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30.01.2017

14:15 Uhr

UGG, Hilfiger, Puma & Co.

Fake-Outlets?

VonCarina Kontio

Wer als Schnäppchenjäger ins Outlet pilgert, hofft auf gute Markenware. Recherchen des NDR haben jetzt ergeben, dass die Produkte oft deutlich schlechter sind als in den Filialen – und dort auch nie angeboten wurden.

Verwirrend sind vor allem die Preise im Outlet-Center. So sind auf vielen Produkten vermeintliche Ursprungspreise ausgezeichnet für eine Ware, die es so offensichtlich nie im regulären Handel gegeben hat. dpa

Outlet-Center (Symbolfoto)

Verwirrend sind vor allem die Preise im Outlet-Center. So sind auf vielen Produkten vermeintliche Ursprungspreise ausgezeichnet für eine Ware, die es so offensichtlich nie im regulären Handel gegeben hat.

KölnOb Metzingen, Roermond oder Bad Münstereifel: Outlet-Center sind ein Paradies für Schnäppchenjäger. Schließlich locken hier satte Rabatte für Verbraucher. Die wenigsten Outlet-Fans wissen jedoch, was dort tatsächlich verkauft wird. Ein Fall von Kundentäuschung?

Markenwaren zu Schnäppchenpreisen – das erwartet die Mehrheit an Kunden vom Einkauf in Outlet-Centern. Doch die in einer Stichprobe eingekauften Produkte gab es vorher gar nicht im Fachhandel. Das haben Recherchen des NDR-Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins „Markt“ ergeben (Sendetermin: 30. Januar, um 20.15 Uhr). Die Wettbewerbszentrale hält insbesondere die angeblichen Rabattpreise für irreführend.

In einer Stichprobe, so erklärt der NDR in einer aktuellen Mitteilung, haben Reporter Kleidungsstücke namhafter Markenhersteller in einem Outlet-Center im schleswig-holsteinischen Neumünster gekauft. Recherchen bei den Herstellern haben ergeben, dass diese Produkte in den Filialen gar nicht zu haben waren.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Textilexperten der Akademie Mode und Design in Hamburg haben die Outlet-Produkte auf ihre Qualität hin geprüft. Unter dem Mikroskop konnten sie erkennen, dass die Outlet-Mode im Vergleich zu ähnlichen Produkten der Markenhändler von zum Teil minderwertigerer Qualität war.

So war das Futter eines Winterschuhs der Marke UGG zum Beispiel wesentlich schlechter verarbeitet als beim Original (es hat gefärbt und gefuselt), die Baumwolle eines Polo-Shirts von Ralph Lauren war körniger und teilweise schief geschnitten. Bei einem Polo Shirt von Tommy Hilfiger war die Passform nach Ansicht der Experten schlechter als beim Original.

Verwirrend vor diesem Hintergrund sind vor allem die Preise im Outlet-Center. So sind auf vielen Produkten vermeintliche Ursprungspreise ausgezeichnet für eine Ware, die es so offensichtlich nie im regulären Handel gegeben hat. Die Wettbewerbszentrale sieht das kritisch. „Wenn dieser höhere Preis, der hier als Originalpreis gekennzeichnet ist, so nicht gefordert wurde, dann ist das ein Fall von irreführender Werbung über die Preisgestaltung“, meint Peter Brammen, Geschäftsführer der Wettbewerbszentrale in Hamburg. Von den betroffenen Herstellern hat sich gegenüber „Markt“ keiner zu den Recherchen geäußert.

Ganz neu ist das Thema allerdings nicht. Immer wieder geraten die Marken-Outlets in die Kritik. Auch eine Recherche von RTL-Reportern ergab schon 2015, dass 70 bis 80 Prozent der Klamotten in Outlets extra für diese produziert würden. „Die Stückzahlen sind groß, aber die Qualität ist niedriger als die Kollektionsware. Im Endeffekt ist das eine Kundenverarsche“, erzählte der Leiter einer Fabrik im türkischen Bursa, die deutsche Outlets beliefert. Andere Branchenexperten gehen von 30 bis 40 Prozent aus, Fakt aber ist, dass die Kunden Abstriche bei der Qualität machen müssen – und die Outlets auf Mogelpackungen setzen.

Viele große Marken wie Nike oder Adidas äußern sich zu diesem Thema nicht. Puma erklärte gegenüber RTL damals: „Wir produzieren auch Produkte für unsere Outlets, die unser aktuelles Sortiment ergänzen, aber ich bitte um Verständnis, dass wir keine näheren Angaben machen.“ Von Tom Tailor hieß es: „In Ausnahmefällen lassen wir eigens für unsere Outlet-Stores Ware anfertigen, um den Kunden auch hier ein ausgewogenes Sortiment anbieten zu können.“

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