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27.04.2011

19:26 Uhr

Umschulung

Fußballer wird Teldafax-Vorstand

VonSönke Iwersen

Wütende Kunden, wartende Gläubige, staatsanwaltliche Ermittlungen. Der Stromanbieter Teldafax könnte krisenerprobte Führungskräfte gut gebrauchen. Stattdessen macht das Unternehmen nun einen Fußballspieler zum Vorstand.

Teldafax-Unternehmenszentrale in Troisdorf Quelle: dapd

Teldafax-Unternehmenszentrale in Troisdorf

TroisdorfDas Krisenmanagement des neuen Teldafax-Chefs Gerd Höptner wirft immer neue Fragen auf. Seit sechs Wochen ist der 69jährige Sanierungsexperte jetzt bei Deutschlands größtem unabhängigen Stromanbieter im Amt. Seitdem hat ein Investor nach eigenen Angaben 50 Millionen Euro ins Unternehmen gepumpt. Trotzdem schalten fast täglich Netzbetreiber Teldafax wegen unbezahlter Rechnungen ab. Das Unternehmen leidet unter einem verheerend schlechten Image. Nun macht Höptner einen Mann zum Marketing-Vorstand, der in der Branche praktisch keinen Namen hat: Alexander Kutz. Dessen letzte berufliche Station vor Teldafax: Die Hintermannschaft des Fußball-Oberligisten Bonner SC.

„Für den Teldafax-Vorstandsvorsitzenden Dr. Hans-Gerd Höptner bedeutet die Ernennung Kutz’ zum Chief Sales Offices einen weiteren Schritt in Sachen Restrukturierung“, heißt es in einer Mitteilung von Teldafax. Der Zeitung „Welt am Sonntag“ sagte Höptner: „Damit habe ich im Vorstand eine wirklich gute Mannschaft, die mir hilft die notwendigen Dinge abzuarbeiten.“

Doch der Lebenslauf von Alexander Kutz lässt nicht nur Branchenexperten zweifeln, ob Höptner den Ernst der Lage bei Teldafax erkannt hat. Kutz wurde 1979 geboren und begann in den 90er Jahren eine Fußballkarriere als Abwehrspieler bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern. 1999 wechselte er in die zweite Mannschaft des 1. FC Köln, 2002 zum Bonner SC, wo er bis 2004 spielte. Danach soll er ein Studium begonnen haben – doch ob dies zutrifft und was er studierte, will Teldafax auch auf Nachfrage des Handelsblattes nicht beantworten.

Auch Kutz selbst war nicht bereit, sich zu seiner Qualifikation zu äußern. In einem vorbereiteten Statement verkündete er lediglich, er wolle wettbewerbsfähige und innovative Tarife und Produkte entwickeln. Geplant sei außerdem, durch Marketing- und PR-Maßnahmen die Marke Teldafax neu belegen und positionieren. Dies scheint tatsächlich dringend nötig. Wer „Teldafax“ in Google eingibt, dem schlägt das System als nächstes Suchwort „Insolvenz“ vor.

Kommentare (1)

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28.04.2011, 00:17 Uhr

so funktionierts, eine kurze Zeit zumindest, Höppner holt sich einen "qualifizierten" Hansel ins Boot, hinter dem er sich verstecken kann, und wenns nicht gut geht, war`s der Hansel Schuld und es wird eine neue Idee ausgegoren. Als Dr. darf man das, denn er ist zumindest schon mal evtl. qualifiziert. Rechnen können sie alle nicht und erfolgreiche Firmenführung verlangt schon mehr als Schaumschlägerei oder den Dr. irgendwie zusammengelesen zu haben oder einer Fußballmannschaft beigewohnt zu haben.

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