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15.02.2013

11:40 Uhr

Übernahme von Heinz

Warum Warren Buffett Appetit auf Ketchup hat

Warren Buffett greift zum Ketchup – der Star-Investor beteiligt sich an der Milliardenübernahme des US-Traditionsherstellers Heinz. Das hat aber nicht nur mit seiner Liebe für Fast Food zu tun. Die Gründe für den Coup.

Neuer Besitzer: Finanzinvestoren um Warren Buffett wollen den Ketchup-Hersteller Heinz von der Börse nehmen. AFP

Neuer Besitzer: Finanzinvestoren um Warren Buffett wollen den Ketchup-Hersteller Heinz von der Börse nehmen.

DüsseldorfIn jedem amerikanischen Restaurant bekommt Warren Buffett den Ketchup umsonst. Warum also beteiligt sich der Star-Investor also an der Übernahme des Traditionsherstellers Heinz? Der Appetit hat nicht nur mit dem Produkt zu tun, sondern auch mit dem Partner.

Warren Buffett ist das bekannte Gesicht des Deals, und Heinz passt in das Beuteschema des Firmenjägers: Er hat sich schon öfter Lebensmittel-Riesen beteiligt oder sie ganz übernommen. So half er dem Süßigkeiten-Riesen Mars bei der Übernahme des Kaugummi-Produzenten Wrigley’s, hält 8 Prozent an Coca-Cola und zählt außerdem die Schnellrestaurant-Kette Dairy Queen sowie die Schokoladen-Hersteller See’s Candies zu seinem Firmenkonglomerat.

Doch bei der Übernahme von Heinz spielt Buffetts Partner 3G Capital eine größere Rolle. Auch die Private-Equity-Firma, hinter der das erfolgreichste Investorentrio Brasiliens steckt, hat kräftig in die Lebensmittelbranche investiert. Die drei Milliardäre sind die wichtigsten Einzelaktionäre der weltgrößten Brauerei AB Inbev. Vor zwei Jahren verleibten sie sich Burger King ein, zuvor bereits die Schnellrestaurantketten Wendy’s und Carl’s Jr. Mit dem Ketchup-Hersteller Heinz wächst ihr Lebensmittel-Imperium weiter.

Die größten Lebensmittelverarbeiter in Nordamerika

Quelle

Die Fachzeitschrift Food Processing veröffentlicht jährlich ein Ranking der größten nordamerikanischen Lebensmittelkonzerne. Erfasst wird der Umsatz mit Produkten, die in den USA oder Kanada verarbeitet wurden. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2011.

Platz 1

PepsiCo – 38,4 Milliarden Dollar

Platz 2

Tyson Foods – 31 Milliarden Dollar

Platz 3

Nestlé – 26,2 Milliarden Dollar

Platz 4

Kraft Foods – 25,2 Milliarden Dollar

Platz 5

Anheuser-Busch – 15,3 Milliarden Dollar

Platz 6

JBS USA – 14 Milliarden Dollar

Platz 7

Dean Foods Co. – 12,7 Milliarden Dollar

Platz 8

General Mills – 12,5 Milliarden Dollar

Platz 9

Smithfield Foods – 11,1 Milliarden Dollar

Platz 10

Mars Inc. – 10,5 Milliarden Dollar

Weitere Platzierungen

(11) Coca-Cola 9,9 Milliarden Dollar

(26) H.J. Heinz Co. 4,7 Milliarden Dollar

Heinz soll den Partnern zwar am Ende zu gleichen Teilen gehören, doch Buffett überlässt den brasilianischen Investoren das Tagesgeschäft: „Jede Partnerschaft, in der ich nichts zu tun habe, gefällt mir“, scherzte er. Wohl noch wichtiger ist ihm die Lebensmittel-Expertise der Partner. Der Deal soll auch von 3G ausgegangen sein, der brasilianische Investor Jorge Paulo Lemann habe Buffett ins Boot geholt, berichtete das „Wall Street Journal“. Die beiden kennen sich, seit sie gemeinsam im Verwaltungsrat von Gillette saßen.

Heinz-Ketchup ist zwar eine amerikanische Ikone, trotzdem ist die Marke global bekannt, das Unternehmen international aktiv. Heinz-Chef Bill Johnson kaufte seit seinem Amtsantritt 1998 rund 40 Firmen auf, viele, um in Schwellenländern zu expandieren. Heinz-Produkte gibt es heute in 200 Ländern, derzeit boomen sie vor allem in China und Brasilien. Der Ketchup-Fabrikant will 2013 in den Schwellenländern ein Viertel des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Eine starke Marke, international bekannt – so etwas gefällt Buffett und Lemann.

Zumal das weitreichende Netzwerk Möglichkeiten eröffnen könnte, andere Produkte zu vermarkten. Schon jetzt hat Heinz eine breite Produktpalette. Mit Ketchup und Saucen erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr 5,2 Milliarden Dollar Umsatz, die Sparte mit Fertiggerichten und Snacks erbrachte 4,5 Milliarden Dollar, Babynahrung 1,2 Milliarden Dollar.

Der Appetit auf Heinz hat aber auch simple betriebswirtschaftliche Gründe: Der Firma geht es gut. Der Cash Flow übertraf im Geschäftsjahr 2012 zum dritten Mal in Folge die Marke von einer Milliarde Dollar – er ist damit so hoch, dass das Unternehmen es verkraften dürfte, wenn ihm die Investoren einige Schulden aus der Übernahme aufbürden. Zudem ist das Management erprobt, CEO Johnson bekommt von Analysten gute Noten. Buffett hofft daher, dass er im Amt bleibt – das letzte Wort habe aber 3G.

Mit Material von dpa und Bloomberg

Von

chk

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