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07.03.2011

19:04 Uhr

Unbefristete Streiks

Lokführer nehmen Industrie ins Visier

Die Lokführer haben sich für unbefristete Streiks ausgesprochen. Bahnkunden und Industrie müssen sich auf Chaos einrichten. Politiker befürchten einen großen Schaden - für die Bahn.

Dieses Bild dürften Bahnkunden in den kommenden Tagen häufiger zu Gesicht bekommen: Die Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL haben sich für Streiks entschieden. Quelle: dpa

Dieses Bild dürften Bahnkunden in den kommenden Tagen häufiger zu Gesicht bekommen: Die Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL haben sich für Streiks entschieden.

FrankfurtNach dem Reiseverkehr nehmen die Lokführer jetzt die Industrie mit Dauerstreiks ins Visier. Besonders die Stahlbranche muss sich noch diese Woche auf massive Behinderungen einstellen. Am Montag sprachen sich mehr als 90 Prozent der Lokführer per Urabstimmung für einen regulären Dauerstreik aus. „Die Situation ist ernst“, sagte GDL-Gewerkschaftschef Claus Weselsky in Frankfurt. Zwar solle auch der Personenverkehr wie in den drei Warnstreiks zuvor getroffen werden, der Schwerpunkt liege aber diesmal auf dem Güterverkehr der Deutschen Bahn. Diese erklärte, sie setze weiter auf Gespräche: „Der gordische Knoten kann nur auf dem Verhandlungsweg zerschlagen werden“, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Verkehrsminister Peter Ramsauer rief die GDL erneut zur Mäßigung auf.

Auch bei der FDP stießen die bevorstehenden Streiks auf massive Kritik. "Ein flächendeckender Streik wird das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Bahn weiter beschädigen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, Handelsblatt Online. Er könne daher nur hoffen, dass die Gewerkschaft GDL von ihrem Streikrecht "vernünftigen Gebrauch" mache. "Denn wenn am Ende die Kunden ausbleiben, haben die Arbeitnehmer den größten Schaden", warnte Döring.

Die GDL will mit den Streiks höhere Löhne sowie einen Branchentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr erzwingen. Zuvor waren die Verhandlungen sowohl mit der DB als auch deren privaten Konkurrenten im Personenverkehr gescheitert. Lediglich mit den privaten Güterbahnen, deren Marktanteil bei 25 Prozent liegt, wird noch gesprochen.

Damit muss sich vor allem die Stahlindustrie im Westen Deutschlands auf massive Behinderungen einstellen. Die Stahlbranche ist der wichtigste Kunde der Güterbahn. Die Lokführer könnten zudem die Autoindustrie empfindlich treffen: Die auf Hochtouren produzierenden Werke sind beim Export auf den Transport der Autos in Nordseehäfen wie Emden angewiesen.

Kommentare (8)

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michael_kowalski

07.03.2011, 16:20 Uhr

Leider hat man es aus politischen Gründen immer wieder verhindert, dass die Bahn einem Wettbewerb ausgesetzt wurde. Fernbusse (Eurolines) dürfen auf innerdeutschen Strecken keine Passagiere mitnehmen, der private PKW Verkehr wurde ebenso wie der Güterverkehr mit ständig steigenden Abgaben und Schikanen belastet. Jetzt bekommt man die Quittung.
Michael Kowalski

Account gelöscht!

07.03.2011, 16:32 Uhr

Die Gewerkschaft der Lokführer, GDL, trifft damit in erster Linie nicht ihre Arbeitgeber sondern an der Situation unschuldige Bahnkunden. Würde die GDL sich das auch trauen, wenn die Bahnkunden organisiert wären und evtl. bereit, zu Gegenmaßnahmen zu greifen ?

Account gelöscht!

07.03.2011, 19:07 Uhr

Ich kann mich an dieser Stelle nur mit einem Appell wiederholen:
Liebe Politik, liebe Arbeitgeberverbände und lieber DGB - bevor unser Land ruiniert wird - setzt Euch für eine Regelung mit einem Verbot der Berufsgesellschaften ein! Ob Cockpit, Marburger Bund oder die GDL. Diese Gewerkschaften schaden allen - wirklich allen. Nur ihre paar Gewerkschaftsmitglieder sind die Lachenden!

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