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12.01.2011

09:21 Uhr

Umsatz-Probleme

Reißt die Erfolgssträhne von Media-Markt und Saturn?

VonChristoph Kapalschinski

Die Elektronikkette Media-Saturn wächst nicht mehr. Das Internet macht der einstigen Ikone der deutschen Wirtschaft schwer zu schaffen. Die Käufer wandern ab, der Umsatz stagniert. Und hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf unter den Eigentümern.

Trotz Preishämmern: Die goldenen Zeiten von Media Markt und Saturn scheinen vorbei. Quelle: dpa

Trotz Preishämmern: Die goldenen Zeiten von Media Markt und Saturn scheinen vorbei.

Geiz ist geil!" und "Ich bin doch nicht blöd!": Laute Werbekampagnen sind das Markenzeichen der Elektronik-Ketten Media-Markt und Saturn. Die Botschaft war immer beides - schrill und wirkungsvoll: Wir sind die Günstigsten im Lande. Wer woanders kauft, ist selber schuld.

Der deutsche Konsument nahm Media-Saturn, einer Tochter des Handelskonzerns Metro, die Botschaft ab - und kaufte und kaufte. Über Jahre waren Media-Markt und Saturn die Erfolgsgeschichten im deutschen Einzelhandel. Die beiden Ketten zählten zu den Ertragsperlen des Metro-Konzerns. Das Expansionstempo war seit der Gründung 1979 rekordverdächtig.

Das scheint vorbei zu sein. Erstmals seit Jahren stagnierte 2010 der Umsatz von Media-Saturn in Deutschland. Immer mehr Kunden vergleichen die Preise im Internet - und stoßen dort oftmals auf günstigere Angebote. Die Kunden finden Geiz noch immer geil, aber sie sind deshalb nicht blöd.

Der einstige Wachstumstreiber der Metro wird zum Sorgenkind. Im wichtigen Weihnachtsquartal brach bei Media-Saturn der Umsatz in Europa - auf vergleichbarer Fläche zum Vorjahr - sogar um 5,7 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro ein. In Deutschland müsse die Elektronik-Kette über sechs Prozent Umsatz verloren haben, schätzt ein Analyst. Die Käufer wanderten ins Internet ab. Amazon und kleinere Anbieter wie „Notebooksbilliger.de“ setzten im vergangenen Jahr mit ihrem gesamten Online-Angebot erstmals über 18 Milliarden Euro um - allein in Deutschland. Doch Media-Saturn hat es bislang nicht geschafft, eine überzeugende Online-Strategie zu entwickeln. Der Grund offenbart die Managementprobleme der Media-Saturn-Märkte: Die Geschäftsführer der einzelnen Märkte bestimmen die Preise selbst. Das war bisher ein lukratives Konzept. Schließlich erlaubt es überall dort höhere Preise, wo die örtliche Konkurrenz schwach ist. Im Internetzeitalter aber geht diese Strategie nicht mehr auf.

Doch die Gründerfamilien Stiefel und Kellerhals, die knapp ein Viertel der Anteile an Media-Saturn halten und sich Vetorechte gesichert haben, stehen hinter den Geschäftsführern. Mit ihrer Rückendeckung widersetzte sich auch der langjährige Media-Saturn-Chef Roland Weise den Forderungen von Metro-Chef Eckhard Cordes nach einem Online-Shop. Erst im Dezember, als der Wachstumseinbruch intern längst bekannt war, schaffte es Cordes, Weise zum Abgang zu bewegen. Der neue Chef Horst Norberg solle endlich einen Onlineladen starten und das China-Geschäft ausbauen, heißt es bei Metro.

Die Alteigentümer werfen dem Metro-Chef unfaires Spiel mit den Zahlen vor. Die Umsätze würden zwar nicht mehr steigen, sagen sie, aber dafür die Gewinne.

Kommentare (13)

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Zeitzeuge

12.01.2011, 11:33 Uhr

Wer aggressiv jahrelang "Geiz ist geil" und "billig-will-ich" predigt, muß sich nicht wundern, daß sich diese der allgemeinen Dummheit Rechnung tragende Philosopie irgendwann gegen ihn selbst wendet, wenn billig-Logistik und automatisierter Computervertrieb fast ohne Mitarbeiter zum gleichen Ergebnis führt und nochmals 5 bis 15% eingespart werden können. Nur wer über Alleinstellungsmerkmale verfügt, kann auf Dauer ein profitables Geschäft betreiben, siehe Deutsche Telekom AG - leidet unter dem gleichen Effekt! Mancher wird sich inzwischen auch fragen, ob er den asiatischen billigschrott wirklich braucht, der beim ersten Herunterfallen kaputt ist.

Ragatonga

12.01.2011, 11:48 Uhr

ich kann mich mit diesen agressiven Werbeformaten mit Asotouch schon lange nicht mehr identifizieren.
Als meide ich auch deren Ladenlokale, es gibt genügend Alternativen. Offenbar denke nicht nur ich so, was mich sehr freut. Geist ist geil.....

hk

12.01.2011, 12:05 Uhr

fff

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