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12.04.2013

17:00 Uhr

& Other Stories

H&M startet mit der Luxusmarke

VonJohannes C. Bockenheimer

Mit der Zweitmarke „& Other Stories“ kämpft der schwedische Modekonzern um neue Kunden – und gegen den Erzrivalen aus Spanien. In Berlin wurde nun die erste deutsche Filiale des Luxuslabels eröffnet.

Höhere Preise, nobleres Image - & Other Stories ist die neue Marke von H&M

Höhere Preise, nobleres Image - & Other Stories ist die neue Marke von H&M

BerlinStuckverzierte Decken, vergoldete Kronleuchter und raumhohe Ankleidespiegel: Am Freitag hat am Kürfürstendamm in Berlin die erste deutsche Filiale von „& Other Stories“ eröffnet. Das stilisierte Und-Zeichen im Namen ist dabei eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die der jüngste Geschäftsableger des Modeherstellers Hennes & Mauritz mit den H&M-Läden teilt. „& Other Stories“ möchte um jeden Preis anders sein – und muss es auch.

Auf der neuen Zweitmarke ruhen die Hoffnungen des schwedischen Modekonzerns, wieder näher an den spanischen Erzrivalen Inditex heranzurücken. Während Inditex die Märkte in der jüngeren Vergangenheit mit immer neuen Erfolgsmeldungen begeistern konnten, enttäuschte die Geschäftsentwicklung der Schweden zuletzt.

Dementsprechend euphorisch gab sich der Geschäftsführer von „& Other Stories“, Samuel Fernström, zur Ladeneröffnung in Berlin: „Wir haben den Moment herbeigesehnt, in Berlin zu eröffnen und sind stolz, unser Store-Konzept hier in vollem Umfang mit unseren Freunden zu teilen.“ sagte er. Das erklärte Ziel der Modekette sei es, „bleibende Modeschätze“ zu kreieren, die in Ateliers in Paris und Stockholm von eigenen und namhaften externen Designern entworfen werden. Neben Kleidung, Schuhen und Taschen setzt „& Other Stories“ dabei vor allem auch auf Kosmetik-Artikel.

Ob dieses Konzept gleichwohl auch bei der Kundschaft ankommt, muss sich noch zeigen. Eine der ersten Kunden im Laden, die Berliner Schülerin Lina, hat zumindest der Ladeneröffnung ähnlich sehnlich entgegengefiebert, wie Geschäftsführer Fernström. Um beim Verkaufsstart dabei zu sein, haben sie und eine Freundin sich an diesem Freitag eigenmächtig eine Auszeit vom Unterricht zugestanden, gesteht sie verlegen.

Das Fazit der Schulschwänzerin fällt gleichwohl ernüchtert aus. "Wunderhübsch" seien die Kleidungsstücke, schwärmt die 17-Jährige, "aber auch ein bisschen teuer." Elke Kieft, Marketing-Managerin bei "& Other Stories", drückt es anders, vornehmer aus, meint letztendlich aber wohl das gleiche: „Wir bedienen mit unseren Läden die steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Premiumprodukten.“

Die größten Textileinzelhändler Europas

Der Bekleidungsmarkt in Europa

Auch wenn es viele bekannte Modeketten gibt – ihr jeweiliger Marktanteil ist recht gering. Das hängt nur teilweise mit dem Online-Handel zusammen. Vor allem vertreiben auch Discounter wie Aldi oder Lidl viel Bekleidung. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2012.

H&M

4,71 Prozent Marktanteil in Europa

Inditex (Zara u.a.)

3,93 Prozent

C&A

2,21 Prozent Marktanteil

Marks&Spencer

1,68 Prozent

Next

1,53 Prozent

Primark

1,36 Prozent

Arcadia

1,2 Prozent

Esprit

0,85 Prozent

TK Maxx

0,8 Prozent

Kik

0,65 Prozent

Quelle

Mintel (über statista.de)

Und auch wenn Kieft versichert, dass man mit den Produkten Kunden "von acht bis 88" und aus allen Einkommensschichten anspreche – die Preise sind deutlich auf eine wohlhabendere Klientel ausgerichtet, als bei den gängigen H&M-Artikeln. Neue Wege gehen die Schweden mit „& Other Stories" dabei auch bei der Produktpalette. So bieten die Läden neben den Eigenkreationen auch ausgewählte externe Marken wie Freizeitschuhe vom US-Sportartikelhersteller Nike an.

Hennes & Mauritz eifert mit „& Other Stories" dem Erzrivalen Inditex nach, der neben der Flaggschiff-Kette Zara mit insgesamt neun Marken in den vergangenen Jahren eine aggressive Expansionsstrategie verfolgt hat. Mit Zweitmarken wie der Premiumlinie Massimo Dutti oder der Teenie-Marke Bershka versuchte Inditex, mit jeweils unterschiedlichen Geschäftskonzepten möglichst viele Kundenbedürfnisse abzudecken.

Wo die Deutschen am liebsten shoppen

Kudamm

Berlin hat zwar neben München die meisten Spitzenlagen insgesamt, kommt aber in der Top Ten der erfolgreichsten Einkaufsmeilen nicht vor. Der innerstädtische Konkurrenzkampf ist wahrscheinlich zu groß: Neben dem Kudamm zählen Tauentzienstraße, Alexanderplatz, Wilmersdorfer Straße und Friedrichstraße zu den „Hochfrequenz"-Einkaufsmeilen. Das bedeutet mehr als 5000 Menschen laufen hier pro Stunde entlang.

Das Segment der Luxusstraßen führt die Düsseldorfer Königsallee (5.935) unangefochten an, liegt im Gesamtranking aber auf Platz 33. Nach ihr kommt mit einigem Abstand erst der Neue Wall in Hamburg (2.835) und dann auf Platz 3 die Stuttgarter Stiftstraße (2.310). Darauf folgen die Münchner Maximilianstraße (1.800) und die Goethestraße in Frankfurt (1.520).

Neuhauser Straße

Platz 10: Die Neuhauser Straße ist nicht mehr Münchens meistbesuchte Straße. Waren es 2011 noch 13.515 Passanten, die pro Stunde hier entlang liefen, sind es inzwischen 9275 Fußgänger.

Ludgeristraße

Platz 9: Die Ludgeristraße in Münster ist seit 1969 reine Fußgängerzone. Sie beginnt am südlichen Ende des Prinzipalmarktes, und verläuft an den Münster Arkaden vorbei, hin zum Ludgeriplatz. 2008 hatte die Straße erstmals den Sprung in die Gruppe der zehn erfolgreichsten Einkaufsmeilen geschafft und war direkt auf Platz 4 gelandet. Insgesamt 9420 Passanten wurden hier pro Stunde gezählt.

Westenhellweg

Platz 8: Der Westenhellweg ist Dortmunds größte Einkaufsstraße. Die Fluglinie Easyjet warb im Ausland mit der „Prachtstraße", um Flüge in die westfälische Stadt an den Mann zu bringen. Der Verlauf der Straße hat eine lange Geschichte: Es handelt sich um einen mittelalterlichen Heer- und Handelsstraße, die schon Karl der Große genutzt haben soll.

Spitaler Straße

Platz 7: Auf der Spitaler Straße in Hamburg wurden 9840 Passanten pro Stunde gezählt.

Flinger Straße

Platz 6: Die Flinger Straße in Düsseldorfs Altstadt schafft es zum ersten Mal nach weiter vorn im Ranking: Mit 10.150 Passanten springt sie von Platz 29 nach vorn. Auf der bisher beliebtesten Einkaufsstraße der Stadt finden umfangreiche Bauarbeiten statt, daher rühre die Verschiebung der Verhältnisse begründen die Mache der Studie von Jones Lang LaSalle.

Mönckebergstraße

Platz 5: Eine zweite Hamburger Einkaufsmeile, die es unter die ersten zehn geschafft hat, ist die Mönckebergstraße mit 10.380 Passanten pro Stunde. Sie wurde 1909 dem Verkehr übergeben und benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister der Hansestadt, Johann Georg Mönckeberg, der im Vorjahr der Einweihung gestorben war.

Königsstraße

Platz 4: Die Königsstraße in Stuttgart misst immerhin 1,2 Kilometer. Sie durchzieht die baden-württembergische Landeshauptstadt: Vom Hauptbahnhof führt sie am Schlossplatz, dem Kunstmuseum und einigen Landesministerien vorbei. 11.335 Passanten bewegen sich hier pro Stunde entlang.

Zeil

Platz 3: Die Zeil in Frankfurt am Main. Die Einkaufsstraße in Deutschlands Finanzmetropole ist die am stärksten frequentierte Shopping-Meile in der Republik. In den 70er Jahren wurde aus der Zeil eine reine Fußgängerzone. Mit 500 Metern Länge gehört die Einkaufspassage in Frankfurt zum mittleren Schnitt. Jahresmiete pro Quadratmeter: 3.480 Euro, Monatsmiete pro Quadratmeter: 290 Euro, Veränderung zum Vorjahr: + 7,4 Prozent.

Schildergasse

Platz 2: Schildergasse in Köln. Vor allem zur Weihnachtszeit drängen sich durch die schmale Einkaufspassage unglaubliche Menschmassen. Dann ist es kaum möglich von der einen Straßenseite zur anderen zu gelangen. Das kann in der vorweihnachtlichen Zeit gut und gerne mal eine kleine Ewigkeit dauern. Insgesamt ist die Schildergasse rund 500 Meter lang. Untersuchungen haben ergeben, dass in diesem Jahr durchschnittlich knapp 13.000 Besucher pro Stunde die Einkaufsstraße durchliefen.

Kaufingerstraße

Platz 1: Kaufingerstraße in München. Die Kaufingerstraße ist das teuerste, was Deutschland zu bieten hat. 1239 wird die Straße erstmals erwähnt, als Zeuge tritt damals der Patrizier Chunradius Choufringer auf, der dann als Namensgeber diente. Jahresmiete pro Quadratmeter: 4.200 Euro, Monatsmiete pro Quadratmeter: 350 Euro, Veränderung zum Vorjahr: + 6,1 Prozent.

Und das mit Erfolg: Im vergangenen Jahr konnte Inditex seinen Nettogewinn um 22 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro steigern. Bei den Schweden kam unterm Strich hingegen nur ein Plus von sieben Prozent zustande. Grund genug für H&M, die Markenexpansion nach Inditex-Vorbild voranzutreiben. Mit dem Standort Berlin wurde am Freitag europaweit die sechste „& Other Stories“-Filiale eröffnet, weitere sollen im Jahresverlauf noch folgen.

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