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21.11.2014

17:36 Uhr

Uber

Fahrdienst holt sich Hilfe von Datenschutzteam

Emil Michael, Vize-Chef von Uber, dachte darüber nach, missliebige Journalisten auszuspähen. Seitdem das bekannt wurde, befürchten Kritiker, dass der US-Fahrdienst auch Kunden ausspioniert. Nun reagiert das Unternehmen.

Uber bietet Fahrdienste an und greift dabei auf private Fahrer und deren Autos zurück. dpa

Uber bietet Fahrdienste an und greift dabei auf private Fahrer und deren Autos zurück.

San FranciscoDer US-Fahrdienstanbieter Uber ist nach Drohungen von Vize-Chef Emil Michael, missliebige Journalisten auszuspionieren, um Schadensbegrenzung bemüht. Uber habe ein „Datenschutzteam“ eingestellt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Es solle prüfen, wie Uber mit Informationen über seine Kunden umgehe und nötigenfalls den Datenschutz verbessern. Nach den Äußerungen Michaels waren Befürchtungen laut geworden, Uber könne nicht nur Journalisten, sondern auch seine Kunden ausspionieren.

„Unser Geschäft ist abhängig vom Vertrauen von Millionen Kunden und Fahrern, die Uber nutzen“, teilte das Unternehmen mit. Die zurückgelegten Fahrwege seien eine „wichtige Information“ – „und wir verstehen, dass wir damit sorgfältig und mit Respekt umgehen und sie vor Unbefugten schützen müssen“. Das Team soll die Datenschutzexpertin Harriet Pearson von der Anwaltskanzlei Hogan Lovells leiten.

Vize-Chef Emil Michael hatte sich bei einer Party in New York beklagt, dass Journalisten kritisch über Uber berichteten und laut darüber nachgedacht, auf solche Journalisten ein Team anzusetzen, das deren Privatleben durchleuchtet. So würden sie einen Schluck ihrer eigenen Medizin bekommen. Inzwischen entschuldigte sich Michael auf dem Online-Kurznachrichtendienst Twitter.

Uber-Chef Travis Kalanick distanzierte sich am Donnerstag auf Twitter von seinem Vize. Michaels Kommentare seien „furchtbar“, er spreche nicht für das Unternehmen. Die Äußerungen zeigten einen Mangel an Führungskraft und an Menschlichkeit, damit habe er sich von den „Werten und Idealen“ der Firma entfernt.

Der Streit um Uber

Vermittlung gegen Provision

Uber vermittelt über seine Smartphone-App Uber Pop zwischen Fahrern und Gästen – dafür kassiert das Unternehmen eine Provision, die in der Regel 20 Prozent des Fahrpreises beträgt.

Konkurrenz für Taxifahrer

Der Fahrdienst macht der Taxi-Branche Konkurrenz. Er expandiert aggressiv, in Deutschland bedient er große Städte wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Das Unternehmen hat seit der Gründung 2009 rund 3,9 Milliarden Dollar Kapital erhalten, unter anderem von Google und Goldman Sachs.

Streit um offizielle Papiere

Streit gibt es vor allem um den Dienst Uber Pop, über den private Autobesitzer Fahrdienste anbieten (über Uber Black bekommen Nutzer Mietwagen mit Fahrer). In Deutschland haben mehrere Gerichte das Angebot zwischenzeitlich verboten. Viele Chauffeure haben keinen Personenbeförderungsschein – den brauchen sie aber, um auf gewerblicher Basis Fahrgäste befördern zu dürfen.

Nur eine Mitfahrzentrale?

Uber stuft die Fahrten als Mitfahrgelegenheiten ein: Wer als privater Fahrer andere mitnimmt und dafür Spritgeld nimmt, benötigt auch keinen Personenbeförderungsschein. Allerdings empfiehlt das Unternehmen einen Preis, der über den Betriebskosten liegen dürfte – damit bewertet das Personenbeförderungsgesetz die Fahrt als gewerblich.

„Rahmenbedingungen anpassen“

Uber ist sich der gesetzlichen Beschränkungen offenbar bewusst – das Unternehmen fordert immer wieder, die rechtlichen Rahmenbedingungen an neue Fahrdienste anzupassen.

Berichtet über den Ausfall Michaels hatte die Website Buzzfeed. Nach ihren Angaben haben Führungskräfte bei Uber auch Zugriff auf ein Programm namens „Gottes Auge“, das anzeigt, wo Fahrer und Mitfahrer sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt befinden. Der US-Senator Al Franken, der dem Unterausschuss für Datenschutz in der Kongresskammer vorsitzt, verlangte in einem Brief an Kalanick eine Klarstellung zu Michaels Äußerungen und dem Einsatz von „Gottes Auge“.

Uber wurde 2009 in den USA gegründet. Per Smartphone bietet es Fahrdienste an, dabei greift Uber auf private Fahrer und deren Autos zurück. Vor allem dieses Angebot ist in vielen Ländern umstritten und stößt auf den erbitterten Widerstand etablierter Taxiunternehmen.

Von

afp

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