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30.06.2011

12:23 Uhr

Überraschende Einbußen

Einzelhandel leidet unter Ehec

Mit 3,0 Prozent weniger Umsatz verzeichnet der deutsche Einzelhandel unerwartet den größten Rückgang seit vier Jahren. Analysten hatten eigentlich mit einem knappen Anstieg gerechnet.

Einkaufszentrum Ernst-August-Galerie in Hannover. Quelle: dapd

Einkaufszentrum Ernst-August-Galerie in Hannover.

BerlinDie Ehec-Krise hat den deutschen Einzelhändlern den größten Umsatzeinbruch seit Jahren zugefügt. Sie hatten im Mai 3,0 Prozent weniger in den Kassen als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. „Einen stärkeren Rückgang hat es zuletzt im Mai 2007 mit 3,7 Prozent gegeben“, sagte ein Statistiker. Der Einzelhandelsverband HDE sprach von einem Dämpfer für den Konsum. „Die Ehec-Krise hat die Verbraucher verunsichert“, sagte HDE-Sprecher Kai Falk. „Sie sind deshalb seltener in die Geschäfte gegangen.“

Die Welle blutiger Durchfallerkrankungen wurde Anfang Mai durch eine bis dahin unbekannte Mutation des eigentlich harmlosen Darmbakteriums E.coli ausgelöst. Höhepunkt der Krise war der 22. Mai, an dem dem Robert-Koch-Institut (RKI) über 60 neue HUS-Fälle gemeldet wurden, eine besonders gefährliche Komplikation der Ehec-Infektion. Am 25. Mai warnte das RKI offiziell vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten. Zuvor hatten schon verschiedene Landesbehörden vor Rohkost als möglicher Infektionsquelle gewarnt.

Nach Angaben der Bundesbank fiel der Umsatz mit Nahrungsmitteln, Tabakwaren und Getränken im Mai um 3,6 Prozent. Mehr als ein Drittel des Einzelhandelsumsatzes entfällt auf diese Warengruppe. Allein die spanischen Gemüsebauern beklagten auf dem Höhepunkt der Krise den Verlust von 200 Millionen Euro pro Woche. Der Deutsche Bauernverband sprach von Verlusten von fünf Millionen Euro pro Tag, die sich Anfang Juni bereits auf 65 Millionen Euro summiert hatten.

Experten rechnen trotz des unerwarteten Rückschlags mit steigenden Konsumausgaben. „Es gibt offenbar Sonderfaktoren - wie die Ehec-Krise“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. „Das hat den Umsatz im Nahrungsmittelhandel gedrückt.“ Aber auch die unterschiedliche Lage von Feiertagen könne die Zahlen verzerrt haben, obwohl die Statistiker versuchen, Saison- und Kalendereffekte herauszurechnen. Auch die Commerzbank rechnet nicht mit einem Konsumeinbruch. „Dafür sind die Rahmendaten einfach zu gut“, sagte ihr Experte Ralph Solveen. „Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Beschäftigung steigt, die Löhne ziehen wieder etwas stärker an.“

Von Januar bis Mai setzten die Einzelhändler 3,1 Prozent mehr um. Der HDE rechnet im Gesamtjahr mit einem Plus von 1,5 Prozent. Die Aussichten für gute Geschäfte sind angesichts der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht schlecht. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Mai auf 40,8 Millionen. Damit standen fast eine halbe Million Männer und Frauen mehr in Lohn und Brot als vor einem Jahr.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Ewald_Fischer

30.06.2011, 09:07 Uhr

"Analysten hatten eigentlich mit einem knappen Anstieg gerechnet." Tja, womit Analysten so rechnen, ist ja oft nicht das Schwarze unterm Nagel wert. Man siehe nur, wie völlig überraschend für diese Leute die Wirtschaftskrise hereinbrach. Das kommt davon, wenn man sein Blickfeld maximal einengt.
Besonders schön finde ich in dieser Meldung das: "Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Mai auf 40,8 Millionen. Damit standen fast eine halbe Million Männer und Frauen mehr in Lohn und Brot als vor einem Jahr." Lohn und Brot ist bei vielen dieser "Begünstigten" des angeblichen Jobwunders streng rationiert. Die meisten landeten im Niedriglohnsektor, dazu noch mit bloß befristeten Einstellungen, also extrem unsicherer Zukunft. Nach den tollen Gesetzen, die noch aus der Agenda-2010-Zeit (noch mal danke schön, liebe SPD und Grüne) stammen, sind auch viele sogenannte Aufstocker dabei. Die paar Kröten, die dabei rausspringen, lassen keine großen Sprünge zu und sind damit für die Binnenwirtschaft nicht relevant. Aber all das sehen Analysten der guten alten neoklassischen Ökonomie nicht. Gut, dass wenigsten diese Spezialisten eine Menge Geld einstecken können. Sie wären ansonsten wohl nicht lebensfähig in der realen Welt.

Nepumuk

30.06.2011, 09:28 Uhr

Ja aber warum tragen die vielen neuen Arbeiter und Angestellten denn ihr neues Einkommen nicht gleich in die Konsumtempel ??

Ach... Aufstocker, Leiharbeits Sklaven, Minijobs oh ich verstehe.

Wie... Inflation ??
Kann doch nicht sein... Wo grade dies eines der Hauptaufgaben der knallharten Währungshüter der EZB ist ??

Und die brummende XXL Konjunktur ja ja... Ach die kommt nicht bei den kleinen an.
Natürlich habe ich verständniß für die armen Shareholder die sich dann mit nur mit 25% Kapitalrendite begnügen müssen.

Tja.. da bleibt nicht viel übrig um es in die Konsumpempel zu tragen....

Aber erwarten können Analysten ja immer viel...

Carlos

30.06.2011, 09:47 Uhr

Vor ein paar Tagen wurde hier noch Kaufrausch propagandiert.....
Die Nachrichten ändern sich wie das Wetter......
Der Big Bang lässt nicht mehr lange auf sich warten !
Kaufrausch bei Edelmetallen wäre angebracht !!!

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