Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2014

17:57 Uhr

Unfallforscher

Luftverkehrssicherheit kurz vor Perfektion

Kostenschraube und verschärfter Wettbewerb: Weltweit stehen die Airlines unter Druck. Dennoch bejubeln Unfallforscher neue Rekorde bei der Luftfahrt-Sicherheit. Flugangst bei großen Airlines ist demnach unnötig.

Unfallforscher schreiben: „Die Chance, an Bord einer der großen Airlines in einen schweren Unfall verwickelt zu werden, betrug 2013 weniger als ein Hunderttausendstel Prozent.“ dpa

Unfallforscher schreiben: „Die Chance, an Bord einer der großen Airlines in einen schweren Unfall verwickelt zu werden, betrug 2013 weniger als ein Hunderttausendstel Prozent.“

HannoverDie Botschaft ist so eindeutig wie beruhigend: Nie zuvor war es in der Luftfahrtgeschichte sicherer, als Passagier ein Flugzeug zu besteigen. Die Zahl der Flugunfälle und Todesunfälle war 2013 auf einem neuen historischen Tiefstand.

Flugunfallforscher bestätigen zum Jahresbeginn die Botschaft: „Der Fluglinienverband IATA ermittelte, dass ein Passagier, würde er jeden Tag fliegen, etwa 6500 Jahre unterwegs sein müsste, bis er in einen tödlichen Unfall verwickelt ist“, schreiben die Unfalluntersucher des Hamburger JACDEC-Büros. Sie beschwören sogar ein „Fabeljahr“ und sprechen von einem Sicherheitsniveau, „das an Perfektion grenzt“.

Auch wenn jeder Tote einer zu viel ist: Seit den vergangenen drei Jahren lag die Zahl der Unfalltoten im weltweiten Luftverkehr konstant unter der Zahl 500. Unfälle mit mehr als 100 Toten – wie sie früher traurige Realität waren – gab es demnach 2013 nicht.

Wie erklärt sich dieser Trend? Es sind neben immer ausgefeilteren Strukturen beim Lenken der zunehmend wachsenden Luftverkehrsströme auch die heutigen modernen Flugzeuge, die das Risiko Fliegen mindern.

„Aus jedem Unfall lernen wir“, sagte ein Manager des europäischen Flugzeugbauers Airbus schon vor einigen Jahren. Einzelne mechanische Probleme, die einst im Fluge verhängnisvolle Katastrophen auslösen konnten, stellen heute längst kein größeres Problem mehr dar.

Zweistrahlige Passagierjets können sich heute auch mit einem ausgefallenen Triebwerk mehr oder weniger problemlos in der Luft halten und landen. Die Systeme sind doppelt und dreifach abgesichert.

Riskant bleibt „der menschliche Faktor“ – auch wenn ausgerechnet er immer wieder dafür sorgt, dass heikle Situationen nicht im Chaos enden. Denn trotz der ausgefeilten Sicherheitskultur in der Luftfahrt sind Irrtümer etwa bei der Interpretation einer Fluglotsen-Anweisung leider keine Ausnahme. In der Hektik der Großflughäfen mit ihren Ansagen im Sekundentakt gab es auch 2013 wieder Beinahe-Kollisionen.

Es sind nicht nur einnickende Piloten auf ermüdenden Langstreckenflügen, die Schlagzeilen machen: Die Wahl der richtigen Start- und Landebahn gehört ebenfalls dazu. Die konstant bleibenden Zahlen der gefährlichen Zwischenfälle belegen das.

Die Unfallforscher sprechen sich auch vor diesem Hintergrund für eine stärkere Vernetzung der nationalen Behörden sowie die Einführung einheitlich strenger Regeln für alle Fluggesellschaften eines bestimmten Wirtschaftsraums aus. Und sie loben die moderne Technik, die Besatzung und Piloten zunehmend vor Fehlentscheidungen bewahren.

Die Überraschung der diesjährigen Rückschau der Unfallforscher sind die Billig-Airlines. Allen vergangenen Negativ-Schlagzeilen zum Trotz bricht das JACDEC-Büro eine Lanze für sie.

Nach den Erkenntnissen der Experten decken Easyjet, Ryanair und andere heute fast die Hälfte des europäischen Passagierverkehrs ab. Dennoch gab es in 15 Jahren lediglich einen einzigen Zwischenfall, bei dem kein einziger der Passagiere starb. Die These „billig = unsicher“ gehöre damit definitiv ins Reich der Legenden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×