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21.12.2012

14:29 Uhr

Übernahme

GE zahlt Milliarden für Luftfahrt-Sparte von Avio

Der amerikanische Konzern will die Luftfahrt-Sparte des italienischen Triebwerkeherstellers Avio übernehmen. Für die Sparte zahlt GE achteinhalb mal so viel, wie die Sparte 2012 voraussichtlich überhaupt erwirtschaften wird.

Jeff Immelt und sein Konzern General Electric wollen die Luftfahrt-Sparte des italienischen Konzerns Avio übernehmen. Reuters

Jeff Immelt und sein Konzern General Electric wollen die Luftfahrt-Sparte des italienischen Konzerns Avio übernehmen.

Mailand Der US-Mischkonzern General Electric stärkt seine Flugzeug-Triebwerkesparte mit dem Kauf des Luftfahrt-Geschäfts der italienischen Avio. GE werde die Luftfahrt-Sparte von Avio für 4,3 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) kaufen, teilte das US-Unternehmen am Freitag in Mailand mit. GE ist damit bereit, achteinhalb mal mehr zu zahlen, als die Avio-Sparte in diesem Jahr voraussichtlich vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen überhaupt erwirtschaften wird. Für den US-Konzern sollte sich der Kauf trotzdem rechnen: Seit Jahren ist Avio Zulieferer für einige der beliebtesten Produkte aus der GE-Luftfahrtsparte. Die Italiener beliefern mit 5300 Mitarbeitern derzeit neben GE, die für etwa die Hälfte der Erlöse stehen, auch Rolls Royce und stellen Motorenteile für den Eurofighter Typhoon her.

Damit will der Siemens-Rivale seine Lieferkette verbessern. Die Amerikaner bauen unter anderem Triebwerke für Airbus und Boeing und müssen eine stetig steigende Nachfrage bedienen.

Die Stärken und Schwächen von General Electric

GE hat turbulente Jahre hinter sich

Das Unternehmen ist ein riesiger Mischkonzern: Handelsblatt Online zeigt, wo der Elektronikriese stark ist - und wo Gefahren lauern.

Stärke 1: Das Geschäft in den USA

Auf dem großen Heimatmarkt hat General Electric eine starke Stellung. Das schützt das Unternehmen in schwierigen Zeiten.

Stärke 2: Gesundes Finanzpolster

Der Konzern verfügt über eine enorme Finanzkraft - und kann so auch in Zukunft durch Übernahmen wachsen.

Stärke 3: Großes Sortiment

Über die Jahrzehnte hat GE ein breites Sortiment an Industrieprodukten aufgebaut. Das senkt das Risiko, wenn einzelne Märkte schwächeln.

Stärke 4: Hohe Bekanntheit

Die Marke gehört zu den renommiertesten der Welt. Sie steht für Solidität und Stärke - ein Merkmal, dass die Produkte des Unternehmens von der Konkurrenz abhebt.

Schwäche 1: Die Finanzgeschäfte

Zwar hat die große Finanzsparte des Konzerns sich zuletzt erholt - aber der Geschäftsbereich birgt nach wie vor große Risiken. Er ist stark vom Wirtschaftsklima in Amerika abhängig.

Schwäche 2: Schwerfällige Erholung

Seit dem letzten Halbjahr befindet sich GE wieder im Aufschwung - doch der Konzern hat ein grundsätzliches Problem: Er erholt sich von Krisen weitaus langsamer als die Konkurrenz.

Schwäche 3: Atomkraft unsicher

Kernenergie galt lange als großer Zukunftsmarkt - doch spätestens seit dem Desaster in Japan ist die Zukunft der Branche auf der ganzen Welt unsicher. Damit steht auch das Geschäftsfeld von GE in Frage.

Schwäche 4: Investoren sind misstrauisch

Inzwischen dürften die Anleger sich wieder beruhigt haben - aber sie beobachten noch immer argwöhnisch jeden Schritt des Konzerns. Zu groß war die Unsicherheit in den Krisenjahren.

An der Avio-Raumfahrtsparte, in der die Italiener seit fast 30 Jahren zu den bedeutendsten Zulieferbetrieben gehören, habe GE hingegen kein Interesse. Sie soll vorerst in Händen der aktuellen Aktionäre bleiben. Dem Kauf der Luftfahrtabteilung müssen nun noch die zuständigen Behörden zustimmen.

Der Finanzinvestor Cinven hatte die 1908 gegründete Avio mit Sitz in Turin 2006 mehrheitlich für etwa 2,6 Milliarden Euro übernommen. Der überschuldete italienische Rüstungskonzern Finmeccanica hielt bisher einen Minderheitsanteil von 14,3 Prozent. Das Unternehmen teilte mit, durch den Verkauf der Beteiligung 260 Millionen Euro einzunehmen. Dieser Betrag soll zum Abbau der Verbindlichkeiten genutzt werden.

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