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25.10.2016

21:28 Uhr

Under Armour

Wenn 28 Prozent Gewinnplus nicht reichen

VonJoachim Hofer

Das schwächste Umsatzplus seit sechs Jahren alarmiert die Anteilseigner der amerikanischen Freizeitmarke Under Armour. Der Aktienkurs bricht brutal ein. Dabei ist das Wachstum nach wie vor gewaltig.

Anleger zweifeln trotz sehr guter Zahlen an der Fortsetzung des Wachstumskurses. AFP; Files; Francois Guillot

Schuhe von Under Armour

Anleger zweifeln trotz sehr guter Zahlen an der Fortsetzung des Wachstumskurses.

MünchenAnderswo knallen die Sektkorken, wenn der Umsatz in einem Quartal um 22 Prozent in die Höhe schießt und der Gewinn um 28 Prozent zulegt. Nicht so bei Under Armour: Für den Turnschuh-Hersteller aus Baltimore ist es das schwächste Plus seit sechs Jahren.

Entsprechend panisch reagierten am Dienstag die Anleger in New York. Viele Investoren befürchten, dass es mit dem stürmischen Wachstum der Sportmarke vorbei ist. So stürzte der Aktienkurs im Tagesverlauf um 13 Prozent auf knapp 33 Dollar ab. Binnen Jahresfrist hat die Firma damit rund ein Drittel an Wert verloren.

Gründer und Vorstandschef Kevin Plank versuchte, die Bedenken zu zerstreuen: „Under Amour ist eine Wachstumsfirma“, betonte der 44-Jährige. 26 Quartale in Folge verzeichne das Unternehmen nun schon ein Umsatzplus von mehr als 20 Prozent, so der Multi-Milliardär.

Der charismatische Ex-Football-Spieler hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2018 will er die Erlöse auf 7,5 Milliarden Dollar in die Höhe treiben. Zum Vergleich: Dieses Jahr sollen es knapp fünf Milliarden werden. Der operative Gewinn sollte ursprünglich im gleichen Zeitraum auf 800 Millionen Dollar klettern. Das werde Under Armour wohl nicht schaffen, kündigte Finanzchef Chip Malloy in einer Telefonkonferenz am Dienstag an. Er begründete dies mit einem schwächelnden Geschäft mit Bekleidung im Heimatmarkt USA.

In der Tat: In Amerika ist Under Armour zwischen Juli und Ende September nur um 16 Prozent gewachsen. Das schlägt auf den gesamten Konzern durch, denn die USA stehen für rund drei Viertel vom Umsatz.

Plank unterstrich, dass Under Armour mehr Geld als bisher geplant in die Hand nehmen müsse, um die Versprechungen einzulösen. Ziel sei vor allem, international zu wachsen und das Schuhgeschäft auszubauen. Das werde die Marge belasten. Ursprünglich hatte sich das 20 Jahre alte Label ganz auf Shirts und Shorts konzentriert. Daher ist Under Armour bei Schuhen nur teilweise auf Augenhöhe mit den Branchenführern Adidas und Nike. Und ins einträgliche Segment der Sportmode steigt die Marke gerade erst ein. All das kostet Hunderte Millionen Dollar.

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Dass Under Armour nicht mehr ganz so sprunghaft zulegt wie in den vorangegangenen Quartalen, liegt auch am deutschen Wettbewerber Adidas. Die Franken stecken schon seit anderthalb Jahren überproportional viel Geld ins US-Geschäft. So setzt Adidas die Konkurrenz mächtig unter Druck. Die Marke mit den drei Streifen kooperiert dabei unter anderem mit Musikstars wie Kanye West. Das scheint sich auszuzahlen, denn das Amerika-Geschäft der Traditionsfirma ist zuletzt rasant gewachsen.

Zudem kommt Puma immer besser in Fahrt, die Nummer vier der Sportindustrie. Das Label aus dem fränkischen Herzogenaurach steigerte die Erlöse im dritten Quartal um knapp elf Prozent, teilte Mehrheitseigner Kering am Donnerstagabend mit.

In absoluten Zahlen ist der Umsatz von Under Armour zwischen Juli und Ende September um 22 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar (1,35 Milliarden Euro) geklettert. Der Nettogewinn erhöhte sich auf 128 (Vorjahr: 100) Millionen Dollar.
Wie sich Adidas geschlagen hat, das zeigt sich kommende Woche Donnerstag, dann legt Europas größter Turnschuhproduzent die Quartalszahlen vor.

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