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03.02.2015

16:09 Uhr

Übernahme von Radio-Shack-Läden möglich

Amazon geht offline

Amazon plant Insidern zufolge seinen größten Vorstoß in den klassischen Einzelhandel. Demnach will der Versandhändler Läden der von der Pleite bedrohten Elektronikkette Radio-Shack übernehmen.

Der Onlinehändler Amazon plant angeblich einen Vorstoß in den klassischen Einzelhandel. dpa

Der Onlinehändler Amazon plant angeblich einen Vorstoß in den klassischen Einzelhandel.

New YorkDer Online-Handelskonzern Amazon erwägt laut einem Medienbericht, Filialen der pleitebedrohten US-Elektronikkette Radio-Shack zu übernehmen. Die Läden könnten genutzt werden, um eigene Produkte anzubieten und Online-Kunden Ware abholen oder zurückgeben zu lassen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf zwei eingeweihte Quellen.

Es wäre der bislang größte Vorstoß von Amazon ins klassische Einzelhandelsgeschäft. Im Oktober hatten US-Medien bereits berichtet, der Konzern wolle im New Yorker Stadtteil Manhattan das erste Ladengeschäft aufmachen.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Radio-Shack hat insgesamt mehr als 4000 Filialen in den USA, soll aber auch mit anderen Unternehmen wie dem Mobilfunker Sprint über Teilverkäufe verhandeln.

Von

dpa

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