen und legt morgen ab 2 Uhr den Personenverkehr der Deutschen Bahn lahm. Auf Twitter formieren sich daher Fahrgemeinschaften: Der 140-Zeichen-Dienste wird kurzerhand zur #Twitfahrzentrale.

98 Stunden geht nichts oder sehr wenig auf Deutschlands Gleisen: Ab Donnerstag dürfte mancher wegen des großen Bahnstreiks Probleme bekommen, sein Ziel zu erreichen. Was tun also? Fernbusse sind eine Möglichkeit – doch sind inzwischen entweder überbucht oder die Tickets überteuert.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Doch es gibt noch eine andere, kostenlose Option, die sich seit Jahrzehnten bewährt hat: Das Prinzip der Mitfahrzentrale. Im Social Media-Zeitalter wird daraus das Hashtag #Twitfahrzentrale, unter dem sich Nutzer selbst helfen, den längsten Streik der Bahn-Geschichte mit Mitfahrgelegenheiten im Auto zu umgehen. Schon nach wenigen Stunden wurden hunderte von Angeboten – und natürlich wieder mancher Kalauer auf dem 140 Zeichen-Dienst gewittert:


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