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04.10.2011

10:36 Uhr

Umsatzplus

Wirtschafts-Kanzleien erleben einen Boom

VonUlrike Barth

Justitia wird gebraucht: In Deutschland erlebten Wirtschaftskanzleien zuletzt einen wahren Boom. Der Umsatz schnellt auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Doch es gibt strukturelle Veränderungen im Markt.

Justitia hat viel zu tun. Die Anwälte in Deutschland auch. dpa

Justitia hat viel zu tun. Die Anwälte in Deutschland auch.

KölnUmsatzeinbrüche, Personalrückgänge, eingefrorene Gehälter - das war einmal. Die neuesten Umsatzzahlen des Branchendienstes Juve zeigen: Das Geschäftsjahr 2010 stand bei Deutschlands größten Wirtschaftskanzleien im Zeichen der Erholung. Die Negativschlagzeilen der Krisenjahre 2008 und 2009 haben die Top-50-Kanzleien weit hinter sich gelassen. Die umsatzstärksten unter Deutschlands großen Wirtschaftskanzleien sind heute fast durchweg wieder auf Wachstumskurs.

Noch im Jahr 2009 verzeichneten 22 der 50 Kanzleien im Juve-Umsatz-Ranking ein Minus. Zudem reduzierten 28 von 50 Kanzleien damals ihre Teams. Ganz anders das aktuelle Bild: Beim Blick auf die Umsatzzahlen 2010/11 gibt es nur noch sechs Kanzleien, die einen sinkenden Umsatz verzeichnen, weitere sechs stagnieren oder haben ein minimales Plus von unter einem Prozent. Dagegen weisen 36 der Top-50-Kanzleien ein Umsatzwachstum von über drei Prozent auf. Eine Erholung auf ganzer Linie, denn die Kanzleien bauen auch ihre Teams wieder aus - auch wenn die Zahl aller Berufsträger mit 7480 noch nicht wieder ganz den alten Wert von 2008/09 erreicht hat.

Die zehn größten Kanzleien

Steiler Wachstumspfad

Deutschlands Wirtschaftskanzleien erleben derzeit einen Boom. Nach dem mauen Jahr 2009 ging es 2010 steil aufwärts. Es folgen die zehn größten Kanzleien.

Freshfields Bruckhaus Deringer

Keine Wirtschaftskanzlei macht in Deutschland mehr Umsatz als Freshfields Bruckhaus Deringer. Im Jahr 2010 waren es 334 Millionen Euro, ein Plus von 0,9 Prozent. Damit führen die Briten hierzulande deutlich.

CMS Hasche Sigle

Auf Rang zwei folgt CMS Hasche Sigle. Die Kanzlei aus Berlin beschäftigt mehr als 600 Anwälte und Steuerberater und kommt auf einen Jahresumsatz von 212 Millionen Euro. Der Zuwachs fiel 2010 im Vergleich zum Vorjahr mit 3,9 Prozent recht üppig aus.

Hengeler Mueller

Ebenfalls aus Berlin stammt Hengeler Mueller. Mit einem Umsatz von 207 Millionen Euro liegt die Kanzlei auf Position drei. Der Zuwachs fiel im Vergleich zu 2009 allerdings eher mau aus - nur 0,4 Prozent.

Clifford Chance

Mit einem satten Zuwachs von 8,0 Prozent hat es Clifford Chance auf Rang vier geschafft. Die in London ansässige Kanzlei erreichte 2010 in Deutschland einen Umsatz von 194 Millionen Euro.

Linklaters

Oft sind die Namen von Kanzleien Zungenbrecher und schwer zu merken. Linklaters kommt einem da schon am bekanntestes vor. Mit einem Umsatz von 169 Millionen Euro liegen die Briten in Deutschland auf Platz fünf.

Gleiss Lutz

In vielen deutschen Städten hat Gleiss Lutz Hootz Hirsch (so der vollständige Name) Büros, der Hauptsitz ist allerdings in Stuttgart. Die Kanzlei machte im vergangenen Jahr hierzulande einen Umsatz von 148 Millionen Euro - ein Plus von 8,0 Prozent.

Hogan Lovells

Hogan Lovells gehört mit rund 2500 Anwälten an 40 Standorten auch weltweit zu den größten Wirtschaftskanzleien. Ihren Hauptsitz hat sie in Washington. In Deutschland machte Hogan Lovells zuletzt einen Umsatz von 144 Millionen Euro.

Taylor Wessing

Auf Rang acht liegt in Deutschland Taylor Wessing mit einem Umsatz von 124 Millionen Euro. Das Plus war mit 3,0 Prozent unterdurchschnittlich. Hierzulande hat die Kanzlei Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Neuss.

White & Case

Bereits seit 1901 gibt es White & Case. Die US-Kanzlei ist in über 25 Ländern aktiv. In Deutschland machte sie 2010 einen Umsatz von 120 Millionen Euro. Das waren 4,3 Prozent mehr als 2009.

Noerr

So gerade hat es Noerr noch in die Top-Ten geschafft. Die Kanzlei mit Sitz in München kam 2010 auf einen Umsatz von 116 Millionen Euro. Das bedeutet ein Plus von 9,5 Prozent - und damit den größten Zuwachs unter de zehn größten Wirtschaftskanzleien in Deutschland.

Treiber für die allgemeine Erholung des Kanzleimarkts war das zuletzt wiedererstarkte Geschäft im Transaktionsbereich und Gesellschaftsrecht. Nicht nur zog der Private-Equity-Markt an. Auch die großen Mandate für Fusionen und Übernahmen börsennotierter Unternehmen (Public-M&A) sind zurückgekommen. Zudem verbesserte sich das Umfeld für Finanzierungen, so dass die Sicherheit bei mittleren Transaktionen stieg - und damit auch ihre Anzahl.

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