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12.08.2017

15:20 Uhr

Umfrage zu Fipronil-Skandal

Jeder Vierte hat seinen Eierkonsum geändert

Der Skandal um die verseuchten Eier beschäftigte viele deutsche Haushalte. Doch wie reagieren die Verbraucher? Eine aktuelle Yougov-Umfrage zeigt viel Gelassenheit, aber auch erstaunliche Verhaltensänderungen im Konsum.

65 Prozent der Befragten essen weiter so viele Eier wie vorher. dpa

Frühstücksei

65 Prozent der Befragten essen weiter so viele Eier wie vorher.

Berlin Jeder vierte Erwachsene in Deutschland isst wegen des Fipronil-Skandals weniger Eier als zuvor oder verzichtet ganz auf den Verzehr - auch wenn das Risiko aus Expertensicht gering ist. 65 Prozent stehen dem Thema gelassen gegenüber und schränken ihren Eierkonsum nicht ein, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. 15 Prozent der Befragten achten seit dem Nachweis von Fipronil darauf, in welchem Land die Eier erzeugt wurden. Fast jeder Zweite hat dies auch schon vorher getan.

Das Insektizid Fipronil darf in der Geflügelhaltung eigentlich nicht verwendet werden. In einer am Freitagabend veröffentlichten vorläufigen Bewertung kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss, dass eine gesundheitliche Gefährdung durch Fipronil-haltige Mittel auch bei längerfristigem Verzehr belasteter Lebensmittel aber „unwahrscheinlich“ sei. In der Veterinärmedizin kommt der Stoff zum Schutz von Hunden und Katzen vor Flöhen, Läusen und Zecken zum Einsatz.

Einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zufolge will die Bundesregierung die Rezeptpflicht für 27 solcher Fipronil-haltigen Mittel auf Empfehlung eines Expertengremiums aufheben. Der Bundesrat könnte noch im September darüber abstimmen, meldete die Zeitung am Samstag. Die Mittel wären in Apotheken und im Internet dann frei verkäuflich.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind bereits 71 Medikamente zugelassen, die nur auf Fipronil basieren, wie die Zeitung berichtet. Gleiches solle für 27 weitere zugelassene Tierarzneimittel gelten, in denen Fipronil mit dem Wirkstoff Methopren kombiniert wird. Beide Varianten dürfen in der Nutztierhaltung nicht verwendet werden. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) reagierte mit Unverständnis auf die Pläne und forderte ein europaweites Verbot.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt fordert als Konsequenz aus dem Skandal einen neuen Zuschnitt der Bundesministerien: „Wir brauchen ein Superministerium für Verbraucherschutz, das auch für Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung zuständig ist“, sagte die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. Beim Eier-Skandal habe die große Koalition ebenso wie in der Diesel-Affäre „komplett versagt“.

Der Fipronil-Eier-Skandal

Darum geht es

Der Skandal um die mit dem Insektizid belasteten Hühnereier aus den Niederlanden verunsichert Verbraucher auch in Deutschland. Die wichtigsten Ereignisse

22. Juli

In den Niederlanden wird Fipronil in Eiern von sieben Betrieben entdeckt. Die Höfe werden gesperrt. Zuvor war das Insektizid in Belgien aufgetaucht. Die niederländische Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen ein Putz- und Desinfektionsunternehmen in Barneveld bei Apeldoorn auf wegen des Einsatzes eines Anti-Milbenmittels, dem unerlaubter Weise Fipronil beigemischt wurde. Auf der Kundendatei wurden 180 Höfe in den Niederlanden aufgeführt und vier deutsche. Unklar ist, ab wann das toxische Mittel in den Ställen eingesetzt worden war.

26. Juli

Die niederländische Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA sperrt die 180 Höfe. Die NVWA informiert auch die Behörden von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

30. Juli

Das NRW-Landwirtschaftsministerium gibt bekannt, dass 2,9 Millionen mit Fipronil belastete Eier aus Belgien und den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen geliefert wurden.

31. Juli

Die ersten Testergebnisse in den Niederlanden ergeben: Eier aus einem Stall sind so stark belastet, dass eine „akute Gesundheitsgefahr“ besteht. Die Eier von 27 weiteren Höfen sollten Kinder nicht essen.
Niedersachsen empfiehlt die Rückgabe von Eiern aus Belgien und den Niederlanden, die mit Fipronil belastet sein könnten.

2. August

In Niedersachsen wird ein Betrieb gesperrt, der das unerlaubt Mittel benutzt hat. Einen Tag später werden zwei weitere Betriebe in dem Landkreis gesperrt.

3. August

Die NVWA veröffentlicht die Liste mit allen Prüfnummern. Bilanz bisher: 1 Fall - akute Gefahr. 59 Fälle - Risiken für Kinder. Der Rest - Spuren unter den Grenzwerten.
Große deutsche Discounter haben den Verkauf von Eiern aus Betrieben unter Fipronil-Verdacht gestoppt.

4. August

Alle möglich belasteten Eier wurden aus den niederländischen Supermärkten entfernt. Aldi Nord und Aldi Süd nehmen deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) verlangte, umgehend aufzuklären, „wer sich hier auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher reich panschen möchte“. Der „Bild“-Zeitung (Samstag) sagte er: „Es geht um mehr als um Eier, es geht um bessere Sicherheit vor Betrug.“

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass rund 10,7 Millionen „möglicherweise mit Fipronil belastete Eier“ aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Auf Vorschlag Deutschlands hin soll es Anfang September erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Skandal geben. Mehr als ein Dutzend EU-Länder sind betroffen.

Auch in Spanien wurden erstmals belastete Eier entdeckt. Inspektoren hätten die aus Frankreich stammenden Flüssigeier im Baskenland gefunden, berichtete die Zeitung „El País“ am Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die kontaminierten Produkte seien aber nicht in den Handel gelangt.

Von

dpa

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