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09.05.2012

15:59 Uhr

Umweltskandal

Ex-Envio-Chef weist Vorwürfe zurück

Der Mammut-Prozess im Umweltskandal hat begonnen. 51 Arbeiter sollen der gefährlichen Chemikalie PCB ausgesetzt worden sein. Die Giftstoffe in deren Blut könne auch von ungesunder Lebensweise kommen, so die Verteidigung.

Der angeklagte ehemalige Envio-Geschäftsführer im Landgericht Dortmund. dpa

Der angeklagte ehemalige Envio-Geschäftsführer im Landgericht Dortmund.

DortmundDer Fall gilt als einer der größten Umweltskandale Deutschlands: 51 Mitarbeiter der inzwischen insolventen Envio Recycling GmbH in Dortmund sollen über Jahre hinweg ungeschützt dem hoch giftigen Kühl- und Isoliermittel PCB ausgesetzt worden sein. Außerdem gelangte giftiger Staub angeblich ungefiltert in Boden und Luft. Am Mittwoch hat vor dem Landgericht der Prozess gegen den früheren Geschäftsführer und drei weitere Ex-Manager begonnen. Zu Beginn der Verhandlung ließ der Ex-Chef alle Vorwürfe zurückweisen. Die Anklage lautet auf Körperverletzung und verschiedene Umweltverstöße.

Ralf Neuhaus, Verteidiger des ehemaligen Geschäftsführers, sagte vor dem Dortmunder Landgericht: „Mein Mandant würde es bedauern, wenn Personen an ihrer Gesundheit geschädigt worden sein sollten.“ Blutuntersuchungen bei den 51 Arbeitern hätten zwar deutlich erhöhte PCB-Werte ergeben. Es sei aber nicht nachgewiesen, dass diese auf Fehler im Anlagenbetrieb von Envio zurückzuführen seien. „Sie lassen sich vielmehr plausibel mit ungesunden Lebensstilfaktoren dieser Mitarbeiter erklären“, so der Anwalt. Darüber hinaus sei bis heute gar nicht erwiesen, dass eine erhöhte PCB-Belastung zu den von der Staatsanwaltschaft angenommenen erheblichen Gesundheitsschäden führen würde.

Verteidiger Ralf Neuhaus nutzte seine Eröffnungsrede außerdem dazu, um Kritik an NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) zu üben. Der Minister habe „in einer belehrenden Weise“ versucht, die Richter zu beeinflussen. Das sei „beschämend und verfassungswidrig“.

Den Angeklagten wird unter anderem vorgeworfen, Gefahrstoff-Messgeräte in den Werkhallen ausgeschaltet zu haben, um den laufenden Betrieb nicht ständig unterbrechen zu müssen. Außerdem wurden die Arbeiter angeblich nur mit ungeeigneten Schutzanzügen und Handschuhen ausgestattet, die billiger waren als die eigentlich erforderlichen. Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock, der mehrere Geschädigte vertritt, sagte vor der Verhandlung: „Meine Mandanten erwarten eine angemessene Sanktion und eine angemessene Entschädigung.“

Die Bezirksregierung Arnsberg hatte nach anonymen Hinweisen 2008 ein Auge auf das Recycling-Unternehmen im Dortmunder Hafen geworfen. Eine erste - angemeldete - Überprüfung des Betriebes verlief noch ergebnislos. Erst als im Frühjahr 2010 Staubproben vom Firmengelände genommen wurden, kam das Ausmaß der PCB-Belastung ans Tageslicht. Das Gericht rechnet schon jetzt mit einem monatelangen Verfahren.

Von

dpa

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