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09.01.2009

13:25 Uhr

Überraschung in der Schiffahrtbranche

Reederei Hartmann: Schiffskauf in Krisenzeiten

VonEberhard Krummheuer

Die niedersächsische Reederei-Gruppe Hartmann überrascht die von der Finanzkrise gebeutelte Branche mit einem 400-Millionen-Dollar-Investment. Das bis Mitte letzten Jahres als Atlas Reederei firmierende Unternehmen im ostfriesischen Leer hat nach eigenen Angaben sieben neue Schiffe bei der koreanischen Hyundai-Mipo-Werft bestellt.

DÜSSELDORF. Die weltweit tätige Unternehmensgruppe, die von internationalen Standorten aus das komplette maritime Transport- und Logistikgeschäft bedient, orderte zwei Containerschiffe mittlerer Größenordnungen, zwei Spezialtanker für Chemieprodukte sowie drei Gastanker. Während die Containerschiffe ins derzeit weithin vom Preisverfall unter Druck gebrachte Chartergeschäft gehen sollen, würden die Tankschiffe aus den eigenen Unternehmen heraus mit Fracht versorgt, sagte Michael Hoppe, Finanzvorstand der Holding Hartmann AG, dem Handelsblatt.

Die Reederei-Gruppe zählt mit 5 300 Mitarbeitern und 140 Schiffen zu den großen deutschen Spielern in der Seeschifffahrt. Das Familienunternehmen wurde 1981 von dem Kapitän Alfred Hartmann gegründet und heute von dessen Sohn Niels geführt.

In der Schifffahrtsbranche löst vor allem die Bestellung der beiden Containerschiffe Überraschung aus. Nach allgemeiner Einschätzung drohen in diesem Transportgeschäft erhebliche Überkapazitäten, solange der Welthandel nicht wieder anspringt. Wie der Verband Deutscher Reeder (VDR) kürzlich mitteilte, sind vor allem die Zeitcharter-Märkte für kleine und mittlere Schiffe erheblich eingebrochen – mit Einbußen bis zu 30 Prozent. Dabei werden die Flotten noch wachsen: Der Auftragsbestand für Containerschiffe liegt nach VDR-Angaben bei 1 400 Einheiten, mehr als ein Drittel davon ist von deutschen Reedern bestellt.

Das Investment von Hartmann sei vor diesem Hintergrund „außergewöhnlich“, kommentierte Burkhard Lemper, Professor am Bremer Universitätsinstitut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). Der Gruppe sei es offenbar gelungen, mit der Werft attraktive Preise auszuhandeln. Überraschung herrscht auch beim Reederverband. Ein Investment in vergleichbarer Größenordnung sei derzeit von keinem anderen Mitgliedsunternehmen bekannt, heißt es.

Hartmann-Vorstand Hoppe ficht das nicht an. Ein Schiff sei etwa ein Vierteljahrhundert im Einsatz. Da komme es nicht darauf an, ob seine Gruppe jetzt oder in ein paar Monaten investiere, erklärte er. Investitionen in die Flotte aufzuschieben ergebe wenig Sinn. Sonst drohe in einigen Jahren eine Überalterung.

An der Beschaffungspolitik ändere auch die aktuelle Krise nichts: „Als eigentümergeführtes Unternehmen konnten wir aus dem Boom der letzten Jahre substanziell Rücklagen bilden“, sagte Hoppe. „Da wir nicht an der Börse gehandelt werden, müssen wir auch nicht von Jahr zu Jahr die Erträge steigern.“ Natürlich komme dem Unternehmen zu Gute, dass es breit in den Seeschifffahrtsmärkten aufgestellt sei.

Finanziert werde das Projekt über die NordLB, die, so Hoppe, „vorbildlich“ den Millionen-Mittelbedarf organisiert habe. „Alle reden von der Kreditklemme, wir haben nichts davon gespürt.“ Dabei spiele naturgemäß „die solide Eigentümerstruktur“ eine Rolle. Zudem gehöre etwa die Hälfte der Schiffe der Gruppe, sei also nicht über Fonds finanziert. Diese weithin in der Schifffahrt übliche Geldbeschaffung über Anleger ist unter Druck gekommen, weil der starke Verfall der Frachtraten die ausgelobten Ausschüttungen gefährdet.

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