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20.02.2013

18:36 Uhr

Umlage

Bahnen sollen für Energiewende zahlen

Auch Verkehrsbetriebe und die Deutsche Bahn sollen nach Plänen der Bundesregierung für die Energiewende zahlen. Auf die Unternehmen kämen Kosten in Milliardenhöhe zu und die Ticketpreise könnten steigen.

In diesem Jahr zahlt der Konzern nach eigenen Angaben rund 55 Millionen Euro Umlage für den Ökostrom. obs

In diesem Jahr zahlt der Konzern nach eigenen Angaben rund 55 Millionen Euro Umlage für den Ökostrom.

BerlinDie Bundesregierung will auch die Bahnen für die Kosten der Energiewende zur Kasse bitte. Auf die Deutsche Bahn aber auch die Betreiber von U- und S-Bahnen kämen damit Lasten in Milliardenhöhe zu, die höhere Ticketpreise nach sich ziehen könnten.

Nach Auffassung aller Beteiligten seien Ausnahmen von der Umlage für die Ökostrom-Förderung nur zu rechtfertigen, wenn sie im internationalen Wettbewerb stünden, sagte Umweltminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch in Berlin. „Deshalb habe ich mich gefreut, dass die Grünen in ihrem Papier zur Strompreisbremse selbst diese Ausnahmeregelung im Bereich der Bahn und der Schiene infrage gestellt haben.“ Dies spiegele sich auch in seinem eigenen Vorschlag wider, sagte Altmaier. „Wenn wir uns darauf einigen können, dann werde ich diesen Vorschlag mittragen und er wird dann von allen Parteien gemeinsam umgesetzt.“

Zur Dämpfung der Strompreise will Altmaier zum einen Einschnitte bei der Ökostromförderung, zum anderen will er aber auch mehr große Stromverbraucher zahlen lassen, die bislang von der Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien nahezu befreit sind. Für die Umsetzung des Konzepts sucht er die Unterstützung von SPD und Grünen im Bundesrat.

Wie viel Haushalte für die EEG-Umlage pro Person monatlich zahlen müssen

Singles

2011 mussten Alleinstehende noch 6,34 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,51 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,49 Euro oder 0,72 Prozent des Einkommens sein.

Paare ohne Kinder

2011 mussten Paare ohne Kinder noch 6,47 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,31 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,68 Euro oder 0,44 Prozent des Einkommens sein.

Alleinerziehende

2011 mussten Alleinerziehende noch 5,94 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,6 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,88 Euro oder 0,85 Prozent ihres Einkommens sein.

Paare mit Kindern

2011 mussten Paare mit Kindern noch 5,65 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,34 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,45 Euro oder 0,48 Prozent ihres Einkommens sein.

Größter Stromverbraucher ist die Deutsche Bahn, deren Personenverkehr nicht im internationalen Wettbewerb steht. In diesem Jahr zahlt der Konzern nach eigenen Angaben rund 55 Millionen Euro Umlage für den Ökostrom. Würde der Konzern voll herangezogen, träfe dies das Unternehmen hart: „Dies würde dann ein hoher, dreistelliger Millionen-Euro-Betrag sein“, sagte ein Sprecher. Belastet würden aber auch kommunale Verkehrsbetriebe mit Straßen- und U-Bahnen. Ursprünglich war die Befreiung der Bahnen auf Initiative der Grünen unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) verankert worden. Fraktionschef Jürgen Trittin hatte aber deutlich gemacht, dass er sie für nicht mehr gerechtfertigt hält.

Die SPD hingegen war auf Distanz gegangen: „Es macht keinen Sinn, die Bürger als Stromkunden auf der einen Seite zu entlasten, auf der anderen Seite aber bei den Ticketpreisen zu belasten“, hatte Fraktionsvize Hubertus Heil gesagt. Die SPD werde daher in den Gespräche mit Bund und Ländern keine Forderung erheben, die Ausnahmen für die Bahnen bei der Umlage für den Ökostrom zu beschneiden.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Gast

20.02.2013, 19:02 Uhr

"Auch Verkehrsbetriebe und die Deutsche Bahn sollen nach Plänen der Bundesregierung für die Energiewende zahlen. Auf die Unternehmen kämen Kosten in Milliardenhöhe zu und die Ticketpreise könnten steigen."

Könnten, hm? Ha.

vandale

20.02.2013, 19:07 Uhr

Letztlich wird die Subventionierung durch diesen Schritt nicht geringer, sondern lediglich intransparenter.

Natürlich kann man einen grösseren Teil der Kosten umweltschädlichen Oekostroms an die Industrie und das Gewerbe geben.
Allerdings haben diese keine himmlischen Konten. So werden dann die Kosten mit Gemeinkostenaufschlägen, Marge und MwSt an die Kundschaft weiter gereicht.

Propagandistisch hilft dies weil die enormen Kosten einer sehr suboptimalen Stromproduktion verdeckt werden.

Vandale

vandale

20.02.2013, 19:13 Uhr

Ergänzung...die im Artikel genannten Kosten der Verbraucher für "Erneuerbare Energien" sind schlicht falsch.
Wenn man die Gesamtsubventionen von 25 Mrd. € /40Mio Haushalte dividiert so erhält man einen Betrag on ca. 50€ im Monat.
Wenn man noch Gemeinkosten, Margen und Steuern berückschtigt, sind dies ca. 100€/Monat und Haushalt.

So beginnt die Intransparenz.

Vandale

PS:Dabei wurde angenommen, dass Gewerbe und Industrie die Kosten weitergeben.


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