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21.04.2015

09:26 Uhr

Überhöhte Preise bei Südzucker & Co.

Der Zuckerindustrie droht eine Klagewelle

Wegen überhöhter Preise droht der Zuckerindustrie in Deutschland eine Klagewelle. Bonbonhersteller Vivil fordert 1,3 Millionen Euro vom Zuckerhersteller Südzucker. Weitere Klagen liegen auf dem Tisch.

Zuckerhersteller blicken in eine ungewisse Zukunft. Die Preise des Rohstoffs sind schwach, zudem droht eine Klagewelle. dpa

Zuckerhersteller

Zuckerhersteller blicken in eine ungewisse Zukunft. Die Preise des Rohstoffs sind schwach, zudem droht eine Klagewelle.

MannheimEs ist keine leichte Zeit für die großen Zuckerhersteller: Der niedrige Preis des Rohstoffs belastet ihre Bilanz, die auslaufende Zuckermarktordnung lässt sie in eine ungewisse Zukunft blicken – und nun droht auch noch eine Klagewelle wegen überhöhter Preise. Am 3. Juli zieht zunächst Bonbonhersteller Vivil vor das Mannheimer Landgericht.

Er befürchtet, zu viel für Zucker gezahlt zu haben und verlangt von Europas größtem Zuckerhersteller Südzucker 1,3 Millionen Euro Schadenersatz. Es könnte zu noch mehr Prozessen kommen. Allein Südzucker hat nach Angaben eines Sprechers drei Klagen in dieser Sache auf dem Tisch, Details will er nicht nennen. Nordzucker sowie Pfeifer & Langen (Diamant-Zucker) wollen sich nicht dazu äußern, ob auch sie mit Klagen konfrontiert sind.

Zucker – der süße Energielieferant

Kohlenhydrat

Zucker ist ein Kohlenhydrat und hat einen hohen Kaloriengehalt. Der Energielieferant kommt in der Natur in verschiedenen Formen vor.

Quelle: dpa/zentrum-der-gesundheit.de

Haushaltszucker

Der Haushaltszucker (Saccarose) wird hauptsächlich aus Zuckerrohr und wie in Deutschland aus Zuckerrüben gewonnen.

Zucker hat viele Namen (1)

Es gibt verschiedene Sorten wie Kristallzucker, Puderzucker, Würfelzucker oder Kandis. In westlichen Gesellschaften ist der Konsum von raffiniertem Zucker zur täglichen Sucht geworden.

Zucker hat viele Namen (2)

Der Zuckergehalt eines Produktes wird häufig absichtlich vor dem Konsumenten „versteckt“. In der Zutatenliste des Etiketts wird der Zucker nämlich nicht unbedingt auch als solcher deklariert. Da steht vielleicht Saccharose oder Glukosesirup (als billiger Ersatz für Haushaltszucker, der nicht minder gefährlich ist).

Zucker hat viele Namen (3)

Oft enthalten Produkte auch reinen Traubenzucker (Glucose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose) oder Malzzucker (Maltose). Bei all diesen Zuckerarten handelt es sich um raffinierte Industriezucker – ganz egal, ob sie nun aus der Milch oder aus Früchten gewonnen wurden.

Fruchtzucker

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, klingt gesünder, hat aber keinen geringeren Energiegehalt als Kristallzucker. So müssen Diabetiker den Fruchtzucker wie normalen Zucker berechnen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass ein Übermaß an Fruktose in der Ernährung die Entwicklung von Fettleibigkeit begünstigt.

Künstliche Süßstoffe

Aspartam ist ein bekannter Süßstoff, der synthetisch hergestellt wird. Er ist in Softdrinks und Kaugummi weit verbreitet. Es gibt immer wieder Debatten, ob künstliche Süßstoffe gesundheitsgefährdend sind. Aspartam wurde in Deutschland 1990 zugelassen, die erlaubte Tagesdosis beträgt 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Natürliche Süßstoffe (Stevia)

Das zerkleinerte Stevia-Blatt ist 30-mal süßer als Kristallzucker. Wird der Süßstoff aus dem Blatt isoliert, erhält man den Süßstoff Steviosid, der 250- bis 300-mal süßer als Zucker ist. Ein weiterer Stoff, der aus der Pflanze gewonnen werden kann, ist das Rebaudiosid-A – 300- bis 450-mal süßer als Zucker.

Gesundheitsrisiko

Heute wird darüber diskutiert, ob Zucker ein Gesundheitsrisiko ist. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker ist in Deutschland und den USA mit mehr als 30 Kilogramm jährlich ähnlich hoch.

Maissirup

Die Amerikaner konsumieren aber mehr Maissirup, der häufig in Softdrinks verwendet wird. Er trägt möglicherweise zu Fettleibigkeit und einigen Erkrankungen bei.

Andere Unternehmen prüfen ebenfalls Klagen, etwa der Aachener Süßwarenhersteller Lambertz. „Wir haben Akteneinsicht beim Kartellamt beantragt und werden demnächst unsere Entscheidung treffen“, erklärt ein Unternehmenssprecher.

Der Hintergrund: Im Jahr 2009 waren Wettbewerbswächter eher zufällig auf die Spur eines Kartells in der Branche gestoßen, als sie ein Fusionsvorhaben prüften. Aus Sicht des Bundeskartellamts haben sich Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen über Jahre hinweg über Verkaufsgebiete, Quoten und Preise abgesprochen. Die Behörde brummte Südzucker mit 195,5 Millionen Euro die höchste Einzelstrafe auf.

Zuckerkartell: Bitterer Nachgeschmack

Zuckerkartell

Premium Bitterer Nachgeschmack

Deutschen Zuckerherstellern droht eine beispiellose Schadensersatzklage. Süßwarenindustrie und Einzelhändler sehen sich durch die illegalen Preisabsprachen der Produzenten um Milliardenbeträge betrogen.

„Das interessiert natürlich die Firmen und Abnehmer der betroffenen Zuckerhersteller, da sie nunmehr geltend machen, einen Schaden aufgrund überhöhter Preise erlitten zu haben“, sagt der Hamburger Kartellrechtsexperte Bernd Fleischer von der Kanzlei Rose & Partner. Es dürfte aus seiner Sicht allerdings schwierig werden, den konkreten Schaden nachzuweisen und zu beziffern. Immerhin müssten die Unternehmen aber nicht mehr den Kartellverstoß an sich nachweisen.

Kommentare (1)

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Herr Paul Rimmele

21.04.2015, 10:00 Uhr

Die Zuckerhersteller sollten sich an die in der Vergangenheit bereits regulierte Milchindustrie
anschauen. Auch da gabs Quoten und Subventionen ohne Ende.
Den Rübenverarbeitern stehen harte Zeiten ins Haus, ohne Zweifel; aber das ist doch schon
seit langem bekannt.
Es gibt - wie immer- mehrere Möglichkeiten um die Probleme zu lösen:

1. Wenn die notwendingen Erträge nicht von außen kommen, dann muss man innen was tun,
d.h. Verwaltungsstrukturen überarbeiten und "Wasserköpfe" abbauen, das Gehaltsgefüge
der Vorstandschaft und die Struktur derselben und der leitenden Angestellten durchleuchten.

2. Die Zahlungen an die Erzeuger müssen neu geregelt werden. Das war auch in der
Milchwirtschaft so; die Bauern werden kürzer treten müssen.

3. Neue Geschäftsfelder und Absatzmärkte erschließen. Auch die Milchindustrie musste
vom "verdampfen" der Milch (Milchpulver) weg und marktkonforme Produkte kreieren.
Mittlerweile werden Milchproudukte auch in Asien verkauft, zu guten Preisen.

Also Zuckerindustrie, weg vom verkrusteten Habitus und was bewegen, die Zeiten werden
härter.

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